Schnäppchen-Post per SMS

24. März 2009, 19:29
posten

Ein Kunden-Club und Handy-Gutscheine sollen dem Stadion Center Käufer bringen

Gähnende Leere in den Gängen, kaum Kundschaft in den Shops: Das war auch schon vor der Wirtschaftskrise kein seltenes Bild in einigen heimischen Einkaufszentren. Die Center-Betreiber bemühten sich redlich, den Kunden nicht nur Schnäppchen via Flugblatt, sondern auch nichtpekuniäre Besonderheiten anzubieten - und wenn es nur längere Öffnungszeiten als Lockvogel für Berufstätige oder Zauber- und Spielnachmittage für die Kinder kauffreudiger Eltern waren.

Angesichts der wachsenden Arbeitslosigkeit und der immer geringer werdenden Kaufkraft des Durchschnittsösterreichers fühlt man sich in diesen Belangen nun noch mehr gefordert. Doch wie soll man die Kunden über noch mehr Schnäppchen, Kindernachmittage und Gewinnspiele informieren? Wieder vor allem mit Postwurfsendungen?

"Herkömmliches Direktmarketing funktioniert jetzt nicht mehr", weiß Reinhard Winiwarter, Geschäftsführer von Retail Mobile Systems (RMS). Auf Postwurfsendungen von Handelsketten gehe unter, dass in einem ganz bestimmten Einkaufszentrum eine Filiale zu finden sei. Und mit eigenen Prospekten sei das Center wieder nur einer von vielen im Briefkasten und daher verwechselbar. Abgesehen von den Kosten, die eine derartige Werbeaktion verursache.

Deshalb hat Winiwarter gemeinsam mit dem Grazer Kompetenzzentrum Evolaris Next Level und dem Unternehmen Spoon als Technologieentwickler ein neuartiges Marketing-Werkzeug kreiert, das nun im Stadion Center eingesetzt wird. Über die Website www.stadioncenter.at kann jeder User seit Anfang März Mitglied des "DigiClubs" werden und erhält je nach angegebenen Interessen, ob Sport, Technik, Mode oder Schönheit, hin und wieder Angebote per SMS zugeschickt. In der Message enthalten ist ein 2-D-Code, für den man an einem Lesegerät im Stadion Center einen Gutschein erhält.

Diese Technologie gibt es seit den 1980er-Jahren und kann wesentlich mehr Inhalte als der Barcode speichern. Allein als Marketingtool via Handy hat sich der 2-D-Code bisher noch nicht durchgesetzt. Geschäftsleute hatten Angst, Kunden mit SMS eher zu vertreiben als anzulocken. Und Handybesitzer machten sich Sorgen, von einer SMS-Spamflut überrollt zu werden.

Das scheint sich nun geändert zu haben. Eine Umfrage der Standort Marketing Agentur, Gesellschafter der RMS, zeigte: 79 Prozent der Befragten erklärten sich bereit, mindestens einmal pro Woche eine Unternehmensnachricht auf das Handy geschickt zu bekommen. Evolaris-Chef Otto Petrovic glaubt, dass das Mobiltelefon "längst Teil von uns geworden ist und daher auch als Medium für derartige Botschaften akzeptiert wird". Und zwar für personalisierte Angebote: "Kunden wollen nicht mehr überschüttet werden, sie wollen wissen, dass man genau sie meint."

Getestet wurde im Murpark Graz. Einen Imagewandel habe man durch ein ähnliches System schon vor einigen Jahren erreichen können. Die unter Studenten wegen ihres "traditionellen Auftritts" (Winiwarter) nicht so hoch geschätzte Raiffeisenbank bot den Hochschülern via SMS Gutscheine (z. B. für die Mensa der Universität) an, die man in der Filiale einlösen musste - die ganz plötzlich regen Besuch hatte.

Der "DigiClub" soll, wenn er Erfolg hat, in absehbarer Zeit in weiteren Einkaufszentren eingesetzt werden. (pi/STANDARD,Printausgabe, 25.3.2009)

Share if you care.