"Mikrokredite" nun auch in Europa

23. März 2009, 11:40
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Grameen-Bank steigt in westlichen Industrieländern mit Erfolgsmodell aus der Entwicklungsarbeit ein - Botschaft der Krise: KleinkundInnen am verlässlichsten

Berlin - Der Friedensnobelpreisträger Mohammed Yunus sieht eine Zukunft für Mikrokredite auch in Europa. Zwar gebe es noch keine konkreten Pläne für Deutschland, sagte er dem "Handelsblatt" (Montag-Ausgabe) laut Vorabmeldung. Aber in Italien hat wie berichtet die von ihm gegründete und auf Mikrokredite spezialisierte Bank Grameen gerade ein Joint Venture mit dem italienischen Marktführer UniCredit gestartet. "Dort werden wir Kleinstkredite vergeben - nach denselben Regeln, die wir überall anwenden", sagte er.

Pilotprojekt in New York

Sorgen, dass die Darlehen in Zeiten der Rezession nicht zurückgezahlt werden könnten, hat der Geschäftsmann aus Bangladesch nicht. Er verweist auf ein Projekt seiner Bank in New York: Dort habe man 500 Frauen Kredite von durchschnittlich 1.200 Dollar (878 Euro) gegeben - die Rückzahlungsquote betrage 99,6 Prozent. "Das ist die Botschaft der Krise: Die Banken stolpern über ihr eigenes Geschäft - aber diejenigen, die sie vorher als nicht kreditwürdig eingestuft haben, zahlen ihre Verbindlichkeiten."

Das System von Mikrokrediten gibt es in den Entwicklungsländern seit mehr als 30 Jahren. Die von Yunus in Bangladesch ins Leben gerufene Grameen-Bank ist inzwischen eines der weltweit größten Finanzinstitute mit Kleinkrediten und wurde 2006 zusammen mit ihrem Gründer mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Nach Angaben der Microcredit Summit Campaign wurden 2007 Kleinstkredite an rund 154 Millionen Menschen weltweit vergeben - mit einer geschätzten Summe von 25 bis 30 Milliarden Dollar. (APA/AP)

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