Israelisch-palästinensische Doppelgänger als Friedensstifter

25. März 2009, 11:01
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Schweizer Künstler will per Zeitungsannonce Menschen beider Konfliktparteien finden, die sich ähnlich sehen

"Doppelgänger gesucht" - so lautete vergangene Woche eine halbseitige Anzeige, die in der hebräischen Ausgabe der israelischen Tageszeitung "Haaretz" erschien. Geschaltet hat den Aufruf die Schweizer Kulturstiftung "Pro Helvetia", die damit den Schweizer Künstler Olivier Sutter unterstützt. Er macht sich auf diese Weise auf die Suche nach Palästinensern und Israelis, die sich stark ähnlich sehen. Sein Projekt "Enemies" soll helfen, die Kluft zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen zu mindern. Die Art, wie sich Menschen gegenseitig identifizieren würden, sei eine absurde Gewohnheit, so der Künstler. Diese gegenseitige Identifikation basiere nämlich oft "auf Vorurteilen und historischen Missverständnissen".

In der Zeitungsanzeige werden Gesichter von acht Menschen abgebildet. Jeder, der Personen kennt, die diesen acht Menschen ähneln, soll laut Anzeige umgerechnet rund 1.450 Euro bekommen. Im Kleingedruckten relativiert sich die Summe: Pro Gesichts-Double gibt es jeweils rund 181 Euro Belohnung, die zwischen dem Einsender des Fotos und dem darauf Abgelichteten aufgeteilt werden.

Kein Budget für Ausstellung in Israel

Sutter berichtet von einem ähnlichen Kunstprojekt in Belgien: "Ich habe Menschen von der Flämisch und der Französisch sprechenden Gemeinschaft gefunden, die sich sehr ähnlich sahen, um damit die kulturelle Spaltung und die dadurch hervorgerufenen Spannungen aufzuzeigen." Sutter will in dieser Woche nach Israel reisen um die eingesendeten Bilder zu sichten und passende Kandidaten zum Mitmachen zu überreden. Am Ende sollen vier Paare israelisch-palästinensischer Doppelgänger zu einer Fotosession eingeladen werden. Die Bilder will Sutter im April in einer Ausstellung in der Schweiz präsentieren. Später soll daraus eine Wanderausstellung durch mehrere afrikanische Staaten werden.

Sutter träumt davon, das Projekt auch in Isreal herzuzeigen. Derzeit fehle es ihm aber noch an Geld und Ausstellungsmöglichkeiten. (red, derStandard.at, 35.3.2009)

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