Rasende Wolken in der Milchstraße

24. März 2009, 19:46
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Der Astronom Bastian Arnold analysiert die Bedingungen für die Sternbildung

Zu Beschreibung des Weltraums genügten lange Zeit zwei Koordinaten: viel Platz und wenig los. Auf den intergalaktischen Raum trifft das noch zu, denn er ist fast leer. In der Umgebung von Galaxien drängen sich jedoch verschiedene Objekte zusammen. Eine spezielle Klasse von Wolken aus atomarem Wasserstoff, die mehr als 50.000-mal größer ist als unser Sonnensystem, bildet dort Komplexe von mehreren hundert Stück.

"Sie fallen mit hohen Geschwindigkeiten in unsere Milchstraße und andere Galaxien ein", sagt Bastian Arnold, der seine Dissertation am Institut für Astronomie der Uni Wien schreibt. Er untersucht mögliche Wechselwirkungen zwischen Hochgeschwindigkeitswolken und galaxieumgebenden heißen Gasen, die für die Entstehung von Sternen notwendig sind. So würde eine logische Brücke zwischen zwei bereits beobachteten Objekten geschlagen.

An dem Fach faszinieren den Deutschen extreme Bedingungen und Superlative. Er hat Spaß an der Synthese von physikalischen Feldern wie Relativitätstheorie, Kernphysik, Optik, Gravitation, Festkörperphysik etc., über die sich auch die Problemstellungen der Astronomie erstrecken. Im Rahmen von Erasmus schloss er in Karlskrona in Schweden auch noch ein Mathematikstudium ab. Zur Beschäftigung mit Sternbildung kam er zufällig.

Während des Diploms am Astrophysikalischen Institut Potsdam wurde er auf das Doktorandenkolleg "The Cosmic Matter Circuit" aufmerksam. Die Aufnahme klappte, und so kam er in eine Stadt, die er nicht kannte.

Als Naturforscher ist er ein Idealist mit Eigeninitiative, mathematischem Verständnis, Kreativität und der Fähigkeit, lange und intensiv an einem Problem arbeiten zu können. In der Astronomie muss man sich rasch an die ungeheuren Dimensionen im Universum gewöhnen. Dem 28-Jährigen hilft dabei René Descartes: "Ich muss mir ein Ding nicht vorstellen können, um es zu begreifen." Astrophysiker haben es schwer, "strenge Wissenschaft" zu betreiben: "Beobachtungsdaten sind oft lückenhaft, wir können nicht vor Ort messen und keine Experimente für Prozesse entwerfen, die mehrere Millionen Jahre dauern. Wir müssen uns permanent einschränken und vereinfachen, um wenigstens Teilaspekte zu verstehen", sagt Bastian Arnold, der selbst mit Computersimulationen arbeitet.

Der Aufenthalt in Karlskrona als "Fremder" - wenn auch unter internationalen Studierenden - hat ihn aufmerksamer gegenüber Menschen gemacht, die Hilfe benötigen. Natürlich war auch die fachliche Ausbildung sehr nachhaltig. Gerade Kindern versucht er, die Angst vor Physik und Mathematik zu nehmen, "eine Herausforderung, sich den verschiedenen Wissensständen anzupassen, aber die Naturwissenschaften sind zu interessant, um lediglich einer kleinen Anzahl von Leuten vorbehalten zu bleiben".

In seiner Freizeit spielt er Fußball, lernt Sprachen und erradelt oder erwandert seit Jahren die Länder Europas. (Astrid Kuffner/STANDARD,Printausgabe, 25.3.2009)

  • Bastian Arnold sieht sich als Idealist mit mathematischem Verständnis.
    foto: privat

    Bastian Arnold sieht sich als Idealist mit mathematischem Verständnis.

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