Linux Kernel 2.6.29 mit zahlreichen Neuerungen veröffentlicht

24. März 2009, 09:31
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Kernel Modesetting, neue Dateisysteme Btrfs und SquashFS - Wimax-Unterstützung und schnellerer Boot-Vorgang

Rund drei Monate nach der Veröffentlichung der Version 2.6.28 hat Projekt-Maintainer Linus Torvalds nun eine neue Version des zentralen Linux-Bestandteils zum Download freigegeben. Linux Kernel 2.6.29 setzt dabei den Trend fort, dass sich die Entwicklung der Software weiter beschleunigt, entsprechend viele Neuerungen gibt es dieses mal auch zu berichten, im Folgenden eine Auswahl der Highlights.

KMS

Zu diesen gehört zweifellos die Aufnahme des sogenannten "Kernel Based Modesettings", bedeutet es doch eine zentrale Änderung am Linux-Grafiksystem: Künftig soll sich der Kernel selbst um das Initialisieren der Grafikhardware kümmern, ein Ansatz der eine Fülle von Vorteilen bietet: So wird bereits ganz am Anfang des Bootprozesses die "richtige" Auflösung eingestellt, die entsprechenden Informationen übernimmt der Grafikserver später einfach, das typische "Flackern" beim Start von X.org entfällt somit.

Bugs

Auch wird dadurch der Wechsel zwischen den Text-Modus-Terminals und dem X-Server deutlich flotter, da der gewohnte Auflösungswechsel unnötig wird. Nicht zu vernachlässigen auch, das damit die immer wieder auftauchenden Probleme im Zusammenspiel von Grafikserver und Framebuffer endgültig der Vergangenheit angehören sollen.

ext4

Hat man mit Kernel 2.6.28 endlich ext4 als stabil erklärt, erhält das Dateisystem mit der neuen Release weitere Optimierung und Neuerungen. Zu letzteren gehört, dass sich das Filesystem nun auch ohne Journal betreiben lässt, der damit verbundene Overhead entfällt so - allerdings natürlich auch die Vorteile in Hinblick auf die Datenintegrität.

Btrfs

Doch mit Kernel 2.6.29 hält auch ein gänzlich neues Dateisystem Einzug in den Kernel, und zwar eines, das die Zukunft für Linux in diesem Bereich darstellen soll. Btrfs bietet einige neue Ansätze  wie etwa "Copy on Write", die Lösung soll auf Dauer dem immer wieder gerühmten ZFS von Sun / Solaris Paroli bieten können. Derzeit befindet sich das Ganze freilich noch in einer frühen Entwicklungsphase, von einem Alltags-Einsatz raten die EntwicklerInnen entsprechend explizit ab.

SquashFS

Der zweite Neuzugang in Dateisystemsfragen ist nicht ganz so frisch wie Btrfs: SquashFS wird als komprimiertes Read-Only-Dateisystem schon seit einiger Zeit vornehmlich bei Live-CDs eingesetzt, nun hat es aber auch seinen Weg in den offiziellen Kernel geschafft.

HostAP

Zentrale Verbesserungen bietet der neue Kernel außerdem für drahtlose Netzwerke. So unterstützt der WLAN-Stack - im Zusammenspiel mit HostAP - nun auch offiziell einen Access Point-Modus, bislang war dieses Feature von Haus aus im Kernel-Code deaktiviert. Allerdings benötigt diese Funktion die Unterstützung auf Treiberseite, etwa was derzeit noch nicht überall gegeben ist.

Wimax

Mit Kernel 2.6.29 hält erstmals der Support für Wimax-Netze Einzug in das "Linux-Herz". Neben der Aufnahme des rahmengebenden Stacks, wurden auch bereits erste Treiber integriert. Allen voran der i2400m für die Chipsets in aktuellen Centrino Notebooks (Intel Wifi Linik 5150 / 5350).

Fastboot

Vor einigen Monaten hat Intel eine Reihe von Patches vorgestellt, die den Bootvorgang unter Linux erheblich beschleunigen sollen, ein Teil davon hat jetzt seinen Weg in den neuen Kernel gefunden. So ist es nun zum Beispiel möglich mehrere Hardwarekomponenten parallel zu initialisieren, was unnötige Wartezeiten auf typischerweise langsam reagierende Hardware - wie etwa Festplatten - verhindern soll.

Download

Der Kernel 2.6.29 kann ab sofort von der Seite des Projekts heruntergeladen werden, einen Überblick über weitere Neuerungen bietet Kernelnewbies. (Andreas Proschofsky, derStandard.at, 24.03.2009)

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    Mit Kernel 2.6.29 erhält Linux kurzfristige ein neues Maskottchen: Tuz ist ein als Pinguin verkleideter tasmanischer Teufel. Die EntwicklerInnen wollen damit auf die Situation der nur auf Tasmanien lebenden Tiere hinweisen. Diese sind seit der in den 90er-Jahren erstmals auftretenden "Devil Facial Tumour Disease" vom Aussterben bedroht.

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