"Ich habe nichts zu verheimlichen"

23. März 2009, 19:28
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NÖ-Spitalslandesrat Sobotka über Langbein-Buch: "Krudes Sammelsurium"

St. Pölten - Ein System voller bekannter Qualitätsmängel, umgeben von einer Mauer des Schweigens - so charakterisiert Autor Kurt Langbein in seinem Buch "Verschlusssache Medizin" das niederösterreichische Spitalswesen. Ein frontaler Angriff auf Landeshauptmann-Stellvertreter Wolfgang Sobotka (ÖVP), bei dem die Landesfinanzen und die Spitäler ressortieren. Er nimmt im Gespräch mit dem Standard nun erstmals zu Langbeins Buch Stellung und bezeichnet es als "krudes Sammelsurium" von Fakten und Behauptungen, bei dem der Autor "jede Relation vermissen lässt".

Ganz abgesehen davon, erklärte Sobotka am Montag, habe er "nichts zu verheimlichen". Langbeins Buch würde auf Zahlen basieren, die erhoben wurden, bevor die Krankenhäuser in der niederösterreichischen Landesklinikenholding zusammengefasst wurden. Aktuellere Zahlen wären Langbein zwar zur Verfügung gestellt worden, er habe sie in seinem Buch allerdings nicht verwendet. "Ich bin gewohnt, mich mit seriösen Personen an den Tisch zu setzen", kritisiert Sobotka die Vorgangsweise Langbeins.

Zentralisierung durch Holding

Besonders ärgert den Landeshauptmann-Stellvertreter der Vorwurf, dass in kleineren Spitälern aufgrund der niedrigeren Fallzahl schlechter behandelt würde: "Dazu kann ich nur sagen: Langbeins Unwissen ist durch keinerlei Wissen getrübt." Man habe in den letzten Jahren sukzessive medizinische Schwerpunkte gebildet und "zentralisiert, wo es notwendig ist. Wir machen nicht überall alles."

Dass eine gewisse Grundversorgung im Krankenhaus innerhalb von 30 Minuten für jeden Niederösterreicher erreichbar sein muss, dazu sei man nun einmal bundesgesetzlich verpflichtet. Auch die kostenintensiven Fehlbelegungen auf den Intensivstationen seien zurückgegangen, seit alle Krankenhäuser unter einem Dach arbeiten - laut Sobotka um ganze 40 Prozent.

Zur Verbesserung der Strukturen habe man in Niederösterreich bereits 38 Behandlungspfade für verschiedene Erkrankungen erarbeitet, laut denen in den Krankenhäusern gearbeitet und dokumentiert wird, erklärt Sobotka weiter. Ein "großes Anliegen" sei ihm eine unabhängige Stelle in der Qualitätssicherung, die systematisch Fehler analysieren soll. (Andrea Heigl, DER STANDARD, Printausgabe, 24.03.2009)

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    Landeshauptmann-Stellvertreter Wolfgang Sobotka (ÖVP)

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