China trotz Olympia an Spitze

23. März 2009, 13:20
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Menschenrechtler schätzen Dunkelziffer auf bis zu 10.000 Tötungen pro Jahr - 138 Staaten schafften 2008 die Todesstrafe ab

Berlin - Trotz der Olympischen Spiele in Peking hat China im vergangenen Jahr wieder mehr Menschen hingerichtet als jedes andere Land. Mehr als zwei Drittel der Hinrichtungen weltweit entfielen auf die Volksrepublik. Nach dem Jahresbericht von Amnesty International, der am Dienstag offiziell veröffentlicht wird, wurden dort 2008 mindestens 1.718 Frauen und Männer nach Todesurteilen erschossen oder mit der Giftspritze getötet. Insgesamt wurden weltweit mindestens 2.390 Menschen exekutiert.

Fast doppelt so viele Hinrichtungen wie 2007

Damit wurden fast doppelt so viele Hinrichtungen bekannt wie im Jahr davor, als 1.252 verzeichnet wurden. Der starke Anstieg sei im wesentlichen auf die Entwicklung in der Volksrepublik zurückzuführen. Nach Amnesty-Angaben wurden dort mindestens 1.248 Todesurteile mehr vollstreckt als im Jahr zuvor. Dabei handelt es sich allerdings nur um die Zahl der bekanntgewordenen Exekutionen. Die tatsächliche Zahl der Hinrichtungen liegt nach Amnesty-Einschätzung "um ein Vielfaches höher". Die Schätzungen von Menschenrechtlern reichen bis zu 10.000 Fälle pro Jahr.

7.000 Todesurteile verhängt

Von chinesischen Gerichten wurden im vergangenen Jahr mehr als 7.000 Todesurteile verhängt. Hoffnungen, dass die Vergabe der Olympischen Sommerspiele 2008 an Peking am Umgang mit der Todesstrafe in China etwas ändern könnte, erfüllten sich damit nicht. Das bevölkerungsreichste Land der Welt sei weiterhin "grausamer Weltmeister bei der Todesstrafe", kritisierte Amnesty International.

Auf die Volksrepublik folgen in der Statistik der Iran (mindestens 346 Exekutionen), Saudi-Arabien (mindestens 102), Pakistan (mindestens 36) und die USA (34). Als einziges Land in Europa ließ Weißrussland noch vier Menschen töten. Insgesamt wird die Todesstrafe nach Amnesty-Angaben noch in 59 Staaten praktiziert. Vielfach gibt es dort keine offiziellen Zahlen zu Hinrichtungen. Die Dunkelziffer liege nicht nur in China "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit deutlich höher", heißt es in dem Amnesty-Bericht.

138 Staaten schafften die Todesstrafe ab

Demgegenüber ist in insgesamt 138 Staaten die Todesstrafe abgeschafft oder wird in der Praxis nicht mehr vollstreckt. Im vergangenen Jahr kamen Argentinien und Usbekistan hinzu. Vergangene Woche beschloss New Mexico als 15. US-Staat, keine Todesurteile mehr zu vollstrecken. Amnesty-Experte Oliver Hendrich erklärte, insgesamt rücke die Welt "näher in Richtung weltweiter Abschaffung.(...) Doch jede Hinrichtung ist eine zu viel." (APA/dpa)

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