Buchtipp

Empathie fürs "Russländische"

23. März 2009, 17:08

Gerhard Mangott: "Der russische Phönix – Das Erbe aus der Asche"

Er habe das Buch "mit Empathie für die russländischen Bürger, die kulturelle und spirituelle Kraft der russländischen Gesellschaft geschrieben" , bekennt der Autor eingangs. Und schließt sein Werk folgerichtig mit der Erwartung, dass "unterhalb der Aschenreste der Glanz des Phönix immer sichtbarer werden wird".

Gerhard Mangott, Politologe und Osteuropa-Experte an der Universität Innsbruck, ist österreichischen Medienkonsumenten als Analytiker und Kommentator der Entwicklung in Russland bekannt. Mit dem vorliegenden Werk fasst er die Entwicklung der Russischen Föderation seit dem Ende der Sowjetunion, vom Aufstieg Boris Jelzins bis zum heutigen "Duumvirat" zwischen Präsident Dmitri Medwedew und Premier Wladimir Putin, zusammen und beleuchtet das Machtgeflecht zwischen Politik, Wirtschaft und Sicherheitsapparat. Zu den weiteren Perspektiven der Doppelherrschaft entwickelt er drei Szenarien mit offenem Ausgang. Energie- und Außenpolitik werden in ihren sensiblen Aspekten dargestellt.

Das Buch liefert eine solide Basisinformation zum Verständnis des heutigen Russland, wenngleich mit Einschränkungen. Mangott konzentriert sich im Personellen wie im Sachlichen auf die formalen Strukturen. Das Unterschwellige, das Informelle, die Potenziale einer russischen Zivilgesellschaft bleiben praktisch ausgeklammert. Dazu kommt, wie das Beharren auf dem Adjektiv "russländisch" und die in breiteren Medien ebenfalls ungewohnte Transkription (Beispiel: Èubais statt Tschubais) zeigen, ein unnötiger wissenschaftlicher Snobismus. (jk/DER STANDARD, Printausgabe, 24.3.2009)

 

Gerhard Mangott: Der russische Phönix – Das Erbe aus der Asche. Kremayr & Scheriau, Wien 2009, 224 S., 19,90 Euro.

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Posting 1 bis 25 von 33
1 2
UhrenUnterOffizier
05
"Das Unterschwellige, das Informelle, die Potenziale einer russischen Zivilgesellschaft bleiben praktisch ausgeklammert."

Damit meint der Author, dass Mangott den rassistischen und immerwiederkehrenden clichee Mist von der russischen Seele ausspart.

Magott berät objektiv und schreibt Expertisen.
Fr. Scholl und Lendvai schprechen Zauberschutzformeln und raten dazu sich Knoblauch umzuhängen.

Es ist schwer eine andere Meinung zu akzeptieren!

Joseph EU
80
Hätten sie der Frau Politkovskaija......

und den andren politischen Mordopfern auch gern Zauberschutzformeln angedeihen lassen....

UhrenUnterOffizier
00
was hat das damit zu tun?

Joseph EU
20
Mit der Empathie.........

hat das sehr viel zu tun....

D.S.1
02
29.3.2009, 19:31
Wissehschaftliche Tranksription

Da der Standard nicht einmal den nötigen Zeichensatz für eine korrekte Transkription hat (Èubais hat Prof. Mangott sicher nicht geschrieben), soll er sich mit der Kritik zurückhalten.
Korrekte Transkription (Anatolij Borisovic Cubajs!)

D.S.1
110
29.3.2009, 19:20
Alsod as Beharren auf das Wort "russländisch"

hat keinesfalls mit wissenschaftlichem Snobismus zu tun. Da muss ich den Autor jk (warum anonym?) heftig widersprechen! Es geht um die im Russischen vorhandene Rücksicht auf nicht-russische Minderheiten!!
Z.B.:In Kasan greift man sich auf den Kopf, wenn man hört, das die ziemlich autonomen Tataren bei uns in Mitteleuropa fälschlich als Russen bezeichnet würden und alles was mit ihnen zusammenhängt als russisch. Das ist doch sachlich vollkommen inkorrekt und eine Beleidigung für Tataren, die nicht nur Tatarisch als Amtssprache haben, sondern Moslems sind und sich überhaupt nicht als Russen sehen. Aber alle fühlen sich als Russländer, da sie Staatsbürger der russländischen Föderation und stolz darauf sind! Das Gesagte für Andere auch!

