Die PlayStation 3 als Videorekorder

PlayTV macht die Konsole zu einem schicken und smarten Festplatten-Rekorder - allerdings nur für DVB-T-Empfang

Sony hat die PlayStation 3 mit HD-Gaming, Blu-ray, Video- und Musikplayer, Foto-Galerie, WLAN, Internet-Browser und vielem mehr als multimediale Schnittstelle im Wohnzimmer positioniert. Lange angekündigt, kommt am 27. März nach knapp einem Jahr nun ein Modul auf den österreichischen Markt, dass die vielseitige Spielkonsole zum digitalen Festplattenrekorder macht.

PlayTV heißt das Produkt, der WebStandard hat sich das 99 Euro (UVP) teure Zubehör genauer angesehen.

Nicht für Kabel und Satellit

Das Set besteht aus einer faustgroßen DVB-T-Empfänger-Box sowie einer passenden Software.

Um es vorwegzunehmen, das einzig große Manko von PlayTV: Mit Kabel- und Satelliten-Anschlüssen kann der PlayTV-Receiver nichts anfangen. Zum Start gibt es vorerst nur die Variante mit terrestrischem TV-Empfang.

Vorbereitung und Installation

Die Einrichtung geht leicht von der Hand. Der Empfänger wird per USB-Kabel an die Konsole und über das Antennenkabel an eine handelsübliche Zimmerantenne oder die Hausantenne angeschlossen. Bevor man die Softwareinstallation startet, sollte man sich vergewissern, dass genügend Speicherplatz auf der Festplatte vorhanden ist. Fernsehprogramme werden bei der Aufnahme im MPEG-2-Format gespeichert. 30 min brauchen je nach übertragener Qualität 400 bis 800 Megabyte. Idealerweise gönnt man sich mit PlayTV daher ein Harddisk-Upgrade. Jede beliebige 2,5-Zoll-Platte mit SATA-Anschluss kann in die PS3 eingebaut werden. (Anm.: 500 GB sind bereits unter 100 Euro zu haben)

Wie es sein sollte, ist die Installation selbsterklärend und in wenigen Schritten erledigt. Zum Abschluss läuft die Sendersuche, damit hat es sich aber auch schon.

Schick und schnell

Auffallend beim ersten Reinzappen: Das Menü ist elegant designt, aufgeräumt und reagiert, ohne zu übertreiben, verzögerungsfrei. Gleiches gilt auch für die Senderübersicht und die Programmvorschau. Ein fortlaufender Balken zeigt die Restzeit der laufenden Sendung. Alle wichtigen Optionen wie Aufnahme, Informationen, Audio- und Untertiteleinstellungen lassen sich direkt anwählen.

Als Fernbedienung fungiert wahlweise der PS3-Controller oder die separat erhältliche Bluetooth-Fernbedienung. Wer aber ein bisschen mit dem Gamepad vertraut ist, sollte mit den intuitiven Bedienelementen zurechtkommen und kann sich die Investition in ein weiteres Zubehör sparen.

Aufnahme und Programmierung (mit Suche)

Alle Registerkarten des Menüs sind in einem Karussell angeordnet. Unter "Live-TV" kann man fernsehen, "Angebot" listet dank EPG-Unterstützung (Elektronischer Programmführer) alle Kanäle mit den jeweiligen aktuellen Programmen und Sendungen der kommenden sieben Tage auf. Über die integrierte Suche können Inhalte direkt ausfindig gemacht werden.

Um eine Sendung aufzunehmen, reicht ein Tastendruck auf das jeweilige Programm. Optional kann man noch genauere Einstellungen vornehmen und etwa die Vorlaufzeit bestimmen oder eine automatische Wiederholung einrichten, damit die Lieblingsserie nicht jede Woche neu einprogrammiert werden muss.
Sofern von Sender gegeben, unterstützt PlayTV auch VPS für den zeitgerechten Aufnahmestart.

Praktisch: Der PlayTV-Receiver umfasst zwei DVB-T-Tuner, die nicht nur HD-Formate wiedergeben können (Anm.: kein österreichischer Sender bietet das an), sondern auch parallel Aufzeichnung und Fernsehen zulassen.

