Löscher stellt Gewinnprognose infrage

25. März 2009, 10:49
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Die Situation müsse neu bewertet werden, bei Vorlage der Quartalszahlem im April werde sich das Unternehmen erneut zur Gewinnpronose äußern

Düsseldorf - Die Wirtschaftsflaute belastet zunehmend auch den Mischkonzern Siemens. "Wir sind nicht immun, niemand kann sich der Krise entziehen", sagte Siemens-Chef Peter Löscher in einem Interview mit dem "Handelsblatt" (Mittwoch-Ausgabe). Seit der Aufstellung der Prognose im vergangenen Jahr seien die Vorhersagen für das Wachstum der Weltwirtschaft immer weiter nach unten korrigiert worden. "Seit Jänner ist das Umfeld somit noch einmal erheblich schlechter geworden. Wir werden die Situation neu bewerten und uns bei Vorlage der Quartalszahlen am 29. April zur Gewinnprognose äußern", sagte Löscher.

Analysten rechnen schon seit Monaten damit, dass Siemens sein Ziel, im Kerngeschäft 8,0 bis 8,5 Mrd. Euro zu verdienen, kippen wird. Bereits nach dem ersten Geschäftsquartal im Jänner hatte sich Löscher vorsichtiger gezeigt. "Wir müssen uns auf eine längere Talsohle einrichten", sagte er jetzt. Das Energiegeschäft laufe noch sehr robust. Im Industriegeschäft spüre der Konzern aber massive Einbrüche auf der Abnehmerseite. Auch in der Medizintechnik, dem dritten Standbein des Konzerns, gibt es Probleme.

Stellenstreichungen über das bereits seit dem vergangenen Jahr laufende Abbauprogramm hinaus will der Siemens-Chef trotzdem vermeiden. "Wir werden alles tun, um auf betriebsbedingte Kündigungen 2009 zu verzichten", sagte er. Angesichts der sinkenden Nachfrage werde die Kurzarbeit aber sicher ausgeweitet. Auch die Investitionen wird Siemens zurückfahren: Die Kapitalinvestitionen sollen nach den Worten von Löscher in diesem Jahr unter dem Niveau von 2008 liegen, als sie sich auf rund 3,7 Mrd. Euro beliefen.

Gleichzeitig sieht Löscher die Krise weiter als Chance. "Positive Impulse erwarten wir von den weltweiten Konjunkturprogrammen, etwa in China oder den USA. Wir spüren auch in einzelnen Märkten der Golfregion oder in Zentralasien eine gute Nachfrage." Auch vom Konjunkturprogramm der Bundesregierung werde Siemens als Infrastrukturanbieter profitieren. "Das wird sich jedoch abgesehen von einigen Ausnahmen frühestens 2010, eher 2011 in Aufträgen auswirken." Von Staatshilfe für angeschlagene Unternehmer hält Löscher allerdings nichts: Der Staat sei nicht der bessere Unternehmer. "Was die Wirtschaft mehr denn je braucht, ist ein funktionierendes Finanzwesen." (APA/dpa)

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