Firmen verdienen immer besser an ihren Mitarbeitern

23. März 2009, 14:11
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99 Prozent der Jahresüberschüsse werden als Gewinn ausgeschüttet - Lohnerhöhungen nur zu geringem Teil

Linz/Wien - Österreichs Unternehmen verdienen immer besser an ihren Mitarbeitern, zeigt eine Studie der Arbeiterkammer Oberösterreich (AK OÖ). Der Überschuss pro Beschäftigtem, der den Firmen 2007 im Durchschnitt verblieb, betrug mehr als 37.000 Euro und lag somit um 53 Prozent über dem Wert von 2003. "99 Prozent der Jahresüberschüsse bleiben aber nicht in den Unternehmen, sondern werden als Gewinn an die Eigentümer ausgeschüttet", kritisierte AK-Präsident Johann Kalliauer am Montag in einer Aussendung und forderte in der Krise Vorrang für die Sicherung von Arbeitsplätzen vor Gewinnausschüttungen.

Die Arbeiterkammer hat anhand der veröffentlichten Jahresabschlüsse mittlerer und großer Unternehmen errechnet, welchen Überschuss (Differenz zwischen Wertschöpfung und Personalaufwand) diese Unternehmen pro Mitarbeiter erwirtschaften. Fazit: Im Jahr 2007, dem letzten Jahr, für das vollständige Daten vorliegen, verdienten die Unternehmen an jedem einzelnen Beschäftigten durchschnittlich 37.133 Euro. Dieser Wert liegt um 53 Prozent über dem des Jahres 2003. Der durchschnittliche Personalaufwand pro Beschäftigtem ist im selben Zeitraum nur um 11,6 Prozent gestiegen.

Steigerung der Produktivität

Ursache für diese Entwicklung sei die enorme Steigerung der Produktivität der Arbeitnehmer, die an diese nur zu einem geringen Teil in Form von Lohnerhöhungen weitergegeben wurde.

Unternehmen rechtfertigen das damit, dass in "guten Jahren" ein entsprechender Polster zur Verbesserung des Eigenkapitals und der Liquidität aufgebaut werden müsse, um sich gegen spätere Konjunkturabschwünge zu schützen. Tatsächlich wurden aber laut AK in allen Untersuchungsjahren mehr als drei Viertel der Jahresüberschüsse zur Gewinnausschüttung/Dividendenzahlung verwendet. 2007, im letzten Untersuchungsjahr, wurde mit einer Ausschüttungsrate von 98,7 Prozent der Höchstwert erreicht.

Die AK-Untersuchung zeige, dass die hohen Gewinnausschüttungen nicht nur mit zu geringen Lohnsteigerungen der Beschäftigten einhergehen, sondern auch den Aufbau von Reserven in den Unternehmen geschwächt haben. Diese Reserven würden die Unternehmen aber in der aktuellen Krise dringend brauchen, um möglichst viele Arbeitsplätze zur erhalten, so die AK.

Gewinnausschüttung zugunsten des Krisenmanagements

Die AK OÖ fordert die Unternehmenseigentümer daher auf, in den Bilanzen 2008 auf Gewinnausschüttungen zugunsten des Krisenmanagements, der nachhaltigen Absicherung der Leistungsfähigkeit ihrer Unternehmen und der Sicherung der Arbeitsplätze ihrer Mitarbeiter zu verzichten.

Auch die FSG (Fraktion Sozialdemokratischer Gewerkschafter) sprach sich in einer Aussendung dafür aus, heuer auf Gewinnausschüttungen zu verzichtet, um Arbeitsplätze zu sichern. Darüber hinaus müsse in Zukunft verhindert werden, dass Manager mit Prämien dafür belohnt würden, wenn sie Arbeitnehmer kündigen.(APA)

 

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