Philippinische Pflegerinnen geschädigt

24. März 2009, 19:57
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50 Krankenschwestern mit Scheinkrediten betrogen - Firma war in Geldnot. Aus der Not heraus habe man dann das Betrugs-System für Philippinas entwickelt

Wien - „Er ist vielleicht kein Ladykiller, aber ein fescher Bursch", stellt Herbert Eichenseder fest. Der Anwalt vertritt die Lebensgefährtin des Hauptangeklagten. Und jener hatte mit seinem Charme viele um den Finger gewickelt. Eichenseders Mandantin sitzt nun wegen einer „Unterhaltszahlung" mit auf der Anklagebank im Landesgericht: Ein gewisser „Ongor Tenga" hatte 1200 Euro an „Amorina" gezahlt, weil er sie geschwängert hatte. Nur: „Ongor Tenga" ist ein Kater - und „Amorina" seine Katz‘.

Neue Firma nach Konkurs

Verdächtig wurde die Zahlung, als die gewaltige Immobilienblase ihres Lebensgefährten aufflog: Michael L. hatte ein Immobilienunternehmen - de facto. Da er nach einem gewaltigen Konkurs bereits amts- und bankbekannt war, hatte man die Tochter seiner ehemaligen philippinischen Freundin als Geschäftsführerin für das neue Unternehmen eingetragen.

Schneeball wurde Lawine

Nach ersten Erfolgen habe es aber Streit mit zwei Polizisten gegeben, die sich für ein Haus interessiert, aber dann die Anzahlung zurückgefordert hätten, schildert Michael L. Der Konflikt endete in der U-Haft - und dann sei das Vertrauen der Kunden weg gewesen. Und das Geld. Aus der Not heraus habe man dann das System mit den philippinischen Krankenschwestern entwickelt. 

Angebot für Pflegerinnen

Jenen habe man angeboten: Wenn sie einen Kredit aufnehmen, könne man eine Immobilie kaufen, sie „entwickeln" und gewinnbringend verkaufen. Die Kreditraten werde die Immobilienfirma zahlen - und die Kreditnehmerin bekomme eine Provision. Ein Schneeballsystem zum Löcherstopfen, das eine Lawine wurde.

"Philippinas leben von Geschäftsvermittlungen"

Warum gerade philippinische Krankenschwestern, will Richterin Claudia Moravec-Loidolt wissen. Von seiner ehemaligen Lebensgefährtin kenne er „die philippinische Mentalität. Philippinas leben von Geschäftsvermittlungen", erläutert Michael L. Er bekennt sich schuldig - die sechs Mitangeklagten, von den Lebensgefährtinnen bis hin zur Bankangestellten, die die Kredite vermittelte, wollen von den betrügerischen Geschäften nichts gewusst haben.

Der Prozess wird fortgesetzt - um die insgesamt 52 Kreditnehmerinnen zu befragen. Und um zu klären, ob die „Unterhaltszahlung" von „Ongor Tenga" aus einem dieser Kreditbetrügereien stammte. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD Printausgabe, 25.3.2009)

 

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