So starb der Kommunismus

23. März 2009, 18:53
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Jetzt haben sie uns den Helmerl Zilk abgeschossen - Um den Schmerz ob dieser ruchlosen Tat zu lindern ...

Jetzt haben sie uns den Helmerl Zilk abgeschossen. Um den Schmerz ob dieser ruchlosen Tat zu lindern, wird es wohl größerer Mengen an Opodeldok, geschmiert auf fassungslose Seelen, bedürfen. Aber wie konnte "profil" nur auf so infame Weise das Nest der "Kronen Zeitung" beschmutzen! Helmut Zilk, Spion schreit es vom dieswöchigen Cover des Magazins. Er war jahrelang Informant des CSSR-Geheimdienstes, bespitzelte Kreisky, Klaus und Bacher - und ließ sich dafür bezahlen. Unfassbar! Ungeheuerlich! wie Cato auch sofort durchschaute und im Furor einer quellenkritischen Ferndiagnose feststellte, es tauchten sogar gefälschte Dokumente gegen ihn auf, womit wenigstens fürs Erste klar ist, was drei Millionen Österreicher zu glauben haben. Cato benennt auch die Schuldigen. Die Verbreitung solcher Unterlagen konnte man getrost jenen politischen Kräften in Österreich überlassen, die in Schwierigkeiten sind. Bei ihnen, in ihren Zeitungen und Zeitschriften, wurde für die Verleumdungen des Toten an hervorragenden Stellen Platz geschaffen. Der Innenpolitiker des Blattes unterstellte jenen politischen Kräften in Österreich, die in Schwierigkeiten sind, gar ein besonders fieses Kunststück: Sie betrieben auf Grund dieser Unterlagen eine noch nie da gewesene Vorverurteilung eines Toten. Das ist wirklich noch nie dagewesen, zeigt aber nur, dass "profil" vor nichts zurückschreckt.

Deutlich abweichend von Cato schätzte Michael Jeannée den Wert der Quellen ein, was der praktizierten Meinungsvielfalt in der "Krone" ein schönes Zeugnis ausstellt. Er zitierte aus einem Dokument der Kwaplitschkas über Zilk: "Er kam in alkoholisiertem Zustand vom jugoslawischen Botschaftsempfang. Es war nicht möglich, mit ihm über politische Themen zu sprechen, er widmete die Aufmerksamkeit nur den anwesenden Damen." Statt nun den langjährigen Ombudsmann, der über seinen Tod hinaus, daher unangefochten von böhmischen Verleumdungen für die Rechte der "Krone"-Leser kämpft, korrekt als einen in ganz Wien gefürchteten Abstinenzler in Erinnerung zu halten, bestätigte er die Richtigkeit der von Cato als gefälscht verdammten Papiere und arbeitet so am Bild eines Idols der anonymen Alkoholiker mit: Mein und unser aller Helmut Zilk, liebe Wienerinnen und Wiener, wie er leibte und gelebt hat: leicht illuminiert, ein Hommes à Femmes, gutmütig und stets hilfsbereit."

Ja, er teilt sogar die Einschätzung der Dokumentenfälscher aus der CSSR: Von einem "Superspion" und "Mann aus der Kälte" so weit entfernt wie jene von Anstand, Anständigkeit und Respekt (vor einem Toten, der sich nicht mehr wehren kann), welche die Zilk'sche Spionage-Pistole jetzt lanciert haben. Die beschrieben ihren Mann in der Argentinierstraße laut "profil" nämlich so: "Gepflegtes Äußeres. Erfolg bei Frauen. Er führt ein persönlich aufwändiges Leben. Isst in teuren Restaurants. Macht kein Geheimnis daraus, dass er Geld nicht im Überfluss hat. Wünscht sich Sozialismus, obwohl er sehr eigenständige Vorstellungen davon hat." Wenigstens von diesem Verdacht hätte man ihn in der "Krone" reinigen können.

Jene politischen Kräfte, die in Schwierigkeiten sind, sitzen aber nicht nur in "profil", die Mediaprint ist förmlich durchseucht von ihnen. So schrieb Alfred Payrleitner im "Kurier" über den Freund, der seine vielen Freunde posthum ratlos macht: Seine mediale Präsenz war einfach grandios. (Sie ist es bis heute!) Und dieser Mann war gleichzeitig der tschechische Agent Holec ... Kleinkariert und extrem ungeschickt, weil er sich schriftlich festnageln ließ. Ein komplett leichtsinniger Vorstadt-James-Bond, dem scheinbar die eigene verbale Begabung über den Kopf wuchs. So etwas darf doch nicht wahr sein. Aber es ist wohl wahr.

Die wirkliche Katastrophe an dem Fall sprach im "Kurier" ein anderer Weggefährte Helmut Zilks an. "Ich hab' die Vorwürfe immer geglaubt", sagt Ex-ÖVP-Chef Erhard Busek. "Das ist eine Entmythologisierung. Jetzt wird es schwierig, die Ringstraße nach ihm zu benennen." Das erscheint zwar kleinlich, besonders von einem Weggefährten, ist aber wohl auf eine posthume Ratlosigkeit zurückzuführen, der Cato schon Herr werden wird. Denn alle bisher vorgelegten Papiere besagen nicht mehr, als dass Holec für relativ unbedeutende Summen absolut unbedeutende Informationen geliefert und so den Fall des Kommunismus herbeigeführt hat. Wer sich dafür einen Kristallluster wünschte, kann kein schlechter Mensch gewesen sein. Das sollte auch Václav Havel trösten. (Günter Traxler, DER STANDARD; Printausgabe, 24.3.2009)

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