Mörbischs "My Fair Lady" wurde vorgestellt

25. März 2009, 14:05
4 Postings

Kassenerfolg angepeilt - Regisseur Lohner: "Kein Platz für große Revolutionen"

Wien - Unter großem Medienrummel haben die Seefestspiele Mörbisch am Mittwoch in Wien die Produktion des heurigen Sommers vorgestellt. Mit "My Fair Lady" bewege man sich von 9. Juli bis 23. August an den Grenzen der Operette zum Musical, sagte Intendant Harald Serafin und gab unumwunden zu, dass er das populäre Stück durchaus als Kassenerfolg eingeplant habe. In der Rolle der Eliza werden sich Katrin Fuchs und Nadine Zeintl abwechseln, als Professor Higgins konnten Michael Maertens und Daniel Morgenroth gewonnen werden. Regisseur Helmuth Lohner schlüpft in die Rolle des Alfred P. Dolittle, Serafin selbst gibt den Oberst Pickering - und konnte, auch wenn der ORF heuer nicht übertragen wird, selbstbewusst konstatieren: "Dieser Sommer gehört uns."

Die Pressekonferenz glich anfangs mehr einer Werbeveranstaltung: Der burgenländische Landesrat Helmut Bieler, der gleichzeitig als Präsident der Seefestspiele fungiert, betonte Mörbisch als "Gesamterlebnis", das einen hohen Wohlfühlfaktor bieten wolle, und bedankte sich ausführlich bei den Sponsoren. Landeshauptmannstellvertreter Franz Steindl erläuterte die "enge Verschränkung zwischen Kultur und Tourismus" und freute sich über mehr als 400.000 Gäste, die allein Mörbisch und die Opernfestspiele St. Margareten im vergangenen Jahr gemeinsam ins Burgenland brachten. Und Serafin ergänzte in trauter Übereinkunft: Von der Wertschöpfung von insgesamt 110 Millionen Euro im Burgenland seien "immerhin 40 Millionen von uns".

Damit sich das in diesem Jahr nicht ändert, versprach Bieler "eine der spektakulärsten Aufführungen, die wir je hatten". Und Steindl, der die Rolle der beiden politischen Würdenträger am Podium mit "den Ministranten des Herrn Pfarrer Serafin" verglich, hoffte heuer auch ein "jüngeres Publikum" anzusprechen. Damit sich der vorprogrammierte Erfolg auch einstellt, wurde mit Helmuth Lohner ein Mann ins Boot geholt, der schon u.a. mit der "Csardas-Fürstin" und der "Lustigen Witwe" große Erfolge im "Mekka der Operette" gefeiert hatte. "So viel Zieren hab ich selten erlebt", war Serafin stolz auf seine Hartnäckigkeit. Und Lohner bestätigte: "Eigentlich wollte ich nicht mehr - aber dann kam dieser große Überredungskünstler."

Wiener Einfärbung

Für Lohner bietet "My Fair Lady" keinen Platz "für große Revolutionen: man muss schön brav die Noten inszenieren - und dann liegt alles an den singenden Schauspielern". Die größte Herausforderung werde wohl sein, mit der Vorstellung unter der geforderten Länge von höchstens drei Stunden zu bleiben. "Wenn Higgins erklärt, dass er sich an Elizas Gesicht gewöhnt hat, ist es hoffentlich vor 23 Uhr." Anhand eines Modells erklärte der Altmeister schließlich die Bühnenkonstruktion von Rolf Langenfass (Serafin: "eine der schönsten Bühnen, die wir je hatten") und wusste, dass sehr viel Zeit an Proben nötig sein werde, "damit es so spielerisch wird wie jetzt am Modell".

Auch wenn sich die Bühne mit Tower Bridge und Covent Garden an London orientiert, wird "My Fair Lady" in der Fassung von Gerhard Bronner im breitesten Wiener Dialekt aufgeführt. "Zwölf oder dreizehn Elizen" habe man vorsingen lassen, erzählte Serafin, denn man habe viel Wert auf das "typisch Ottakringerische" gelegt. Mit Katrin Fuchs und Nadine Zeintl habe man schließlich zwei gleichwertige Interpretinnen gefunden. In weiteren Rollen sind Gabriele Jacoby, die in den 60er Jahren selbst noch als Eliza im Theater an der Wien geglänzt hatte, als Mrs. Higgins, Isabel Weicken als Mrs. Pearce und Daniel Serafin als Freddy Eynsford-Hill zu sehen. Als neuer Kapellmeister wird heuer Caspar Richter im Einsatz sein.

"Ich hoffe, dass wir Ihnen im Sommer eine gute Arbeit präsentieren können", meinte Helmuth Lohner abschließend. Bei Harald Serafin klingt das ungleich euphorischer: "Ich brenne schon auf den 2. Juni, wenn Probenbeginn ist." Und wenn er schon als Pfarrer bezeichnet werde, dürfe er auch so an das Publikum appellieren: "Gehet hin mit viel Freude." Bedauert wird seitens der Seefestspiele nur, dass der Verlag nicht zur Herausgabe der Senderechte von Frederick Loewes "My Fair Lady" bewegt werden konnte. Aus diesem Grund wird es 2009 weder eine ORF-Übertragung aus Mörbisch noch eine DVD-Produktion geben. (APA)

 

Share if you care.