Pröll wünscht maßvolle Lohnabschlüsse

24. März 2009, 13:53
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Es müssten alle einen Beitrag leisten, so der Vizekanzler, denn es stünden "uns besondere Herausforderungen" bevor

Wien - Finanzminister Josef Pröll (ÖVP) hat nach dem Ministerrat am Dienstag zu "maßvollen Lohnabschlüssen" aufgerufen. Es brauche eine maximale Kraftanstrengung, so Pröll, der "eine deutliche Verschlechterung" der Konjunktur- und Arbeitsmarktprognosen erwartet. Die Debatte dürfe sich nicht nur auf Beamte bzw. Lehrer und Politiker beschränken.

Die Regierung hatte sich im heutigen Ministerrat für eine Null-Lohnrunde für Politiker ausgesprochen. Es müssten alle einen Beitrag leisten, sagte der Vizekanzler, denn es stünden "uns besondere Herausforderungen" bevor. Es sei im Interesse der Arbeitnehmer, "gemeinsam mit den Unternehmen die Krise durchzutauchen" und nicht Eigeninteressen in den Vordergrund zu stellen. Etwas zurückhaltender zeigte sich Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ). Er verwies lediglich auf die Sozialpartner.

Völlig daneben

Die Gewerkschaft ist wenig erfreut. "Ich habe gar nicht gewusst, dass Pröll mit am Verhandlungstisch sitzt", ätzte Karl Proyer, stellvertretender Bundesgeschäftsführer der GPA-djp. Er zeigte sich "entrüstet", dass der Finanzminister mit diesem Vorstoß die wichtige Inlandsnachfrage schwächen wolle. "Die Intervention ist inhaltlich völlig daneben, dafür hat kein Beschäftigter Verständnis", so Proyer am Dienstag.

Und Rainer Wimmer, geschäftsführender Bundesvorsitzender der Gewerkschaft Metall, Textil, Nahrungsmittel (GMTN) ergänzte: "Wir sind natürlich keine Träumer, die die wirtschaftliche Lage um uns ignorieren. Wir würden aber andererseits der Wirtschaft insgesamt einen schlechten Dienst erweisen, wenn wir mit niedrigen Lohnabschlüssen zum weiteren Sinken der Kaufkraft beitragen und damit eine Spirale nach unten in Gang setzen."

Wimmer stellte klar: "Zurufe aus der Politik waren bei Lohnrunden noch nie sehr dienlich." (APA)

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