Andrei Tchoubrikov
13
21.4.2009, 16:55
absolut korrekt

Selten so zutreffende Postings im Standard gelesen. Im Westen ist diese Unterscheidung zwischen Staat und Ethnie/Nation nahezu gaenzlich unbekannt - Adolf Hitler und der Bluetezeit des Nationalismus sei Dank (Achtung, Sarkasmus !)

Rusland ist KEIN NATIONALSTAAT - war es nie, und wird es hoffentlich auch nie. Wer "Russland den Russen" schreit, gehoert kastriert,damit gar keine Energie mehr aufkommt, die so sinnlos verschwendet wird.

Russland ist Europa, vielleicht sogar mehr, als die EU, aber eben ein anderes - eins des Heiligen Roemischen Reiches und der Maria Theresia, ein mittelalterlich-roemisches (obwohl RU ur-byzantinisch ist, aber das trifft's auch) und ueber-nationales. Ein Jugoslawien in RU-Ausmass braucht keiner, Gott bewahre.

hedo
00
22.4.2009, 14:51
Bin mit Ihnen im Prinzip einer Meinung, aber glauben Sie, dass es ein Zufall ist, dass die Staatskonstrukte, die Sie als Analogie zu Russland nennen (vom Heiligen Römischen Reich bis Jugoslawien) heute nicht mehr existieren?

Vielvölkerstaaten, die gleichzeitig einen ethnischen Nationenbegriff hochhalten, werden immer mit inneren Konflikten zu kämpfen haben. Da kann man den Deckel draufhalten, aber einen echten Frieden zwischen den unterschiedlichen Volksgruppen wird man nicht zustandebringen; jedes Volk wird immer zumindest unterschwellig das Gefühl haben, benachteiligt und unterrepräsentiert zu sein.

Ich glaube, es wäre langfristig das Beste für Russland, zu einem Nationenverständnis nach dem Vorbild der Schweiz zu gelangen. Dort leben auch unterschiedliche Völker zusammen, aber jeder fühlt sich zuerst als Schweizer.

Dieses Ziel wird erreicht sein, wenn die Bürger Russlands den Begriff "russländische Nation" nicht mehr als Widerspruch in sich empfinden.

Alexei Pavlov
00

Ein Schweizer erzaehlte mir aber etwas anderes ueber das dortige Zusammenleben: Die Deutschen und die Franzosen vertragen einander nicht unbedingt prima.

hedo
00
12.5.2009, 11:33
Klar gibt es Differenzen

Und es gibt auch kulturelle Unterschiede. Gut so: Keiner soll seine Identität verleugnen.

Aber wenn man Deutschschweizer, Romands oder Tessiner fragt, welche Nationalität sie haben, sagen sie "Schweizer", und wenn sie Patrioten sind, dann sind sie schweizerische Patrioten und nicht deutsche, französische oder italienische.

In Russland muss man "russländische" Patrioten noch mit der Lupe suchen.

Alexei Pavlov
00
12.5.2009, 14:45

Koennten Sie es irgendwie mit Statistik belegen?

Oder wo kommt eigentlich Ihre Ueberzeugung her?

hedo
00
12.5.2009, 15:26

Ich kenne sowohl Russen als auch Schweizer. Keinem Russen würde es einfallen, seine Nationalität als "russländisch" zu bezeichnen, umgekehrt käme kein Schweizer auf die Idee, die Schweiz als nationale Entität infrage zu stellen.

Der Begriff "Nation" ist in den beiden Ländern eben unterschiedlich definiert. Keine der Definitionen ist in Stein gemeißelt. Ich finde nur, dass die schweizerische Definition dem friedlichen Zusammenleben der Völker dienlicher ist.

Alexei Pavlov
00
12.5.2009, 18:33

Sich kommen schlicht mit den Sprachen nicht klar.

