Warner Music lässt Tausende YouTube-Clips sperren

23. März 2009, 17:48
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Die Spannungen zwischen Rechteinhabern und Internetseiten, die kostenlosen Content anbieten, nehmen stetig zu

Die Urheberrechtsstreitigkeiten zwischen YouTube und Rechteinhabern wirken sich negativ auf die Amateurvideos auf der Plattform aus. Seitdem im vergangenen Dezember Lizenzverhandlungen zwischen Warner Music und der Google-Videoseite platzten, lässt das Majorlabel seine Inhalte kontinuierlich von YouTube entfernen. Davon sind allerdings nicht nur die professionellen Videos betroffen, sondern auch Tausende Amateurvideos, in denen User beispielsweise Weihnachtslieder nachspielen oder -singen, deren Rechte bei Warner liegen. Wie die New York Times berichtet, spürt das YouTube-System zur Identifikation von geschütztem Content gleichermaßen professionelle wie Amateurinhalte auf und macht dabei keine Unterscheidung.

Frust

"Wir sowie unsere Künstler teilen die Frustration der Nutzer darüber, wenn Inhalte gesperrt werden. YouTube generiert Umsätze über von Usern gepostete Inhalte, die in der Regel Lizenzen seitens der Rechteinhaber bedürfen", so Will Tanous, Sprecher von Warner Music. Derzeit mache das Label YouTube auf Warner-Content aufmerksam. Das Identifizierungssystem der Plattform entferne dann alle unlizenzierten Tracks, egal wie diese eingesetzt würden. Laut Electronic Frontier Foundation - eine Internet-Bürgerrechtlergruppe, die betroffene YouTube-Nutzer dazu aufrief, sich zu melden - wird bei den Amateurvideos nun entweder der Ton abgedreht oder das Video komplett von der Plattform genommen.

Spannungen

Der Videoschwund auf YouTube spiegelt auch einen allgemeinen Trend wider: Die Spannungen zwischen Rechteinhabern und Internetseiten, die kostenlosen Content anbieten, nehmen generell stetig zu. Der Zwist zwischen Warner und YouTube zeigt, dass die beteiligten Parteien zunehmend Schwierigkeiten haben, sich auf angemessene Lizenzvereinbarungen zu einigen. Bevor die Verhandlungen zwischen der Google-Videoplattform und dem Majorlabel Ende vergangenen Jahres scheiterten, befanden sich YouTube und Warner zwei Jahre lang in einer Kooperation. Doch Warner war die finanzielle Beteiligung an den YouTube-Werbeeinnahmen am Ende offenbar zu gering und ein neuer Deal kam bislang nicht mehr zustande. Google scheint nicht bereit zu sein, die Zahlungen deutlich nach oben zu schrauben, was sich zuletzt auch in einem Streit mit der britischen Musikindustrie zeigte . Nach gescheiterten Verhandlungen entschloss sich die Plattform, Musikvideos für britische Nutzer vorerst zu sperren.

Für YouTube ist der Wegfall von Warner-Content durchaus problematisch. So sind die professionellen Musikvideos einer der am meisten genutzte Bereich auf der Plattform. Darüber hinaus ist das insgesamt am häufigsten gesehene Video auf YouTube nicht etwa ein nutzergenerierter Clip, sondern ein Musikvideo von Avril Lavigne mit über 117 Mio. Views. Eine regelmäßige Zufuhr professioneller Musikvideos hilft der Videoseite dabei, die Werbeeinnahmen zu steigern. Sowohl für Google als auch für Warner wird sich letztlich die Frage stellen, wen die Nutzer für den Videoschwund verantwortlich machen. "Ich habe das Gefühl, die öffentliche Meinung über Plattenfirmen ist so feindlich, dass es YouTube gelingen wird von jeglichen Beschwerden abzulenken", meint zumindest Phil Leigh, Analyst für Neue Medien von der Consultingfirma Inside Digital Media. (pte)

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