Hypo Alpe Adria soll an die Börse

25. März 2009, 17:57
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Nach fünf Milliarden Verlust 2008 gibt die BayernLB keine Prognose für 2009 ab. Die Kärntner Hypo soll börsefit werden, ein Notverkauf sei aber nicht geplant

Den Rekordverlust von fünf Milliarden Euro in der krisengeschüttelten Bayerischen Landesbank werden auch die Kärntner zu spüren bekommen. Die verlustreiche Hypo Group Alpe Adria wird kapitalmarktfähig getrimmt.

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München/Klagenfurt - Die krisengeschüttelte BayernLB - Mutter der Kärntner Hypo Group Alpe Adria - steht nach dem Rekordverlust von rund fünf Mrd. Euro im vergangenen Jahr vor harten Einschnitten. "2008 war für die BayernLB eines der schwierigsten Jahre in ihrer 125-jährigen Geschichte" , sagte BayernLB-Chef Michael Kemmer. Faule Wertpapiere schlugen mit einem Minus von vier Mrd. Euro zu Buche, das Engagement bei Lehman Brothers und in Island hat 1,4 Mrd. gekostet. Mit Hochdruck wird jetzt an einem massiven Umbau gearbeitet, dem rund 5600 der konzernweit 20.285 Arbeitsplätze zum Opfer fallen sollen.

Für Aufhorchen sorgte Kemmers mit seiner Aussage, die Kärntner Hypo mittelfristig zur "Kapitalmarktfähigkeit" bringen zu wollen. Ein Börsengang der Kärntner Hypo sei aber nicht geplant, erläuterte die Deutschen, es gehe darum, die Bank fit, schlank und effizient für alle Optionen zu machen.

Bestätigt wurde bei der Pressekonferenz in München, dass die Kärntner Bank für 2008 einen Verlust von rund 500 Mio. Euro ausweisen wird. Und:Ein Drittel, also auch rund 500 Mio. Euro, der Kreditrisikovorsorgen der BayernLB (1,6 Mrd. Euro) "entfallen auf die notwendigen Bereinigungen bei unserer österreichischen Tochter", so Finanzvorstand Stefan Ermisch.
Selbige gelte es nun "mit Außenmaß und abgestimmt mit den übrigen Aktionären zu restrukturieren".

In Kärnten versteht man darunter, dass die Hypo so aufgestellt wird, "dass sie sich selbstständig ohne weiteren Partner behaupten kann", erklärte eine Sprecherin. Einen baldigen Börsengang schließt sie aus. Zur Erinnerung: Die Hypo hat Ende des Vorjahres 900 Mio. Euro vom Staat gebraucht und 1,3 Mrd. Euro von der BayernLB.

Das Land Kärnten, das noch 12,4 Prozent besitzt, kann sich einen Börsengang mittelfristig vorstellen. "Das war immer eine Option bei den Verkaufgesprächen mit den Bayern" , bestätigt der Aufsichtsratsvorsitzende der Landesholding und ÖVP-Chef Josef Martinz. Kärnten würde dabei weitere Anteile abgeben.

Tiefe Einschnitte

Genaue Pläne zur Zukunft der Hypo gibt es derzeit noch nicht. Klar ist nur, dass aus der EU Druck auf die Bayern kommt: Die BayernLB braucht selbst rund zehn Mrd. Euro Staatshilfe plus umfassende Haftungen vom Bund. Die EU-Kommission will aber nur dann grünes Licht für die Rettung geben, wenn die Bank bis 18. April einen Plan vorlegt, wonach sie ihre Bilanzsumme auf rund 200 Mrd. Euro halbiert, heißt es.

Aus dieser Vorgabe ergeben sich Spekulationen über einen Hypo-Verkauf (Bilanzsumme: 44 Mrd. Euro). Dass die Bayern die Hypo Group am Balkan filetieren oder dort Enkeltöchter abstoßen, kann man sich in Klagenfurt nicht vorstellen: "Die werden doch nicht ihre Gewinnbringer am südosteuropäischen Markt abschneiden" , sagt Martinz. (gra, stein, Reuters, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.03.2009)

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    Ob bayerischer Löwe...

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    ... oder Kärntner Lindwurm: Die Bilanzen der BayernLB und der Hypo Group haben 2008 für Schrecken gesorgt.

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