Doping, Clean Running und die Klage

25. März 2009, 10:16
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Der Wiener Marathon steht als Österreichs größte Breitensportveranstaltung heuer besonders unter Beobachtung

Wien - Ein Trio gab arabische Musik im Haus der Ofid (Opec Fund for International Development), und Suleiman Al-Herbish, Generaldirektor jener Organisation der Opec, die den Vienna City Marathon wie im Vorjahr sponsert, überreichte bei der Gelegenheit den "Austrian Doctors for Disabled", die sich in armen Weltregionen für medizinische Entwicklungszusammenarbeit bemühen, und der Gesellschaft für Österreichisch-Arabische Beziehungen Schecks über je 50.000 Dollar.

Schließlich ist Sport, also auch Laufen, gesund und fördert das Miteinander. Der Vienna City Marathon findet am 19. April zum 26. Mal statt. Die jüngsten Verhaftungen nach den Ermittlungen der "Soko Doping" und die Aussagen von Sportminister Norbert Darabos, der vermutet, dass die Doping-Netzwerke auch im Breitensport wirken, bestimmen freilich die Thematik.

Eine Analyse kostet 200 Euro

Wie jedes Jahr ersuchte VCM-Veranstalter Wolfgang Konrad die Zuständigen um Dopingkontrollen, heuer ist das die im August 2008 gegründete Nada (Nationale Anti-Dopingagentur Austria). Die hat freilich nur Zugriff auf jene Sportler, die von einem Fachverband für Meisterschaften als startberechtigt genannt sind. Kontrolliert pflegen die ersten drei bei Damen und Herren zu werden. Da die Analyse pro Probe 200 Euro kostet (zahlt der Veranstalter, außer die Nada wird selbst aktiv), sind tausende Tests undenkbar.

Konrad rief im Herbst, als der Dopingfall des Radprofis Bernhard Kohl hochkochte, die Aktion "Clean Running" ins Leben. VCM-Teilnehmer können im Internet ein Manifest unterzeichnen, in dem sie geloben, fair zu sein, also beispielsweise keine Abschneider zu nehmen und nicht zu dopen. Zudem sind auf der Homepage sämtliche auf der Verbotsliste stehenden Medikamente zu finden.

24.000 Läuferinnen und Läufer, darunter 18.000 aus Österreich, haben bisher für den VCM gemeldet. 4700 unterschrieben das Manifest. Den Umkehrschluss, dass sich die Übrigen nicht damit identifizieren, findet Konrad gar nicht lustig. Und die Aussage des Anti-Doping-Experten Hans Holdhaus, wonach rund 30 Prozent der Hobbyläufer zu Medikamenten greifen, die auf der Dopingliste stehen, fand er eine Klage wert. Am 14. April findet vor Gericht die erste Tagsatzung in dieser Causa statt. "Ich will wissen, ob diese Aussage stimmt", sagt Konrad, der auf Widerruf klagte.

"Gesundheit ist gefährdet"

Holdhaus, Direktor des Instituts für medizinische und sportwissenschaftliche Beratung (IMSB) in der Südstadt: "Wir untersuchen seit 2005, mit Fragebögen und mündlich, beim Wien-Marathon und anderen Veranstaltungen. Die Leute wissen oft gar nicht, dass Medikamente, die sie nehmen, auf der Verbotsliste stehen. Manche müssen sie auch nehmen. Ich will bei Hobbysportlern auch nicht von Doping reden. Wir müssen aufklären. Die Gesundheit ist gefährdet." (Benno Zelsacher, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.3.2009)

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    Laut Anti-Doping-Experten Hans Holdhaus nimmt rund ein Drittel aller Hobbyläufer Medikamente zu sich, die auf der Verbotsliste stehen. Oft geschehe dies unwissentlich.

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    VCM-Veranstalter Wolfgang Konrad wehrt sich.

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