Topolanek gestürzt

Prager Blamage

24. März 2009 20:12

Die Mitte-rechts-Regierung hatte von Anfang an keine sichere Mehrheit im Parlament - Von Josef Kirchengast

Václav Klaus hat schon gewusst, warum er nicht die EU-Flagge über dem Hradschin aufziehen ließ. Jetzt muss sich der tschechische Staatspräsident nicht auch noch das ungeliebte Symbol vor seinem Fenster anschauen, wenn er der europäischen Öffentlichkeit erklären soll, warum die Regierung seines Landes mitten in der EU-Präsidentschaft gestürzt wurde. Ohnehin dürfte er sich weniger genieren als vielmehr darüber herzlich freuen, dass sich sein einstiger Partei-"Freund" Mirek Topolánek mit dem Misstrauensvotum zu Hause als Ratsvorsitzender der Union blamiert hat.

Die Mitte-rechts-Regierung hatte von Anfang an keine sichere Mehrheit im Parlament. Sie ist aus vielerlei Gründen, meist ziemlich unappetitlichen, gescheitert. Sachpolitische Differenzen unter den Koalitionspartnern spielten die geringste Rolle, die innere Spaltung der größten Partei, Topoláneks ODS, in der Europafrage dagegen eine entscheidende.

Und hier kommt Klaus ins Spiel, besser: Er war es von Anfang an. Als Gegner einer vertieften und handlungsfähigeren EU wollte Klaus die von ihm gegründete rechtsliberale Partei auf diesem Kurs halten. Weil Topolánek als Parteichef dies ändern wollte - und weil er ihn sowieso für unfähig hielt -, arbeitete Klaus konsequent auf dessen Sturz hin. Nun hat er es geschafft, unter Mithilfe diverser Überläufer, die ihre eigenen, meist ganz und gar nicht uneigennützigen Motive haben. Topoláneks Regierung wird zumindest bis zum Ende der EU-Präsidentschaft geschäftsführend im Amt bleiben. Sie wird den Vorsitz nicht schlechter als bisher absolvieren. Kritiker meinen, das sei ohnehin schwer möglich. (Josef Kirchengast/DER STANDARD, Printausgabe, 25.3.2009)

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rudi rednose
25.03.2009 16:25
Die tatsächliche Prager Blamage ist die Art und Weise,

wie die EU-Präsidentschaft abgewickelt wird - mit Abstand das Übelste, das auf dem Sektor je zu sehen war.

Vielleicht wäre es doch endlich an der Zeit, den Vertrag von Lissabon zu ratifizieren. Zumindest das halbjährige Spektakel und dessen Peinlichkeiten, bliebe uns dann erspart.

vis comica
25.03.2009 13:27
Seit wann ist ein demokratischer Akt eine Blamage, Herr Kirchengast?

Habe ich da was in der österreichischen Politik versäumt?

lanko
25.03.2009 17:41
die Blamage ist die,dass dieser Akt just mitten in der EU-Präsidentschaft der Tschechischen Republik stattfand.

So etwas passiert ohnehin nur alle 12 Jahre, und in ebendieser Zeit, in der das Land im Schaufensters Europas steht, just während einer Wirtschaftskrise bisher ungekanntem Ausmaßes die eigene Regierung zu stürzen zeugt von provinzieller Unprofessionalität. Davor und danach wäre noch immer genug Zeit, um Mistrauensaträge und dergl. zu stellen - aber nicht während der Präsidentschaft.

Nichtschweiger
 
25.03.2009 17:15
Seit wann kann ein demokratischer Akt keine Blamage sein?

Es offenbart die Dummheit mancher Mandatare und der Wähler. Schauen sie sich doch die Wahl in Kärnten an - das war ebenfalls ein demokratischer Akt und trotzdem eine Blamage für Kärnten (und Österreich)

koelli
25.03.2009 11:56
ich kann dem Gutes abgewinnen

das "Vertragskonstrukt" zu Lissabon wird wieder unwarscheinlicher...

Nichtschweiger
 
25.03.2009 17:16
Hören sie doch auf so einen Unsinn zu hoffen!

Dann sind sie nachher nicht so enttäuscht!

Auch ein Künstler genießt gerne den Komfort
25.03.2009 11:56
wieso blamage?

das parlament (volk) hat entschieden, dass es zu ihren managern (regierung) kein vertrauen mehr hat. normaler, demokratischer (volksherrschaftlicher) vorgang.