Weiters besteht die Möglichkeit des zeitversetzten Fernsehens. Per Tastendruck kann das Live-Programm gestoppt und nachher wieder weitergesehen werden.

Schlafmodus und Energieverbrauch

Ein nicht zu vernachlässigender Aspekt auch bei einem Festplattenrekorder ist dessen Stromverbrauch. Hier muss die rechenstarke PS3 sich der Konkurrenz beugen, als Spielkonsole mit acht Prozessoren liegt die Leistungsaufnahme bei durchschnittlich 200 Watt (380 Watt Maximalverbrauch).

Allerdings haben sich die Entwickler diese Bedenken zu Herzen genommen und einige Energiesparfunktionen eingebaut. So muss die Konsole für PlayTV-Aufnahmen nicht eingeschaltet sein. Zur Aufnahme weckt das Programm das System automatisch auf und schaltet es nach Abschluss der Aufzeichnung wieder selbständig aus.

Darüber hinaus, erlaubt PlayTV Aufnahmen im Hintergrund während dem Spielen und allen anderen Funktionen. Zwar warnt Sony hier vor möglichen gegenseitigen Beeinträchtigungen, im Test kam es allerdings nie zu Qualitätseinbußen.

Kopierschutzfrei

Sämtliche Aufnahmen landen im Register "Liste". Die Aufzeichnungen werden hier nach Belieben (Titel, Datum, Aufnahmezeit) geordnet. In der Fenster-Ansicht gibt jedes Bild eine Live-Vorschau wieder.

Wer seine aufgezeichneten Filme oder Serien auf andere Medien übertragen oder Freunden geben möchte, kann die MPEG-2-Videodateien einfach in den Videoordner der PS3 kopieren. Da die Videos nicht kopiergeschützt sind, lassen sie sich problemlos auf USB-Sticks oder externe Festplatten speichern.

Unterwegs mit der PSP

Wer neben einer PS3 eine PSP sein Eigen nennt, kann PlayTV über die Remotefunktion auch auf der portablen Spielkonsole nutzen.

Über WLAN oder das Internet stellt man die Verbindung her und übernimmt mit der PSP die Kontrolle über die PS3. Im Test machte das Zusammenspiel über das Heimnetzwerk einen ausgereiften Eindruck. PlayTV lässt sich, wie alle anderen Remote-tauglichen Anwendungen fast verzögerungsfrei bedienen. Das Bild wird dem Format der PSP angepasst und die Qualität leidet nicht darunter.

Ist man über das Internet verbunden, hapert es zumeist an der geringen Upload-Rate gängiger heimischer Internetanschlüsse. Alternativ kann man aber immer noch die Videos auf die PSP kopieren.

Updates

Wie jedes gute Soft- und Hardware-Produkt wird PlayTV kontinuierlich über Updates verbessert. Die aktuelle Version 1.02 läuft stabil, soll laut Entwicklern aber in Zukunft noch um die eine oder andere Kleinigkeit bereichert werden. Beispielsweise plant man die Unterstützung des AVC/MPEG-4-Codecs für SD und HD-Aufzeichnungen, um Speicherplatz zu sparen. Weiters gibt es bereits Gerüchte, wonach Videos künftig an Freunde in der PS3-Kontaktliste gesendet werden können. 

Fazit

PlayTV ist ein smarter DVB-T-Receiver, der sich die vorhandene Rechenkraft der Konsole sichtlich zu Nutze macht. Die unkomplizierte Handhabung, sowie der einfache Austausch der ungeschützten Aufzeichnungen stechen heraus. Funktionen wie die Programmsuche, die Hintergrund-Aufnahme, Energiesparmaßnahmen und die Kompatibilität zur PSP runden das Paket ab. Der einzige Haken: Bislang gibts PlayTV nur für terrestrischen Fernsehempfang. Bereits vor einem Jahr hieß es im Gespräch mit den Entwicklern, Versionen für Kabel und Satellit würden für die Zukunft ins Auge gefasst. (Zsolt Wilhelm, derStandard.at, 26.3.2009)

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