Pakistans populärer Rechtsstreiter

24. März 2009, 21:26
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Iftikar Chaudhry kehrt in sein Amt als Höchstrichter zurück

Vielleicht ist er der derzeit mächtigste Mann in Pakistan, dem muslimischen Atombombenstaat mit 160 Millionen Einwohnern und der wichtigsten Front im weltweiten Kampf gegen den islamistischen Terror.
Iftikar Muhammad Chaudhry (60), Sohn eines Polizisten und nun wieder eingesetzter Präsident des Verfassungsgerichts, hat in den letzten zwei Jahren den Sturz der Militärregierung bewerkstelligt und den umstrittenen zivilen Staatspräsidenten Asif Ali Zardari in die Knie gezwungen. Keine schlechte Bilanz für einen Richter, der seit 2007 die meiste Zeit unter Hausarrest verbrachte.

Dabei galt Chaudhry dem früheren Präsidentengeneral Pervez Musharraf als gute Wahl, als er den Mann aus der Provinz Balutschistan im Jahr 2000 zum Verfassungsrichter beförderte. Chaudhry hatte zuvor als Höchstrichter in seiner Heimatprovinz den Amtseid auf das provisorische Verfassungsgesetz des Putschgenerals Musharraf geleistet. Im April 2005 wies Chaudhry dann Petitionen gegen die Gesetzesänderungen ab, die Musharrafs Herrschaft festigten und dem General erlaubten, als Armeechef gleichzeitig das Amt des Präsidenten auszuüben. Wenige Monate später wurde Chaudhry Präsident des Höchstgerichts, der jüngste in der Geschichte Pakistans. Ein Richter mit demokratischer Gesinnung? Iftikar Chaudhry müsste es bis dahin verborgen haben.

Denn die Probleme für die Mächtigen im Staat begannen von nun an. Chaudhry, den Richterkollegen als Choleriker und rastloses Arbeitstier beschreiben, mischte sich in die Umtriebe der Militärregierung ein.
Anfang 2007 annullierte Chaudhry die Privatisierung der Pakistan Steel Mills, die der damalige Pemier Shaukat Aziz einem Geschäftsfreund zuschieben wollte.

Chaudhry bohrte auch bei Militär und Sicherheitsdiensten, um Klarheit über angebliche Terrorverdächtige zu schaffen, die einfach verschwanden. Vor allem aber traf der Chef des Höchstgerichts Anstalten, eine neuerliche Kandidatur von Armee- und Staatschef Musharraf zu untersagen.

Chaudhry wurde im März 2007 seines Amts enthoben, im Juli von seinen Kollegen wieder eingesetzt, im November nach der Verhängung des Kriegsrechts erneut suspendiert. Längst zur populären Symbolfigur des Rechtsstaats avanciert, blieb Chaudhry noch bis März 2008 unter Hausarrest. Musharrafs Nachfolger Zardari versuchte ihn vom Amt fernzuhalten. Er fürchtet, dass Chaudhry alte Korruptionsanklagen wieder öffnet. (Markus Bernath/DER STANDARD, Printausgabe, 25.3.2009)

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