Anzeige wegen Korruption

23. März 2009, 19:47
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Beim Brand der Standseilbahn im November 2000 waren 155 Menschen verbrannt

Salzburg/Stuttgart - Im Kampf um eine Wiederaufnahme des Kaprunprozesses haben die Stuttgarter Sachverständigen Hans-Joachim Keim und Bernhard Schrettenbrunner am Montag am Landesgericht Wien Anzeige "wegen des Verdachtes der Korruption und der vorsätzlichen Strafvereitelung" erstattet. Die Vorwürfe richten sich gegen die Gutachter sowie unbekannte Auftraggeber. Beim Brand einer Standseilbahn waren am 11. November 2000 in einem Tunnel 155 Menschen verbrannt.

Nach Recherchen des Unternehmens von Keim und Schrettenbrunner, der Group WTW Services, seien die amtlichen Ermittlungen, die nach der Katastrophe im November 2000 vom Innenministerium vorgenommen wurden, sabotiert oder unterschlagen worden, heißt es in der Anzeige. Bis Ende 2002 sei von den Gutachtern die Brandursache und -verlauf mit dem "vollkommen frei erfundenen Einbau des Heizlüfters vom Typ 'Hobby S'" vorgegaukelt worden. Bereits bei der Spurensicherung der KTZ sei bereits seit dem 16. November 2000 bekanntgewesen, dass überhaupt kein Heizlüfters von diesem Typus in den Zügen eingebaut worden sei.

Auch vom giftigen, brand- und explosionsgefährlichem Hydrauliköl seien 560 Liter in den Zügen und Stationen eingesetzt gewesen. Dieser Einsatz sei nie begutachtet worden, heißt es weiters in der sechsseitigen Erklärung. Ferner seien Beweismittel unterschlagen worden wie z. B. die mit Öl getränkten Lärchenbretter.

Ermittlungen nach Strafanzeige

Das österreichische Justizministerium hat nach einer Strafanzeige von Keim im April 2008 gegen die vier österreichschen Prozess-Sachverständigen weitere Ermittlungen im Fall Kaprun zugelassen. Die vier Gutachter sind aber nicht zu ihrer Einvernahme bei Gericht erschienen. Die Sachverständigen werfen nun vielmehr dem Behördenleiter der Staatsanwaltschaft Salzburg, Marcus Witek, nun Befangenheit vor. Die Oberstaatsanwaltschaft Linz muss den Vorwurf prüfen.

Bei dem verheerenden Brand in den Wagen der Standseilbahn waren am 11. November 2000 in einem Tunnel 155 Menschen verbrannt oder erstickt, unter ihnen mehr als 30 Deutsche. Im ersten Prozess 2004 in Salzburg waren alle 16 österreichischen Angeklagten freigesprochen worden. Eineinhalb Jahre später wurde das Urteil bestätigt.

Nach vergeblichen Versuchen, ein Wiederaufnahmeverfahren zu erreichen, akzeptierten die Rechtsvertreter der überlebenden Opfer oder Angehöriger schließlich im Sommer 2008 einen Vergleich, der den über 400 Angehörigen insgesamt 13,9 Millionen Euro zusprach. Rund 40 Hinterbliebene aus Japan, Holland und Deutschland haben indes am 27. Februar eine Schadenersatzklage bei einem New Yorker Gericht eingebracht. Die Klage richtet sich gegen die Gletscherbahnen Kaprun (GBK), gegen die Republik und gegen alle Firmen, die mit Bau und Betrieb der Gletscherbahn zu tun hatten. (APA)

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