Chef der oppositionellen Volkspartei zurückgetreten

25. März 2009, 11:04
posten

Srot stand erst seit November 2007 an Parteispitze - Erfolgreicher Bürgermeister von Celje enttäuschte in Ljubljana

Ljubljana/Wien - Der Vorsitzende der oppositionellen Slowenischen Volkspartei (SLS), Bojan Srot, ist am gestrigen Dienstagabend überraschend zurückgetreten. Er fühle sich durch seine Doppelfunktion als Bürgermeister von Celje (Cilli) und Parteichef überlastet, begründete Srot seinen Schritt nach nur gut einem Jahr im Amt. Parteifreunde hatten seit der Parlamentswahl im vergangenen Oktober an Srots Sessel gesägt, als die SLS fast die Hälfte ihrer Stimmen verloren und mit fünf Prozent nur noch knapp den Wiedereinzug in die Laibacher Staatsversammlung geschafft hatte.

Die gemäßigt-konservative Partei war in den vergangenen Jahren immer mehr zwischen die Fronten der slowenischen Politik geraten. Vor allem der Aufschwung der konservativen Slowenischen Demokratischen Partei (SDS) von Ex-Premier Janez Jansa machte der SLS zu schaffen. Jansa hatte sich im Wahlkampf massiv auf den damaligen Regierungspartner eingeschossen und sie als Partei des Transitionskapitals gebrandmarkt. Srots Bruder Bosko Srot, der Chef des Getränkekonzerns Pivovarna Lasko, soll nämlich auf unlautere Weise zu seinem Vermögen gekommen sein.

Weniger Bosko Srot, mehr Staat

Mit Srot geriet die gesamte Partei in die Defensive, kommentieren politische Beobachter in Ljubljana. "Statt die Politik der SLS zu vertreten, musste (Parteichef Bojan) Srot in TV-Sendungen immer wieder seinen Bruder verteidigen", schreibt die Tageszeitung "Delo" am Mittwoch. Entsprechend zerplatzte die Hoffnung, dass der erfolgreiche Bürgermeister von Celje der SLS auf gesamtstaatlicher Ebene wieder Auftrieb verleihen könnte. Entsprechend forderten Parteikollegen schon vor der Parlamentswahl den Rücktritt des Parteichefs. "Es ist höchste Zeit, dass die SLS sich mit der Lösung der Probleme des Staates zu beschäftigen beginnt, statt sich wie in den vergangenen zehn Monaten nur auf die Rettung von Bosko Srot zu konzentrieren", sagte der SLS-Spitzenpolitiker Ales Primc damals.

Srot steht erst seit November 2007 an der Spitze der SLS, die damals Teil der Mitte-Rechts-Regierung von Premier Jansa war. Der Bürgermeister von Celje hatte damals nach monatelangem Gezerre den langjährigen Parteichef Janez Podobnik aus dem Amt gedrängt. Srot galt wegen seiner erfolgreichen Tätigkeit in der drittgrößten slowenischen Stadt - im Jahr 2006 wurde er mit einer Dreiviertelmehrheit als Bürgermeister von Celje wiedergewählt - als Aushängeschild und Zukunftshoffnung der Partei. Das Parkett der Laibacher Politik erwies sich aber letztlich als zu glatt für ihn erwiesen.

Nachfolge

Über seinen Nachfolger wollte Srot nicht spekulieren. Medienberichten zufolge ist der frühere Verkehrsminister Radovan Zerjav der aussichtsreichste Kandidat für den Posten. Srot sagte, der neue SLS-Chef werde auf einem Parteitag im Mai gewählt, auf dem auch die Kandidaten für die Europawahl bestimmt werden. Der SLS werden aber kaum Chancen gegeben, einen Sitz im Europäischen Parlament zu erringen. Da Slowenien nur sieben Mandate in der Straßburger Volksvertretung zustehen, sind rund 14 Prozent der Stimmen für einen Sitz erforderlich. (APA)

Share if you care.