OnLive - Das Ende des Spiele-PCs?

24. März 2009, 13:21
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Neuer Online-Service verspricht erstmals "Cloud-Gaming" - EA, Epic, TakeTwo und mehr bereits an Bord

Wer aktuelle Computerspiele mit schöner Grafik genießen will, muss tief in die Geldtasche greifen. Kaum ist ein Gaming-PC zusammengestellt, ist die Hardware fast schon wieder veraltet. Eine Entwicklung des US-Unternehmens Rearden Studios könnte den Upgrade-Wahn nun ein für alle Mal beenden.

Online

Im Rahmen der Game Developers Conference (GDC) haben die Firmengründer Steve Perlman und Mike McGarvey ihren neuen Online-Dienst OnLive vorgestellt. Das Prinzip: Die Berechnung eines Computerspiels übernehmen Hochleistungsserver, die das Spiel über das Internet an den Fernseher oder den gewöhnlichen Laptop oder PC senden. Das einzige, was der Spieler benötigt, ist eine schnelle Leitung und ein Eingabegerät. Kurz gesagt: Cloaud Computing für Gamer.

Technik

Perlman und McGarvey, die ihr Entertainment-Know-How bei Konzernen wie Apple und Eidos erwarben, versprechen mit dem Service aktuelle Computerspiele in HD konsumieren zu können. Für eine Darstellung mit einer Auflösung von 1280 mal 720 Bildpunkten bei 60 Bildern pro Sekunde braucht es eine Internetverbindung mit 5 MBit pro Sekunde, ab 1,5 MBit/s reiche es den Angaben nach für SD-Qualität.

Der Spieler kann OnLive am PC oder Mac über den Webbrowser starten. Eine optional erhältliche Schnittstelle ermöglicht den bequemen Medienkonsum direkt über den Fernseher. Der kleine Receiver verfügt über zwei USB-Ports und Bluetooth für bis zu vier Eingabegeräte. Über HDMI und Audio-Schnittstellen können Fernseher und Videosysteme angesprochen werden. Kosten soll das Gerät "deutlich" weniger als erhältliche Spielkonsolen. Im Paket mit Abos solle es "gratis" beigelegt werden.

Für die Eingabe soll jeder gewöhnliche USB oder Bluetooth-Controller (auch Maus und Tastatur) genügen, separat wird aber auch ein eigens designtes Modell angeboten. Damit es zu keinen Verzögerungen kommt, wurde eine spezielle Streaming-Technologie sowie eine optimierte Videokomprimierung entwickelt. Sieben Jahre habe das Team an der Umsetzung gearbeitet.

Inhalte on demand

OnLive befindet sich zurzeit in der Testphase. Wenn der Dienst im Winter in den USA erscheint, sollen Werke von Partnern wie EA, THQ, Codemasters, Ubisoft, Atari, Warner Bros., Take-Two und Epic Games bereitstehen. Mit weiteren Unternehmen führe man bereits Verhandlungen.

Nutzer müssen eine monatliche Gebühr von etwa 5 US-Dollar im Monat zahlen. Spiele können sowohl gekauft, als auch gemietet werden, Demos stehen kostenlos zur Verfügung. Genaue Preise wurden noch nicht genannt. Einer der Vorteile - abseits der Zentralisierung - sei, dass man Inhalt sofort und ohne Wartezeiten starten könne.

Community

Einer der zentralen Aspekte sollen Community- und Kommunikationsfunktionen sein. Jeder Spieler erhält ein eigenes Profil. Darauf können Bilder und auch Videos von Partien gespeichert werden. Per Knopfdruck zeinet das System auf Wunsch die letzten 15 Sekunden eines Spiels auf. Auch kann man etwa jeder Zeit als Betrachter in Spiele einsteigen. Voice-Chats sind spielübergreifend möglich.

Wie hoch der dabei entstehende Datentransfer ausfällt, kann bislang nur geschätzt werden. Für Internet-Anschlüsse mit Download-Limits dürfte OnLive aber nur begrenzt sinnvoll sein.

Tests

Wie erste Tests von US-Medien berichten, soll der Dienst im Zuge der Vorführung auf der GDC einwandfrei funktioniert haben. Für ein Urteil sei es aber zu früh. Dafür müsse sich OnLive erst unter alltagäglichen Bedingungen beweisen.

Im Interview mit der Spieleseite Gametrailers hieß es von Seiten Rearden Studios, man glaube nicht, dass man damit Konsolen oder Spiele-PC ersetzen würde. Viele Anwender, die sich die Hardware aber nicht leisten könnten, hätten so aber die Möglichkeit, aktuelle Games spielen zu können. Für die Spieleindustrie dürfte OnLive vor allem deshalb interessant sein, da Piraterie derart nicht mehr möglich ist.

USA only?

Erste Serverzentren in den USA wurden bereits in Betrieb genommen, über einen Europastart ist noch keine Wort gefallen. (Zsolt Wilhelm, derStandard.at, 24.3.2009)

  • OnLive soll im Winter in den USA an den Start gehen.
    foto: hersteller

    OnLive soll im Winter in den USA an den Start gehen.

  • Wer direkt über den Fernseher und ohne PC oder Mac zocken möchte, braucht den optional erhältlichen OnLive-Receiver.
    foto: hersteller

    Wer direkt über den Fernseher und ohne PC oder Mac zocken möchte, braucht den optional erhältlichen OnLive-Receiver.

  • Spiele und Demos sollen sofort zum Spielen bereitstehen.
    foto: hersteller

    Spiele und Demos sollen sofort zum Spielen bereitstehen.

  • Die Hertseller verprechen ein breites Portfolio aktueller Games.
    foto: hersteller

    Die Hertseller verprechen ein breites Portfolio aktueller Games.

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