Walter Mayer verhaftet

23. März 2009, 13:13
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Der ehemalige Langlauf-Coach wurde im Zuge des Doping-Verdachts gegen Radprofi K. festgenommen

Wien - Der ehemalige ÖSV-Langlauftrainer Walter Mayer ist am Sonntag im Zuge des jüngsten Doping-Verdachts gegen den seit 13. März in Haft sitzenden Radprofi K. verhaftet worden. Die Festnahme erfolgte in den späten Abendstunden in der Steiermark, bestätigte der Sprecher der Wiener Staatsanwaltschaft, Gerhard Jarosch, am Montag der Austria Presse Agentur. Der frühere Coach im Langlauf- und Biathlon-Bereich wird verdächtigt, EPO bezogen und weitergegeben zu haben.

Apotheker in U-Haft

Die im Jänner im Bundeskriminalamt gegründete Sonderkommission für Doping-Verdachtsfälle dringt damit weiter in den offenbaren Doping-Sumpf in Teilen des österreichischen Sports vor. Festgenommen wurde in diesem Zusammenhang am Wochenende nämlich auch ein Wiener Apotheker, der laut Jarosch im Verdacht steht, sowohl den 32-jährigen Radsportler K. als auch Mayer mit EPO und sonstigen Dopingmitteln versorgt zu haben. Der Apotheker wird daher der gewerblichen Weitergabe beschuldigt. Die beiden Profis der Sportbranche sollen für den weiteren Vertrieb gesorgt haben.

Nach den Bestimmungen des neuen Antidoping-Gesetzes dürften sich der Sportler und der Ex-Trainer somit ebenfalls der Weitergabe schuldig gemacht haben. Darauf steht eine Höchststrafe von bis zu fünf Jahren.

Haftrichter entscheidet über U-Haft

Ob über Mayer ebenfalls Untersuchungshaft verhängt wird, ist noch nicht entschieden worden, der Ex-Trainer muss diesbezüglich noch einem Haftrichter vorgeführt werden. Der 32-jährige Radsportler wurde bereits vor mehr als einer Woche in U-Haft genommen.

Laut Jarosch gibt es weitere Verdächtige. Da es sich um ein laufendes Verfahren handle, gebe es dazu aber keine weiteren Details, betonte der Sprecher. Ob einzelne Personen der Profi-Sportlerszene angehören, wollte Jarosch nicht kommentieren.

Der 52-jährige frühere Erfolgscoach Mayer wurde am Sonntag im Haus seiner Lebensgefährtin, der Marathon-Läuferin Eva-Maria Gradwohl, in Anger in der Steiermark festgenommen. "Wir haben schon geschlafen, als Polizisten gekommen sind, die mein Haus durchsucht haben. Ich habe mich überhaupt nicht ausgekannt", erklärte die am Montagvormittag immer noch geschockte Gradwohl. Bei der Durchsuchung sei nichts Belastendes gefunden worden, sagte sie. Mayer wurde von den Beamten zur Befragung mitgenommen.

Trainer-Guru bis zur "Blutbeutel-Affäre"

Mit Walter Mayer ist der Begründer des österreichischen "Langlauf-Wunders" in Haft. Bis vor wenigen Jahren hatte er noch das Image eines Trainer-Gurus im heimischen Wintersport, führte er doch Österreichs Langläufer und Biathleten praktisch aus dem Nichts in die Weltspitze. Nach dem Skandal um eine Dopingkontrolle bei den Olympischen Winterspielen 2006 in Turin wurde er vom ÖSV fristlos entlassen.

Zuletzt äußerte er sich in einem Interview erstmals ausführlich zu den seit damals gegen ihn geäußerten Doping-Verdächtigungen (siehe "Nachlese"). Dabei erteilte er den Anschuldigungen, er sei eine zentrale Doping-Figur, eine Absage. Schwere Vorwürfe erhob er gegen Verteidigungs- und Sportminister Norbert Darabos; dieser wolle "sein Leben zerstören", sagte Mayer in dem Interview.

Sperre und Klagen

Mit der Blutbeutel-Affäre bei Olympia 2002 in Salt Lake City begann Mayers Stern zu sinken, vier Jahre später war seine Anwesenheit bei Olympia in Turin 2006 trotz Sperre der Anlass für eine Doping-Razzia der italienischen Behörden in den Quartieren der Langläufer und Biathleten. Seither wurde Mayer, der als Angehöriger des Bundesheeres in Heeressportzentrum in Graz stationiert ist, mit Doping in Verbindung gebracht.

