Nach dem Tod geht das Online-Leben noch weiter

24. März 2009, 11:01
posten

Unternehmen regeln das Ableben im Internet - Zugangsinformationen und Passwörter sicher hinterlegen

 Als Jerald Spangenberg zusammenbrach und mitten in einem Online-Rollenspiel starb, stand seine Tochter plötzlich vor einer großen Herausforderung: wie sollte seine Online-Community erfahren, dass ihr Vater tot war? Sein Passwort für "World of Warcraft" hatte sie nicht und auch der Herausgeber des Spiels konnte ihr nicht helfen. Melissa Allen Spangenberg schaffte es schließlich, in dem sie online nach der "Gilde" suchte, der ihr Vater angehörte.

"Ich dachte, der brauchte etwas Zeit, um sich wieder zu beruhigen"

Eines der Gilde-Mitglieder, Chuck Pagoria, hörte dann drei Wochen später von Spangenbergs Tod. Dass er an jenem Abend plötzlich verschwunden war und nicht mehr reagiert hatte, führte er auf einen Online-Streit zurück. "Ich dachte, der brauchte etwas Zeit, um sich wieder zu beruhigen", sagte Pagoria. "Ich war betroffen und wie umgehauen, als ich dann von seinem Tod hörte. Davon wusste niemand etwas."

Da Online-Netzwerke immer wichtiger in unserem Leben werden, werden sie auch wichtiger beim Tod. Spangenberg, der 57 Jahre alt war, traf es völlig unvorbereitet. Andere hinterlegen inzwischen ganz detaillierte Anweisungen. Einige kleine Unternehmen haben sich auch schon darauf spezialisiert, bei Todesfällen im Internet zu helfen.

Als Robert Bryants Vater im vergangenen Jahr starb, hierließ er seinem Sohn einen kleinen schwarzen USB-Stick. Darauf war eine Liste gespeichert mit allen wichtigen Telefonnummern und Adressen für den den Fall der Fälle, dazu gehörte auch der Administrator seiner Online-Community. "Das war schon etwas gruselig, weil ich all diesen Leuten sagen musste, dass mein Vater tot ist", sagte Bryant. "Es hat mir aber auch geholfen, etliche Sachen zu klären, und so konnte ich dann auch meine Mutter mehr unterstützen."

"Wenn man plötzlich stirbt oder ins Koma fällt, dann gibt es viele Dinge, die nur bei einem selbst im Kopf gespeichert sind, zum Beispiel wo Passwörter sind"

Der Neurologe David Eagleman hatte schon viele Möglichkeiten, sich mit dem Thema Tod zu befassen. Bei ihm in der Klinik landen jeden Tag Menschen, die fünf Minuten vorher nie damit gerechnet hätten. "Wenn man plötzlich stirbt oder ins Koma fällt, dann gibt es viele Dinge, die nur bei einem selbst im Kopf gespeichert sind, zum Beispiel wo Passwörter sind", sagt Eagleman. Er richtete eine Website namens Deathswitch ein, wo Menschen eine E-Mail hinterlassen können, die automatisch versendet wird, wenn sie nicht in bestimmten Intervallen auf der Website vorbeisehen. Für 20 Dollar im Jahr werden bis zu 30 E-Mails mit Videofilmen gespeichert.

Viel Geld verdient er damit nicht, und Eagleman weiß auch nicht genau, wie viele Mitglieder er hat, vielleicht rund 1.000. Und er weiß auch nicht, was in den E-Mails steht. Sie bleiben bis zum Versand verschlüsselt. Wem Deathswitch zu morbide ist, der geht vielleicht zu Slightly Morbid. Auch hier werden E-Mails beim Tode verschickt, aber man muss nicht zu Lebzeiten regelmäßig dort vorbeisehen. Stattdessen bekommen Freunde oder Familienangehörige die notwendigen Informationen, um den Benachrichtigungsvorgang in Gang setzen zu können.

Vogel

Mike und Pamela Potter setzten diese Seite auf, als ein Freund plötzlich verschwunden war. Er war nicht tot, sondern tauchte nach drei erholsamen und internetfreien Monaten wieder auf. Da war Slightlymorbid.com schon zwei Wochen online.

Eine ähnliche Website will Peter Vogel aus Tampa in Floria im April starten, Legacy Locker. Bei ihr ist ein Totenschein notwendig, bevor die Informationen freigegeben werden. Vogel entschloss sich, diese Website einzurichten, nachdem sein Stiefsohn Nathan plötzlich mit 13 Jahren gestorben war. Nathans Online-Freunden konnte er davon nichts sagen. Denn Vogel ist Computer-Administrator und er hatte Nathan beigebracht, nur Passwörter zu benutzen, die man nicht leicht knacken kann, und auch nie ein Passwort aufzuschreiben. Und so hatte Nathan auch keine Hinweise hinterlassen. Vogel selbst hat einen Freund, dem er alle wichtigen Passwörter gesagt hat. "Nathan hat gezeigt, dass alles passieren kann, selbst wenn man erst 13 ist." (AP)

Share if you care.