"Berliner Zeitung" wird neu aufgestellt

24. März 2009, 16:14
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Fehrle kommissarische Leiterin - Noch kein Nachfolger für Chefredakteur Josef Depenbrock benannt

Berlin/Köln - Einen Tag nach der offiziellen Übernahme des Berliner Verlages hat das Kölner Medienhaus M. DuMont Schauberg (MDS) erste redaktionelle Entscheidungen bekanntgegeben. Brigitte Fehrle (54) übernimmt am Montag nächster Woche die kommissarische Leitung der "Berliner Zeitung" und wird wieder stellvertretende Chefredakteurin. Das sagte der Vorsitzende des Redakteursausschusses, Thomas Rogalla, am Dienstag nach einer Personalversammlung mit den neuen Eigentümern. Wer Nachfolger von Chefredakteur Josef Depenbrock werden soll, blieb zunächst offen.

Zusammenarbeit

Fehrle war zuletzt Leiterin des Berliner Büros der "Zeit". Nach dem Verkauf der "Berliner Zeitung" an britische Finanzinvestoren war sie 2006 nach 16 Jahren bei der "Berliner Zeitung" dem damaligen Chefredakteur Uwe Vorkötter zur "Frankfurter Rundschau" gefolgt, bevor sie wieder nach Berlin zurückkehrte. Fehrle sagte, DuMont lege großen Wert darauf, dass die Redaktionen ihren eigenständigen Charakter und ihre Profile behielten, sie sollten aber zusammenarbeiten.

Neben MDS ("Kölner Stadt-Anzeiger", "Frankfurter Rundschau", "Mitteldeutsche Zeitung") beteiligt sich der Kölner Heinen-Verlag mit 35 Prozent am PMB Presse-und Medienhaus Berlin (u.a. "Berliner Zeitung", "Berliner Kurier", "Hamburger Morgenpost", Stadtmagazin "Tip" und "Netzeitung").

Zusammenlegung vom Tisch

"Im Grunde sind wir alle wahnsinnig erleichtert, dass wir wieder Verleger haben, die eine Zeitung zu schätzen wissen", sagte Rogalla der dpa nach der etwa zweistündigen Personalversammlung. "Die Redaktion hat deutlich gemacht, dass die Ausplünderung durch die Finanzhaie ziemlich hart war." Nun seien Investitionen in Köpfe und Technik gefragt. Eine Zusammenlegung von Redaktionen sei vom Tisch.

Am Montag hatten die Aktionäre des angeschlagenen Mecom-Konzerns in London mehr als drei Jahre nach dem Einstieg in den Berliner Verlag dem Verkauf zugestimmt. Als Kaufpreis wurden 152 Millionen Euro genannt. DuMont beteiligt nun den Heinen-Verlag, wenn das Bundeskartellamt zustimmt. Zur Begründung hieß es, MDS und der Heinen-Verlag arbeiteten seit Jahren erfolgreich zusammen. Die "Kölnische Rundschau", deren Herausgeber Helmut Heinen ist, erscheint ebenfalls bei MDS.

Vorkötter amtierte bereits

Zu Spekulationen über weitere Personalien wollte das Medienhaus am Dienstag keine Stellungnahme abgeben. Es sei noch nichts entschieden, sagten die neuen Eigentümer laut Fehrle. Die "Süddeutsche Zeitung" hatte berichtet, Chefredakteur der "Berliner Zeitung" solle Uwe Vorkötter werden, der den Posten bereits von 2002 bis 2006 innehatte, aus Protest über den neuen Eigentümer aber verlassen hatte. Der bisherige Chefredakteur Depenbrock, der gleichzeitig Verlagsgeschäftsführer war, hatte sich am Montagmorgen verabschiedet. (APA/dpa)

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