Kapital von Cerberus und Bund

23. März 2009, 18:46
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US-Aktionär will 200 Mio. zuschießen - Bank Austria: maximal 2,4 Mrd. aus Österreich

Wien - In der Bawag wird derzeit heftig gebastelt: Zum einen gilt es, die Bilanz 2008 fertig zu stellen, zum anderen sollen sich die Vorgespräche im Finanzministerium zum Thema Staatskapital (PS-Kapital) bald in endgültige Verhandlungen mit der Republik materialisieren. Beides ist mühsam - klar ist, dass die Bank einen dreistelligen Millionen-Verlust ausweisen wird. Die Rede ist von 300 bis 400 Mio. Euro; manche schätzen die Range bis 500 Mio. Euro. Faktum ist, dass die strukturierten Kreditprodukte wertberichtigt werden - begonnen haben die Bawag-Manager unter David Roberts damit bereits in ersten Halbjahr 2008.

Die im Eigentum des US-Fonds Cerberus stehende Bank hat jede Menge toxisch gewordener Papiere im Portfolio; zuletzt soll das Structured-Credit-Book noch um die 1,5 Mrd. Euro schwer gewesen sein. Vermutungen, wonach große Mengen davon erst in der Zeit unter Cerberus (hat die Bawag 2007 übernommen) ins Haus kamen, weisen die Bawag-Banker heftig zurück; es handle sich in erster Linie um Altbestand.

Abwertungsbedarf aus Richtung Osteuropa gibt es bei der Ex-Gewerkschaftsbank, im Gegensatz zu Erste Group oder Bank Austria, nicht: Die Bawag hat ihre Osttöchter bereits verkauft, ebenso einen Großteil ihrer Immobilien und bankfremden Beteiligungen. Insider schätzen, dass die Verkäufe rund 1,8 Mrd. Euro vom Bawag-Kaufpreis (3,2 Mrd. Euro; davon flossen 2,6 Mrd. an den Verkäufer ÖGB, der Rest ging in die Bank) hereingespielt haben.

Liquiditätsprobleme hat die Bawag nicht: Sie verfügt über sieben Mrd. Euro. Die durch die Verluste angekratzte Eigenkapitalbasis soll nun durch PS-Kapital wieder aufgepolstert werden. Wobei der ÖGB sehr hofft, dass die Bawag in der Bilanz 2008 über sechs Prozent Eigenkapitalquote liegt: Sollte dem so sein, fällt seine noch bestehende Haftung für die Eigenmittelausstattung der Bawag für immer weg.

Einen genauen Befund über den Zustand der Bawag wird es jedenfalls in der Notenbank (OeNB) bald geben: Sie untersucht jene Institute auf Herz und Nieren, die um Staatskapital ansuchen. Einige der Notenbanker werfen dabei einen Blick auf ihre eigenen Aktivitäten: OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny war von 2006 bis Ende 2007 Bawag-Chef, und der Direktor der OeNB-Abteilung Bankenprüfung, Philip Reading, bis August 2008 Treasury-Leiter der Bank.

Die bei Instituten mit ausländischen Eigentümern relevante Frage des "substanziellen Beitrags des Hauptaktionärs" soll in der Bawag schon beantwortet sein: Cerberus wird dem Vernehmen nach 200 Mio. Euro einschießen. An die 600 Millionen könnten vom Staat dazukommen, diese Größenordnung soll die Ausgangsbasis der Vorgespräche gebildet haben.

Bei Konkurrentin Bank Austria ist die Frage des UniCredit-Beitrags noch ungeklärt. In Summe will die Gruppe bis zu vier Mrd. Euro von Italien und Österreich holen, in Regierungskreisen geht man davon aus, dass Österreich maximal 60 Prozent davon springen lässt. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.03.2009)

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