Nach den Vorfällen in Turin wollte Mayer mit später zurückgezogenen Klagen gegen IOC-Chef Jaques Rogge und den damaligen WADA-Boss Richard Pound seinen Ruf wiederherstellen, der bis zu Olympia 2002 makellos war. Unter dem Ex-Wasalaufsieger als Trainer und danach als Nordischem Direktor gewann Österreichs Langlauf-Team 1998 die ersten Olympia-Medaillen, ein Jahr später in Ramsau sensationell WM-Staffel-Gold und in Salt Lake City Gold (Christian Hoffmann) und Silber (Michail Botwinow). Unter seiner Ägide gab es zudem erstmals Biathlon-WM-Gold (Wolfgang Rottmann 2000) sowie 2002 die erste Olympiamedaille (Wolfgang Perner) für die ÖSV-Skijäger.

"Ich war ein Trottel"

Bei den Winterspielen in den USA kam es jedoch auch zur sogenannten "Blutbeutel-Affäre", die zu seinem Olympia-Ausschluss bis einschließlich Vancouver 2010 führte. Geräte zur Bluttransfusion und leere, noch Blut verschmierte Beutel wurden im Haus der ÖSV-Langläufer in Midway gefunden. "Ich war ein Trottel", gab Mayer später zu. Nicht, weil er sich des Blutdopings überführt wähnte, sondern weil er und sein Team mit einer alternativen Behandlungs-Methode (UV-Therapie) weltweit unter Dopingverdacht gerieten. Ausgerechnet im "Wilden Westen" von Utah wurde Western-Fan Mayer seiner Glaubwürdigkeit entwaffnet.

Der Ski-Weltverband FIS sprach wegen der Affäre am 10. Mai 2003 eine lebenslange Sperre aus, die vom Arbeitsgericht Innsbruck am 31. Dezember 2005 jedoch aufgehoben wurde. Außerdem wurde Mayer Schadenersatz zugesprochen. Auf den Ausschluss von Olympia hatte das Urteil aber keine Auswirkung.

Überstürzte Flucht und "Fristlose"

Bereits davor (23. Februar 2004) hatte Mayer, der am 22. Mai 2003 vom ÖSV gekündigt worden war, mittels Einstweiliger Verfügung vor dem Landesgericht Innsbruck gegen die FIS erwirkt, dass er seiner Trainertätigkeit wieder nachgehen durfte. In der Folge wurde er vom ÖSV auch wieder eingestellt, ehe er auf seiner "Flucht" aus Italien nach der Razzia am 18. Februar 2006 in Paternion (Kärnten) in alkoholisiertem Zustand einen Autounfall baute und vom ÖSV fristlos entlassen wurde.

Es war das endgültige Ende der Karriere von Mayer, der um lockere Sprüche nie verlegen war. "Das gibt's nicht. Die haben gewonnen, die Trotteln", rief er nach dem Staffel-Gold 1999. Ein anderes Mal wünschte er sich in Anspielung auf die Schussschwäche der ÖSV-Biathleten, im Falle eines Todesurteils von den österreichischen Ski-Jägern exekutiert zu werden. Seine Sager sorgten regelmäßig für Lacher, und Mayer gefiel sich in der Rolle des Unterhalters.

Wasalauf-Sieg als größter Triumph als Sportler

Als aktiver Sportler war ihm die große Bühne mangels großer Siege noch verwehrt geblieben. 1980 wollte sich der achtfache Staatsmeister einen Traum erfüllen und bei Olympia in Lake Placid im Langlauf dabei sein, doch der damalige ÖSV-Präsident Arnold Koller sah von einer Nominierung ab. Wie zum Trotz gewann Mayer wenige Wochen später den Wasalauf. Der Sieg im prestigeträchtigsten Volkslanglauf-Rennen war sein größter Triumph als Sportler.

13 Jahre später wurde Mayer nach absolvierter Trainer-Ausbildung von Toni Innauer und Peter Schröcksnadel in die ÖSV-Betreuerriege geholt. "Was? Innauer, der Studierte, der auf Know-how, Bildung und Ausbildung steht, will mich haben?", erinnert sich Mayer in seinem Buch "Von Pfeif'n und Trott'ln", in dem er auch zum Thema Doping Stellung nahm. "Dass es im Langlauf eine heile, dopingfreie Welt gibt, glaube ich nicht. Ich würde mich für niemanden verbürgen."(red/APA)

Nachlese

"Darabos will mein Leben zerstören" - Ex-ÖSV-Trainer Walter Mayer greift den Sportminister an und verteidigt sich gegen Doping-Vorwürfe

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    Walter Mayer steht unter dem Verdacht, bedeutende Mengen von Dopingmitteln wie Epo, das vorwiegend per Spritze verabreicht wird, weitergegeben zu haben.

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