Volksbanken legen weitere Ostexpansion auf Eis

24. März 2009, 14:41
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Die Ostbankentochter hat ihre Filial-Expansion in Osteuropa auf Eis gelegt, zurückziehen will man sich nicht

Wien - Die Volksbank International (VBI), Ostbankentochter der in Österreich gerade um Staatshilfe ringenden ÖVAG, hat ihre Filial-Expansion in Osteuropa auf Eis gelegt. Zwecks Krisenresistenz laufen sowohl in der VBI Holding als auch in allen Osttöchtern "natürlich Sparprogramme", sagte am Dienstag Volksbank-International-Chef Friedhelm Boschert. Mitarbeiterabbau stehe noch nicht auf der Agenda, Stellenstreichungen seien immer erst eine ultima ratio. Vorher müsse an anderen Stellen eingespart werden. Die Ostbanken der VBI-Gruppe beschäftigten 2008 zum Ultimo 5.785 Mitarbeiter, in der VBI AG sind es 64. Im Jahr 2008 lieferten die Töchter Rekordgewinne.

Keine Flucht aus dem Osten

Dem Osten wegen der Krise in einem Fluchtreflex den Rücken zu kehren, kommt für Boschert nicht in Frage. "Das tun wir sicher nicht". Mit 609 Filialen sieht der Vorstand aber den Höchststand erreicht. Die Fremdwährungskreditvergabe wurde weitestgehend gestoppt, ebenso das Immobilienprojektgeschäft. Der strategische Aufbau im Osten wird gerade überarbeitet, vor allem in Richtung neuer Kundengruppen (Mikrofirmen, Genossenschaften etc). Dass die Volksbanken als Käufer der Ostaktivitäten der Hypo Group Alpe Adria auftreten könnten, wurde heute mehr oder weniger ausgeschlossen.

2008 gab es mit 90 Mio. EGT (Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit, plus 27,7 Prozent) noch ein Rekordergebnis aus der Region, obwohl die Kreditrisikovorsorge von 42,9 auf 72,4 Mio. Euro beinahe verdoppelt wurde.

In 10 Ländern ist die Gruppe im Osten vertreten. Von der Bilanzsumme von 14,7 Mrd. Euro zum Jahresende 2008 (plus 37 Prozent) stammt mit 5,3 Mrd. Euro der größte Teil aus Rumänien, gefolgt von Ungarn (2 Mrd. Euro). In der Ukraine, wo die VBI erst 2007 eine Bank gekauft hat, liegt die Bilanzsumme bei 277 Mio. Euro.

Wegen der makroökonomischen Schwierigkeiten zählen Rumänien, Ungarn und die Ukraine zu den Sorgenkindern. In der Ukraine hat die Volksbank International laut Boschert aber nur 2,4 Prozent des Gesamtexposures aller österreichischen Banken. Mit 9,9 Mrd. Euro Kreditvolumen komme man in Zentral/Osteuropa (CEE) auf 4,9 Prozent der Gesamtkredite der österreichischen Kreditinstitute in der Region.

Gewinn versechsfacht

Seit 2004 habe die Gruppe den Gewinn in der Region fast versechsfacht. Mit 90 Mio. Euro EGT habe man heute eine andere Risikotragfähigkeit als 2004, als es 15 Millionen gewesen seien. "Vor ein paar Jahren hätte uns ein größerer Kreditausfall doch getroffen im EGT". Für 2009 erwartet Boschert nach wie vor stabile Ergebnisse.

Die Kreditvorsorgen erhöht der Vorstand für 2009 um weitere 80 Prozent. Samt einer Kosten-Ertrags-Relation von derzeit 58,9 sieht Boschert sein Haus so "sturmsicher" gemacht. Die Kernkapitalquote (Tier-1) wird mit 13 Prozent beziffert. Im Dezember bekam die VBI von ihren Eigentümern wieder 200 Mio. Euro frisches Kapital, wurde heute bekanntgegeben. "Im Moment sehen wir uns sehr gut gewappnet, um in härteren Zeiten gegenzusteuern". 51 Prozent der VBI gehören der ÖVAG, der Rest den deutschen und französischen Volksbanken. An der Struktur werde sich nichts ändern, hieß es heute.

Keine teuren Firmenwertabschreibungen

Im Osten haben die Volksbanker die meisten Banktöchter selber gegründet. Für die zwei Bankkäufe in der Ukraine und in Bosnien-Herzegowina habe die Bank 2,3-fachen bzw. 3,2-fachen Buchwert gezahlt. Deshalb blieben jetzt teure Firmenwertabschreibungen in der Gewinn- und Verlustrechnung erspart, so der Vorstand. Für die Ukraine-Tochter wurde 2008 eigenkapitalwirksam der Beteiligungswert um 20 Mio. Euro abgeschrieben. Von der Zentralbank-Aufforderung an die größten 20 Banken in der Ukraine, bis Mai das Kapital aufzustocken, ist die Volksbank dort nicht betroffen.

Boschert hob hervor, dass der Wachstumsvorsprung des Ostens intakt sei, wenngleich es heuer wohl kein Land ohne negative Konjunkturaussichten gebe. Wenn sich die Nebel wieder lichten, gelte es, die Spur wieder zu haben. Diese Nebel dürften sich, so Boschert, "nicht vor Ende 2009" lichten. Die internationale Wirtschaft sei nach wie vor auf Talfahrt, und dann werde es wohl zwei bis drei Jahre dauern, bis das Tal verlassen sei. Danach werde das Bankgeschäft insgesamt anders sein, die Kreditnehmer sich wohl nicht mehr bis zur Halskrause verschulden.(APA)

 

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