Franz Steiner
25.03.2009 09:13

Vernünftig wäre gewesen, wenn Sarkozy Ratspräsident geblieben wäre. Das ist das Ergebnis, wenn man jedem Bantu-Staat für ein halbes Jahr die Führungsrolle zubilligt.

na habedere
25.03.2009 13:59
Großfrankreich

nachdem Deutschland an dem Projekt gescheitert ist, soll es jetzt Frankreich versuchen?

pepi karli
25.03.2009 13:43

Zu meinem persönlichen Bedauern musste ich feststellen, das die Franzosen wirklich gut gearbeitet haben. Eigentlich lehne ich dieses Grand Nation Gehabe ja ab, aber sie waren zumindest in der Lage die Führungsrolle sehr gut wahr zu nehmen. Und das finde ich OK.

Frei Geist 3
25.03.2009 12:31

offensichtlich sie sind eine intelligenzbestie sondergleichen

lanko
25.03.2009 17:45
na dann erklären'S doch auch, wieso der Vorposter eine solche ist?

Oder fehlen Ihnen die Argumente? Ohne Begründungen bleibt Ihre Argumentation eher schwach.

(Ich für meinen Teil gebe ihm uneingeschränkt recht).

Schwarz Grün
25.03.2009 09:07
ist es nicht herrlich, ....

wenn man endlich mal wieder alle vorurteile gegenüber unseren nachbarn bedienen kann .....

manchmal sch*äme ich mich, österreicher zu sein.

a grünes stricherl
 
25.03.2009 12:53
schämen muss man sich nicht unbedingt

traurig ist es allemal ...

Longyearbyen
 
25.03.2009 11:40

Wenn du dich für diesen Artikel schämst, wie gehst du dann mit Hilter, Eichmann oder Mauthausen um?
Öffentliche Selbstverbrennung? Dieses "Schämen" ist doch auch nur ein Nationalismus. Schäm dich.

Lord Chaos
25.03.2009 11:11


Und welche Vorurteile wären das?

Allt sem ég fæ í dag, farið burt á morgun
25.03.2009 09:50

sie sollten sich eher dafür schämen, pausenlos die ewig langweiligen phrasen zu schwingen. wenn sie sich schämen, österreicher zu sein, gibt´s die möglichkeit die staatsbürgerschaft aufzugeben.

was hat tschechische innenpolitik mit österreich zu tun?

verfolgungswahn?

kauwvn
25.03.2009 08:33
das ist keine blamage

es ist ein demokratischer erfolg, nieder mit den ar....... politiker und ein hoch den volke, von dem die macht ausgehen sollte (aber leider kennen die politiker die verfassung nicht, auf die sie einen eid geschworen haben).

pepi karli
25.03.2009 14:01

1. Ihnen ist aber schon klar, dass hier ein Politiker von Politikern zum Rücktritt gezwungen wurde und wieder ein anderer Politiker nachkommen wird.

2. Von welcher Verfassung reden Sie denn? Kenne Sie eigentlich unsere Verfassung?

3. Politische Theorie scheint keine Ihrer Stärken zu sein, oder? ;-)

elend_meister
 
25.03.2009 02:42
Nicht nur die Tschechen...

auch wir Österreicher sind nicht gerade das politische Paradeland für Europafreundlichkeit:
http://www.zeit.de/2009/13/A... k?page=all

Was ich mir wünsche: Eine europäische Regierung ohne nationale, kleinstattliche Interessen, legitimiert vom europäischen Volk.
Was wir haben: 27 Egozentriker, die immer versuchen dem selbstgeschaffenen Leviathan "Brüssel" den schwarzen Peter zuzuschieben.

Elfmeter
24.03.2009 23:50
Jetzt sagt mir eines:

Warum haben wir die Tschechen eigentlich in die Eu aufgenommen, wenn sie eh nicht wollen? Irgendwie befremdlich, das muss ich schon sagen.

na habedere
25.03.2009 14:00
eh nicht wollen

laut allen Umfragen ist Österreich BEI WEITEM euroskeptischer als Tschechien. Und warum fragen Sie jetzt nicht, warum man uns nicht hinauswirft?

Auch ein Künstler genießt gerne den Komfort
25.03.2009 11:57

die nummer "wir nehmen den brückner, aber ihr verzupft euch wieder aus der eu" hat nicht funktioniert.

Pefo
25.03.2009 08:45

Nun, Elfmeter,

"wir" haben "die Tschechen" in die EU aufgenommen, um Vorteile daraus zu ziehen.

Bertel Mann
 
25.03.2009 05:53
"Wir"? Hat man Sie abstimmen lassen?

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