Auf Englisch bedeutet "nationality" fast immer "Staatsbuergerschaft". Auf Deutsch eher auch. Auf Russisch -- wenn wir nicht das gebrochen Russisch meinen, das die "Grantier" (Empfaenger der westlichen Grants -- "Rechtschuetzer" o.ae.) unter dem Einfluss des Englischen ihrer Geldgeber sprechen -- bedeutet "nationalnost" immer die ethnische Zugehoerigkeit.

hedo
00
13.5.2009, 09:10
Das hat nichts mit Sprache zu tun

Vor 100 Jahren hätte ein Wiener sicher nicht "Österreicher" gesagt, wenn man ihn nach seiner Nationalität gefragt hätte, sondern "Deutscher", "Böhme" oder was auch immer. Ich denke, zur Zeit der Monarchie hat man hier unter Nationalität so ziemlich dasselbe verstanden, wie in Russland heute.

Der Unterschied ist nicht auf die linguistische Ebene reduzierbar.

Alexei Pavlov
00
13.5.2009, 19:33

Dann heisst es eben, dass sich das oesterreichische Deutsch in den 100 Jahren etwas veraenderte.

Ebenso sagte man vor 100 Jahren im Russischen wesentlich seltener "rossijskij", als heute. Obwohl auch im heutigen Sprachgebrauch ist diese Trennung nicht 100%ig genau, und so sagt man oft "russkij" fuer "russlaendisch".

deiml
00
29.4.2009, 08:00
genau das hat ihr vorvorposter geschrieben

deshalb "russländisch/rossijskij" vs. "russisch/russkij"

ursus rabiaticus
70
Russen und Tartaren

verbindet nur eins: unversöhnliche Feindschaft

noobsstinken
01
Ich sehe, noch so ein "Experte", Sie kommen wohl frisch aus Tatarstan?

noobsstinken
01
Naja,

erstens nicht alle Tartaren sind moslems und überhaupt ist nicht jeder ein Moslem der sich als solcher bezeichnet. Zweitens, ich würde schon sagen das die sich der russischen Kultur und allem russischen sehr zugewandt sind. Das einige Inkompitente Europäer die Tartaren als Russen bezeichnen, ist keine Beleidigung für die Tartaren sondern eher eine Beleidigung für die Inkompetenten Europäer selbst. Es ist allerdings auch manchmal schwierig Tartaren von Russen zu unterscheiden, zumindest auf den ersten Blick, die haben alle irgendwie 2 Hände, 2 Augen, 2 Beine, 1 Kopf und oft auch noch die gleiche Hautfarbe...

Joseph EU
161
Also wer die Tataren kennt ...........

kommt aber schon gar nicht auf die Idee das die so froh sind in der russischen "Föderation" zu sein....wie auch viele andre nicht - wenn sie den noch leben....

Noitulover
09

Sind sie so ungebildet, oder hoffen sie dass die Mehrheit der Leser ungebildet genug ist, so ein Schmarrn zu glauben? Das ist so dämlich, dass es schon beim lesen beinahe weh tut...

noobsstinken
14
Sie scheinen mir aber viele Tartarren zu kennen, Sie Experte...

Also wer die EU-Bürokraten kennt,
der weißt das es nur ein korrupter Haufen Gauner ist. Daher, raus aus der EU!

hedo
00
31.3.2009, 17:42
"Das Gesagte für Andere auch! "

Ja, insbesondere für die ethnischen Russen.

Als in den 90er Jahren das Kennzeichen "Nationalität" aus den Pässen verschwunden ist (und damit seinen offiziellen Status verloren hat), haben die russischen Nationalisten am lautesten protestiert.

Alexei Pavlov
00

Sie luegen!

Am lautesten protestierten die nicht-russischen Nationalisten, v.a. die tatarischen.

hedo
00
12.5.2009, 12:12

Ein Beispiel für Protest von russisch-nationalistischer Seite:

http://www.voskres.ru/info/passport.htm

Ich glaube Ihnen aber gerne, dass auch nicht-russische nationalistische Organisationen dagegen protestiert haben.

Allen "Patrioten" war die Abschaffung des Kennzeichens "Nationalität" ein Dorn im Auge, weil "Patriotismus" in Russland eben bis heute rein ethnisch verstanden wird.

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