Ein Genießer will Kärntner Orange bremsen

23. März 2009, 19:01
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Kärntens ÖVP-Chef Josef Martinz will "Leben und leben lassen" - Kopf des Tages

Zur richtigen Zeit das Richtige tun. So lautet das politische Credo des Josef Martinz. Das Richtige ist für den Kärntner ÖVP-Chef eine Koalition mit dem allgewaltigen BZÖ, das durch die Kärntner Landtagswahl triumphal gestärkt wurde. Wenn schon die orange Dampfwalze über Kärnten rollt, dann soll die ÖVP wenigstens nicht darunter zu liegen kommen, sondern im Führersitz mitfahren.

So heißt denn auch die Losung bei den Kärntner Schwarzen: "stabile" Verhältnisse in Kärnten schaffen. Der promovierte Volkswirt und Unternehmer Josef Martinz traut sich zu, diesen Balanceakt zu schaffen, ohne dabei selbst abzustürzen. Hatte es doch der frühere Ossiacher Bürgermeister bei den Landtagswahlen wider jedes Erwarten geschafft, mit der seit den letzten Wahlen auf einem historischen Tiefstand von elf Prozent grundelnden ÖVP ein Plus von fast fünf Prozent einzufahren.

Das hatten dem stets bedächtig und lösungsorientiert agierenden ÖVP-Chef nicht einmal die eigenen Gefolgsleute zugetraut. Am wenigsten seine Klagenfurter Parteifreunde, die sich beharrlich jeder personellen Erneuerung verweigerten und ihren Landeschef mit dem wenig schmeichelnden Attribut "politisches Hascherl" bedachten. Martinz überließ daraufhin die schwarze Klagenfurter Altherrenpartie ihrem politischen Schicksal und überlebte sie alle.

Wohl wissend, dass er mit dem schillernden Politstar Jörg Haider in der Wählergunst niemals konkurrieren könne, hatte Martinz seine Partei dennoch recht erfolgreich als Zünglein an der Waage positioniert.

Vor allem als die orange-rote Chianti-Koalition platzte, sah der passionierte Genussmensch, der Kärntner Spezialitäten und Kärntner Wein über alles schätzt, die Möglichkeit, für die kleinste Regierungspartei politischen Spielraum zu schaffen. Zwar diente man zumeist als Mehrheitsbeschaffer für das BZÖ, doch agierte Martinz auch immer wieder gegen Haider, wenn es darum galt, den orangen Machtrausch einzubremsen oder den eigenen Kaufpreis zu erhöhen. Etwa bei der Landeshauptmann-Wahl von Haiders Nachfolger Gerhard Dörfler.

Seine politische Laufbahn startete der Vater zweier Söhne, Campingplatz- und Restaurantbesitzer in der Ossiacher Kommunalpolitik, wo er als Bürgermeistermeister einen perfekten Moderator der Gemeindepolitik gab. Dort agierte er nach seinem persönlichen Lebensmotto: "Leben und leben lassen." So will er auch die Koalition mit dem BZÖ anlegen - falls das nicht an den Orangen scheitert. (Elisabeth Steiner/DER STANDARD Printausgabe, 24. März 2009)

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