"Aus für hyper-aktivistischen Glamour-Boy"

25. März 2009, 12:48
21 Postings

Die Wirtschaftskrise wird nach Ansicht von Ewald Nowotny Veränderungen im Management und zu niedrigeren Bezügen führen

Wien - Die Wirtschaftskrise werde auch zu Veränderungen im Management und zu niedrigeren Bezügen der Führungskräfte führen, zeigt sich Notenbank-Gouverneur Ewald Nowotny überzeugt: Das Modell des "angelsächsischen Investmentbankers" sei bereits praktisch ausgestorben, künftig sollten "überzogene Gewinnerwartungen" und "Missverhältnis zwischen Leistung und Gegenleistung" nicht mehr möglich sein. Mehr "Realismus" bei Managern, mehr Regulierungen und stärkere Kontrollen im Finanzsystem und insgesamt eine "risikoscheuere Gesellschaft", in der Stabilität und deren Bewahrung wichtig seien, erwartet Nowotny als Konsequenz der gegenwärtigen Krise.

Der "hyper-aktivistische Glamour-Boy" habe ausgedient, künftig sollten Manager mit einem "stabilen Wertesystem" und auch mehr Managerinnen Führungspositionen einnehmen, erläuterte Nowotny heute Dienstag bei einem Pressefrühstück zum Thema "Ethik im Management" in der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB). Die Anreizsysteme für Manager müssten sich ändern: "Diese riesigen Beträge für Manager, die durch Aktienoptionen usw. entstehen, wird es nicht mehr geben", erwartet der Gouverneur eine Absenkung des Entlohnungsniveaus für Führungskräfte. Statt kurzfristig orientierter Anreizsysteme müssten mittelfristige Incentive-Strukturen aufgebaut werden.

Ethik und Anstand

Ethik im Management bedeute "Anständigkeit", meinte der ehemalige BAWAG-Generaldirektor: "Große Krisen in Unternehmen haben meist etwas mit persönlichem, ethischem Versagen des Managements zu tun." Zwar seien Manager in ein "Erwartungsgerüst" eingebunden und müssten Leistungsvereinbarungen erfüllen, sieht er durchaus einen begrenzten individuellen Spielraum in den Entscheidungen der Führungskräfte. "Solange die Musik spielt, muss man tanzen", zitierte Nowotny einen Manager der US-Citi-Bank, der aber inzwischen seinen Job verloren habe. Vieles werde auch als "Sachzwang" gesehen, was aber gar kein Sachzwang sei.

Gegen "Krankjammern" sprach sich Norbert Zimmermann, Aufsichtsratsvorsitzender der Berndorf AG, aus. Verpflichtungen gegenüber Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten wolle man halten, keine Verpflichtungen sehe Berndorf aber gegenüber den Wettbewerbern, von denen viele derzeit in einem "Überlebenskampf" stünden: "Wir leben in einem Wettbewerbssystem, wer das schönredet der geht besser ins Kloster". In den nächsten Monaten werde es eine Reihe von großen Pleiten geben. "Krankes wird sterben", meint Zimmermann. Berndorf werde die Krise in jedem Fall überleben, auch wenn ein 20-prozentiger Umsatzrückgang erwartet werde und Kunden Aufträge stornieren.

Ethisches System

Das System müsse insgesamt ethisch sein, bei Pleiten müsse ein funktionierender Sozialstaat die Menschen auffangen, sonst komme es zu großer "Desillusionierung", warnte Nowotny auch vor politischer Instabilität. Für die Notenbank wichtig seien die Wiederherstellung des Vertrauens, Transparenz und mehr Regulierung und Kontrolle, damit die Finanzmärkte wieder ihre Aufgabe erfüllen könnten. Eva Marchart, Vorstandsvorsitzende der Raiffeisen Centro Bank, sieht als eine der Krisenursachen die Umgehung bestehender Regelungen "mit viel Kreativität". Wichtig sei daher zunächst einmal die Einhaltung der bestehenden Regelungen, so dürften Schulden oder faule Kredite nicht außerhalb der Bilanz versteckt werden.

Die Diskussion über "Ethik im Management" sei wichtig, um in der Krise den eigenen Wertekatalog zu überprüfen, meinte Helmut Eichert, Country Manager von Oracle, gemeinsam mit dem Society-Magazin Veranstalter der Debatte. Beim "Standard" sei man in der Hochkonjunktur sehr abgespeckt gefahren, nun gebe es keine Kündigungen, so die "Standard"-Journalistin Karin Bauer: "Wir rücken näher zusammen." In der Krise wachse die Solidarität, meinte auch Kurt Bergmann von der Aktion "Licht ins Dunkel" des ORF. Weniger Großspender würden durch mehr Kleinspender sogar überkompensiert. Bergmann erinnerte mit Nachdruck an die steuerliche Absetzbarkeit von Spenden für Hilfsorganisationen.(APA)

 

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Notenbank-Gouverneur Ewald Nowotny glaubt das Modell des "angelsächsischen Investmentbankers" sei bereits praktisch ausgestorben.

Share if you care.