Hollywood besinnt sich auf "alten Wert" Kino

24. März 2009, 17:33
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Hintergrund ist 40-Prozent-Einbruch bei DVD-Verkäufen

Die großen Hollywood-Studios wollen sich bei der Produktion künftiger Film-Highlights wieder stärker auf "alte Werte" besinnen und der Kinoleinwand einen höheren Stellenwert einräumen. Während man sich im vergangenen Jahrzehnt vor allem auf das gut laufende DVD-Geschäft als Umsatztreiber verlassen hatte, soll das Hauptaugenmerk in Zukunft wieder verstärkt auf das ursprüngliche Kerngeschäftsfeld an den Kinokassen gelegt werden. Hintergrund des Strategiewechsels sind vor allem die in jüngster Vergangenheit drastisch eingebrochenen DVD-Verkäufe. Diese sind laut Bericht der New York Times durch die gegenwärtige Rezession, einen gesättigten Markt und das Hinwenden der Nutzer zu Internetangeboten im Vergleich zum Vorjahr um unglaubliche 40 Prozent zurückgegangen. Dem gegenüber stehen die Kinokarten, bei denen derzeit trotz anhaltender Finanzkrise um 14 Prozent steigende Umsätze verzeichnet werden.

Ausschließlich für die große Leinwand

"Ich kann mich noch sehr gut an eine Zeit erinnern, in der es noch keine DVDs gegeben hat. Damals hat Hollywood ausschließlich für die große Leinwand im Kinosaal produziert", erklärt Eva Matlok, Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft Kino, im Gespräch mit pressetext. Nach und nach hätten dann zunächst Videokassetten und anschließend DVDs eine zunehmende Bedeutung in der Verwertungskette von Filmen erlangt. Dass sich die großen Studios nun angesichts der rückläufigen DVD-Verkäufe wieder auf das Kino besinnen, sei eine erfreuliche aber auch logische Entwicklung. "Die Filmwirtschaft ist ein riesiger Wirtschaftszweig, der sein Hauptaugenmerk stets auf solche Bereiche richtet, wo Geld zu verdienen ist", stellt Matlok fest. Das Geschäft an den Kinokassen laufe derzeit eben deutlich besser als das mit DVDs. "Die Kinobranche hat sich im vergangenen Jahr durchwegs positiv entwickelt. Trotz der steigenden Umsätze kann man aber nicht von einem wirklichen Boom sprechen", meint Matlok.

Dem Bericht der New York Times zufolge haben sich die Hollywood-Studios im vergangenen Jahrzehnt bei geplanten Filmproduktionen großteils auf das gut laufende DVD-Geschäft verlassen. Als Resultat dieser Denkweise wurden oft auch solche Projekte unterstützt, denen an den Kinokassen lediglich ein mäßiger Erfolg prophezeit wurde. Dies sollte dann letztendlich durch die entsprechenden DVD-Verkäufe wieder wettgemacht werden. "Die Verantwortlichen müssen sich fragen, warum das DVD-Geschäft derart einbricht. Finanzkrise und Online-Piraterie sind in diesem Zusammenhang sicherlich nicht alleine ausschlaggebend. Zum Teil liegt das wohl auch an der generellen gesellschaftlichen Entwicklung", betont Matlok. Dass das Kino sich auch im Internetzeitalter noch so gut behaupten könne, sei vor allem seinem sozialen Aspekt zu verdanken. "Ein Kinobesuch ist auch heute immer noch etwas Besonderes. Kinogeher nehmen sich bewusst eine Auszeit vom Alltag, um mit Freunden oder Bekannten Filme in der Gemeinschaft zu erleben. Dies ist eine Leistung, die so im Internet sicher nicht zu bekommen ist", so Matlok abschließend. (pte)

 

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