Deutsches Gaming-Turnier verboten

24. März 2009, 15:43
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Stuttgart hat Intels Friday Night Game der Electronic Sports League aufgrund des Amoklaufs von Winnenden abgesagt - Betreiber und User empört

Nach zahlreichen Verbotsaufrufen deutscher Politiker für Gewaltspiele wurde nun das Intel Friday Night Game der Electronic Sports League (ESL) in Stuttgart verboten. Die Stadt und der lokale Veranstalter haben den Wettbewerb, der am 27. März stattfinden sollte, aus Rücksicht auf die Opfer des Amokschützen von Winnenden abgesagt, berichtet Golem.

Veranstaltung wird nicht akzeptiert

"Eine solche Veranstaltung" werde "angesichts der Ereignisse und dem schrecklichen Amoklauf in Winnenden und Wendlingen" derzeit in Stuttgart "nicht akzeptiert", heißt es in der Pressemitteilung. Das sei man Familien, Angehörigen und Freunden der Opfer schuldig.

Keine anderen Spiele

Man habe allerdings eine Lösung mit dem ESL-Betreiber Turtle Entertainment GmbH gesucht, heißt es weiter. So habe der örtliche Veranstalter vorgeschlagen andere Spiele als die sonst üblichen Counterstrike oder Warcraft III zu spielen. Das hat Turtle jedoch abgelehnt, was von dem Betrieber wiederum in einer Aussendung bestritten wird. "Der Dialog über eine Verschiebung der Veranstaltung oder die Verwendung anderer Spiele wurde von der Stadt nicht gesucht, obwohl Turtle Entertainment jederzeit dialogbereit und lösungsorientiert war und ist", heißt es darin. Die vorkommenden Spiele sind in Deutschland ab 16 Jahren erhältlich, bei der ESL werden auch Alterskontrollen durchgeführt.

Mit Bundesliga vergleichbar

"Es ist die Profiliga des elektronischen Sports, mit der Bundesliga vergleichbar", erklärte Ibrahim Mazari, Director Public Relations und Jugendschutzbeauftragter bei Turtle Entertainment in einem Interview mit dem Stuttgarter Wochenblatt vom 19. März. "Bei klassischen Fußballspielen kommt es allerdings oft zu Ausschreitungen und vielen Verletzten. Bei den vielen Hundert eSport-Events, die wir durchgeführt haben, gab es nicht eine einzige handfeste Schlägerei", so Mazari.

Eltern-Workshops

Im Rahmen der ESL werden auch LAN-Partys für Eltern veranstaltet, bei denen besorgte Eltern und Lehrer einen Einblick in die Gaming-Welt ihrer Sprösslinge erhalten. Auch diese Veranstaltung wird nun nach Absage des ESL-Turniers nicht stattfinden. "Wir bedauern die Absage, denn das Event und die vorgelagerte Eltern-LAN wären eine ideale Möglichkeit gewesen, sich differenziert mit dem Thema Computerspiele als Teil unserer heutigen Jugendkultur auseinander zu setzen und die Mediennutzung junger Menschen zu thematisieren und zu diskutieren", so Turtle.

User empört

In ersten Reaktionen zeigen sich nicht nur die Betreiber der ESL entrüstet. Vor allem das per Gericht aufgehobene Verbot einer Waffenbörse, die in der Stadt Sindelfingen nahe bei Winnenden stattfand, ärgert viele User. "da sieht man wieder was die lobby ausmacht – meiner meinung nach der grösste faux pax, den sich die lokalpolitiker leisten konnten", schreibt ein User im Forum von ESL.

Ersatztermin noch offen

Die Betreiber suchen nun einen Ersatztermin für den Wettbewerb. Da der Mietvertrag für die Halle, in dem die Spiele stattfinden hätten soll, so kurzfristig gekündigt worden sei, habe man auf die Schnelle keinen Ersatzort finden können. (br)

  • Stuttgart akzeptiert derzeit kein E-Sport-Turnier
    foto: turtle entertainment gmbh

    Stuttgart akzeptiert derzeit kein E-Sport-Turnier

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