"Möchte Schwulengruppe in Wien gründen"

24. März 2009, 15:46
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Der Beratungs- und Kulturverein HOSI feiert im Jahr 2009 seinen runden Geburtstag: Umtriebiges Kommunikationszentrum existiert ohne Basisfinanzierung

Wien - Österreichs erster Lesben- und Schwulenverband, die Homosexuelle Initiative (HOSI) Wien, wird 30. Im März 1979 hat alles mit einem Inserat in der Wiener Programmzeitung "Falter" begonnen, wie die AktivstInnen am Sonntag bei der 30.Generalversammlung des Vereins erklärten.

"Möchte Schwulengruppe in Wien gründen bzw. an einer mitarbeiten", stand in der Kleinanzeige, die der spätere erste Vereinsobmann Wolfgang Förster aufgegeben hatte. "Auf diese Annonce meldeten sich etliche Personen, und so kam es ab Ende März zu den ersten Treffen, zuerst noch in Privatwohnungen. Aber wegen des großen Andrangs mussten sie ab Mai 1979 ins Alternativlokal 'Treibhaus', das spätere 'Rotstilzchen' verlegt werden", berichtete Generalsekretär Kurt Krickler, der ab dem zweiten Treffen mit von der Partie war. "1981 stießen die ersten Frauen zum Verein und gründeten eine eigene Lesbengruppe, die sich seither jeden Mittwoch trifft."

Historischer Zufall

Rückblickend betrachten es die AktivistInnen als "historischen Zufall", dass eine Gruppe von Menschen mit ähnlichen Vorstellungen und Ideen zur gleichen Zeit am selben Ort zusammentraf, um ein Projekt aus der Taufe zu heben und so nachhaltig umzusetzen, dass es auch nach so langer Zeit noch fortbesteht.

Bis heute ist das HOSI-Zentrum ein in ehrenamtlicher Selbstverwaltung geführtes Kommunikations- und Veranstaltungszentrum geblieben, das durchschnittlich vier- bis fünfmal pro Woche abends geöffnet hat. Ein Vereinslokal, das ohne Basisfinanzierung und bezahlte MitarbeiterInnen 30 Jahre lang den regelmäßigen Betrieb aufrechterhält, ist nicht nur in der - internationalen - Lesben- und Schwulenbewegung, sondern auch in der inländischen NGO-Szene sonst kaum zu finden.

Lobbyarbeit

In den letzten 30 Jahren hat sich für Schwule und Lesben in Österreich einiges zum besseren verändert. Die HOSI sieht sich mit ihrer politischen Lobbyarbeit wesentlich an dieser Entwicklung beteiligt: "In rechtlicher Hinsicht haben wir die strafrechtliche Entkriminalisierung, die Anerkennung der homosexuellen NS-Opfer im Opferfürsorgegesetz, Anti-Diskriminierungsbestimmungen in der Arbeitswelt und die gesetzliche Gleichstellung von homo- mit heterosexuellen Lebensgemeinschaften erreicht. Als letztes großes Projekt steht noch die Eingetragene Partnerschaft an, für die wir seit 20 Jahren ebenfalls kämpfen", so Obfrau Jona Solomon.  

Soziales mit kulturellem Engagement verbunden

Neben der sozialen Funktion als Beratungseinrichtung für Schwule und Lesben hat sich die HOSI auch als Veranstalter im Kultur- und Bildungsbereich etabliert. Die seit 2003 stattfindende Regenbogenparade und der Regenbogenball gehen auf die Kappe des Vereins. Weniger bekannt sein dürfte in der breiten Öffentlichkeit die seit 1982 bestehende Theatertruppe The HOSIsters, die jedes Jahr ein neues Stück zur Aufführung bringt. Und seit 1979 erscheinen die LAMBDA-Nachrichten, die damit die älteste Lesben- und Schwulenzeitschrift im deutschsprachigen Raum ist. (red)

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