Prozess wegen Volksverhetzung gegen NPD-Chef

24. März 2009, 17:01
3 Postings

Parteivorsitzender Voigt und zwei weitere Funktionäre vor Gericht - Bundesliga-Profi Owomoyela bekräftigt Vorwürfe gegen NPD-Spitzen

Berlin - Im Prozess gegen NPD-Chef Udo Voigt und zwei weitere Mitglieder der rechtsextremistischen Partei wegen Volksverhetzung hat der deutsche Ex-Fußballnationalspieler Patrick Owomoyela seine Vorwürfe bekräftigt. "In erster Linie habe ich mich beleidigt, verletzt und beschämt gefühlt", sagte der 29-Jährige zum Prozessauftakt am Dienstag vor dem Kammergericht Berlin aus.

Die Angeklagten sollen für einen als Flugblatt und im Internet verbreiteten Terminplaner zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 verantwortlich sein. In dem Flyer wurde der damalige Bremer Nationalspieler Patrick Owomoyela aus Sicht der Staatsanwaltschaft rassistisch diskriminiert. Nach Auffassung der Ankläger wollte die NPD in den beschlagnahmten Planern zum Ausdruck bringen, dass dunkelhäutige Fußballer unwürdig seien, für Deutschland zu spielen. Das Urteil wird für den 7. April erwartet.

Bis zu fünf Jahre Haft

Neben Voigt sind NPD-Rechtsabteilungsleiter Frank Schwerdt und Pressesprecher Klaus Beier angeklagt. Ihnen drohen Freiheitsstrafen bis zu fünf Jahren, wie Oberstaatsanwalt Jörg Raupach erklärte. Raupach sprach von einem "sehr schwerwiegenden Vorwurf".

Die Angeklagten machten keine Angaben zur Sache und ließen ihre Anwälte sprechen. Die sorgten mit zahlreiche Anträgen dafür, dass der Prozess immer wieder unterbrochen werde musste. Unter anderem wurde die Einstellung gefordert, da ein fairer Prozess nicht möglich sei, wie es hieß. Richterin Monika Pelcz wurde wegen Befangenheit abgelehnt. Pelcz wies diesen Vorwurf zurück. Über den Befangenheitsantrag wird später entschieden.

Owomoyelas Trikotnummer

Owomoyela, der wegen des "WM-Planers" bereits vor einem Zivilgericht erfolgreich war, tritt in dem Prozess zusammen mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) als Nebenkläger auf und wurde am Dienstag als Zeuge gehört. Er sei auf dem Weg zum Training von Journalisten auf den Flyer mit dem Schriftzug "Weiß. Nicht nur eine Trikot-Farbe! Für eine echte NATIONALmannschaft!" angesprochen worden, sagte er. Dort soll ein Trikot mit der Nummer 25 abgebildet sein, die Owomoyela 2006 fest zugeordnet war.

"Da habe ich mich natürlich sofort persönlich angegriffen gefühlt", sagte Owomoyela. Für ihn sei sofort klar gewesen: "Das war absolut gegen mich gerichtet". In der Folge habe er E-Mails mit rassistischem Inhalt bekommen. In vielen beleidigenden E-Mails sei er aufgefordert worden, das Land zu verlassen.

Owomoyela hat elf Länderspiele für Deutschland absolviert und ist derzeit als Profi beim Fußball-Erstligisten Borussia Dortmund unter Vertrag. Er wurde in Hamburg geboren. Die Mutter des Abwehrspielers ist Deutsche, sein Vater stammt aus Nigeria.

Die NPD-Seite bestritt am Dienstag vor Gericht, dass es sich bei der Darstellung in dem "WM-Planer" um Owomoyela gehandelt habe. Sie versuchte, mit einem Foto eine Ähnlichkeit mit dem Ex-Profi und damaligen Nationalspieler Sebastian Deisler zu belegen. Sie argumentiert auch, der umstrittene Schriftzug falle unter das Recht der freien Meinungsäußerung.

Noch nicht zur Sprache kam der zweite Vorwurf gegen die Angeklagten: Nach der Veröffentlichung des "WM-Planers", der nach einer Durchsuchung der Parteizentrale von der Justiz eingezogen wurde, sollen die Angeklagten einen neuen "Planer" erstellt haben, in dem unter entsprechender Illustrierung die "Überfremdung" der Nationalmannschaft angeprangert wurde. Eine "würdige Vertretung Deutschlands" durch Nationalspieler nicht weißer Hautfarbe sei nicht möglich, hieß es. (APA/AP/dpa)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Der Vorsitzende der NPD, Udo Voigt, der Mitangeklagte und Pressesprecher der Partei, Klaus Beier, sowie der ebenfalls Mitangeklagte und Landesvorsitzende der NPD Thüringen, Frank Schwerdt

Share if you care.