ORF-Mitarbeiter leiden an hoher Arbeitsbelastung und wenig Führung

23. März 2009, 12:56
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Studie: Jeder dritte Beschäftigte ist mit seinem Vorgesetztem unzufrieden - Betriebsrat fordert bessere Gesundheitsvorsorge

"Der ORF ist alles andere als gesund", fasst ORF-Zentralbetriebsratschef Gerhard Moser die Ergebnisse einer aktuellen Studie zusammen und meint einmal nicht die wirtschaftliche Situation seines Unternehmens. In einer IFES-Umfrage unter mehr als 2.000 ORF-Mitarbeitern wurden Arbeitsklima, Arbeitszufriedenheit und Belastungen am Arbeitsplatz abgetestet mit dem Ergebnis: Die Zufriedenheit der ORF-Arbeitnehmer mit ihrer beruflichen Tätigkeit ist überdurchschnittlich hoch, die Belastungen durch Überstunden, mangelnde Unterstützung durch Vorgesetzte bis hin zu Gesundheitsbeeinträchtigungen ebenfalls.

Die Ergebnisse der Studie liefern dem ORF-Betriebsrat Rückenwind für seinen aktuellen Kampf gegen die von der Geschäftsführung geplante Reduktion von Posten und Personalkosten. "Das sogenannte 250er-Model und die geplanten Pensionierungen sind bei der aktuellen Arbeitsintensität und dem vorliegenden Stressgrad nicht denkbar", so Moser. Weiters fordern die Belegschaftsvertreter, die die Studie aus ihrem eigenen Budget finanziert haben, eine "effektive betriebliche Gesundheitsvorsorge und konkrete Maßnahmen gegen das extrem hohe Burnout-Risiko im ORF".

Laut Studienautor Georg Michenthaler ist die Arbeitsbelastung eines ORF-Mitarbeiters schon jetzt "deutlich höher" als die von Beschäftigten in anderen privaten und öffentlichen Großbetrieben in Wien. So arbeite ein Vollzeitangestellter im ORF durchschnittlich 44,1 Stunden pro Woche - vereinbart wären 40,2.

Loyalität am Bröckeln

Auffallend negativ bewerten die ORF-Mitarbeiter die Führungskompetenzen ihrer Vorgesetzten. Ein Drittel vergab dafür die Noten 4 und 5. Auch gegenüber der Geschäftsführung ist die Loyalität am Bröckeln: Fast 60 Prozent der ORF-Dienstnehmer sind mit Alexander Wrabetz und seinem Team sehr oder eher unzufrieden. Mehr als drei Viertel der Mitarbeiter schätzen die wirtschaftlichen Perspektiven des ORF pessimistisch ein und mit dem Image ihres Konzerns sind die Befragten unterdurchschnittlich zufrieden, bilanzierte Michenthaler.

Als Stressfaktoren wurden neben Zeitdruck auch widersprüchliche Vorgaben und mangelnde Unterstützung durch die Vorgesetzten genannt. Laut Studie weisen ORF-Beschäftigte eine Reihe von über dem Durchschnitt liegenden psychosomatischen Gesundheitsbeeinträchtigungen auf, wie Muskelverspannungen, Kreuzschmerzen, Rücken- und Augenprobleme und hoher Blutdruck. Dies, gepaart mit dem ausgeprägten Zukunftspessimismus, veranlasst den Betriebsrat zur Sorge, dass ORF-Beschäftigte einem erhöhten Burnout-Risiko unterliegen. Die Geschäftsführung sei daher gefordert, Vorschläge für eine bessere Gesundheitsvorsorge vorzulegen, findet Moser. Der Zentralbetriebsrat werde sich in den nächsten Tagen und Wochen Anregungen von vergleichbaren internationalen Mediengroßbetrieben holen. Lösungsvorschläge könnten unter anderem die Einführung von Betriebspsychologen oder Fitness-Programme zur Stressbewältigung sein. (APA)

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