Flop: Meeresdüngung brachte nichts "als einen Schwarm wohlgenährter Flohkrebse"

23. März 2009, 16:35
22 Postings

Wissenschafter ziehen ernüchternde Bilanz über Experiment im Südatlantik - Eisendüngung wird den Klimawandel nicht stoppen

Berlin - Ein von Anfang an umstrittenes deutsch-indisches Experiment im Südatlantik hat Erwartungen gedämpft, mit Hilfe von Meeresdüngung den Klimawandel aufhalten zu können. Eine Düngung mit Eisen im Südozean würde demnach wahrscheinlich nicht die erhoffte langfristige Bindung bedeutender CO2-Mengen aus der Atmosphäre ermöglichen, teilte das Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) am Montag in Berlin mit.

Wissenschaftler an Bord des Forschungsschiffs "Polarstern" hatten einen Wasserwirbel vor der Antarktis mit sechs Tonnen Eisen gedüngt und knapp sechs Wochen lang die Auswirkungen auf das Plankton und den Gehalt an klimarelevanten Gasen wie Kohlendioxid beobachtet. Die Zugabe von Eisen habe zwar erwartungsgemäß das Wachstum von Kleinalgen, sogenanntem Phytoplankton, angeregt, erklärte das AWI. Die Kleinalgen hätten ihre Biomasse innerhalb von zwei Wochen verdoppelt, indem sie CO2 aus dem Wasser nutzten. Ruderfußkrebse hätten allerdings Algen gefressen und eine größere Blüte verhindert, so dass mit weniger Algen auch weniger Kohlenstoff als bei früheren Experimenten zum Meeresboden hinabgesunken sei.

Die Krebschen hat's gefreut

In vorhergehenden Versuchen hatte demnach vor allem das Wachstum von Kieselalgen angeregt werden können, die - durch eine harte Silikatschale vor dem Fressen geschützt - nach der Blüte zum Grund hinabsinken und so das Kohlendioxid dort binden. Beim jüngsten Experiment aber hätten Kieselalgen nicht wachsen können, da vorherige natürliche Blüten im Untersuchungsgebiet die für das Wachstum benötigte Kieselsäure bereits aufgezehrt hatten. Demnach ist ein "Hauptergebnis", dass eine Eisendüngung in der subantarktischen Zone zwar das Wachstum anderer Kleinalgen stimulieren, diese aber mangels "Fraßschutzes" keine so großen Blüten bilden und daher auch nicht so viel CO2 binden können wie Kieselalgen.

Die Konzentration anderer Treibhausgase als CO2 - beispielsweise von Lachgas, Methan oder halogenierten Kohlenwasserstoffen, die zum Abbau der Ozonschicht beitragen - änderten sich laut AWI während des gesamten Experiments kaum oder gar nicht. Den Angaben zufolge dürfte von den Untersuchungen nichts weiter zurückgeblieben sein "als ein Schwarm wohlgenährter Flohkrebse". Diese fressen unter anderem die Ruderfußkrebse und waren daher von dem gedüngten Fleck in großer Zahl angelockt worden. Die Daten des Experiments sollen in den kommenden Monaten ausgewertet und mit Messungen in den heimatlichen Labors ergänzt werden. (APA/red)

Share if you care.