Wieder regulärer Schulunterricht in Winnenden

23. März 2009, 11:29
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Schüler müssen nicht an Prüfungen teilnehmen - Zwölf zusätzliche Lehrer auf Dauer eingestellt

Winnenden - Elf Tage nach dem Amoklauf mit 16 Toten ist die Albertville-Realschule in Winnenden am Montag zum regulären Unterricht zurückgekehrt. Das betroffene Gebäude wird aber bis auf weiteres nicht genutzt. Die 580 Schüler sind auf umliegende Schulen verteilt worden. Am Mittwoch nehmen zwölf neu eingestellte Lehrer ihre Arbeit auf, wie der Leitende Schuldirektor Wolfgang Schiele sagte. Bis dahin würden die Lehrer von Aushilfskollegen unterstützt.

Schiele erklärte, Lehrer der Albertville-Realschule seien zum Teil stark belastet durch das Erlebte. "Es kann Phasen geben, in denen sie ausfallen." Damit sich die Schüler auf neue Lehrer einstellen können, unterrichten zum Teil zwei Lehrkräfte gleichzeitig. Ein Lehrer fällt wegen starker Traumatisierung bereits aus, wie Schiele sagte.

Die zwölf neuen Lehrer haben ihre Verträge am Freitag und Montag unterschrieben. Sie sind zum Teil vorzeitig aus dem Erziehungsurlaub zurückgekehrt, drei Lehrer sind bereits pensioniert und geben acht Stunden in der Woche. Der baden-württembergische Kultusminister Helmut Rau hatte schon einen Tag nach dem Amoklauf die Einstellung neuer Lehrer in Aussicht gestellt, um genügend Kapazitäten für die Bewältigung der traumatischen Ereignisse zu schaffen.

Die Schüler werden noch länger geschont. Sie bekamen die Möglichkeit, im Notfall den Klassenraum zu verlassen und sich draußen zu bewegen. Auch werde immer wieder Raum für Pausen gegeben, sagte der Pädagoge Kai Singer im ZDF. Schulpsychologen sagten, nach der Traumatisierung durch den Amoklauf würden Schlaf- und Essstörungen sowie Konzentrationsschwäche noch eine Weile anhalten.

Von dem Amoklauf sind etwa 60 Schüler aus drei Klassen unmittelbar betroffen. Für die am 22. April beginnenden zentralen Prüfungen seien "ganz flexible Lösungen" getroffen worden, sagte Schiele. Diese würden für alle Schulen des Zentrums gelten. Damit keine Nachteile für Schüler entstünden, hätten sie die Möglichkeit, nicht an den Prüfungen teilzunehmen. Dann würde die bisherige Leistung bewertet. Maturanten werde ein "Nachtermin" angeboten.

Das vom Amoklauf betroffene Schulgebäude bleibt zunächst geschlossen. Die Entscheidung über die Weiternutzung solle aber nicht lange hinausgezogen werden, betonte der Schuldirektor. Ob eine Neugestaltung der Räume wie nach dem Amoklauf in Erfurt die beste Lösung wäre, "daran scheiden sich die Geister", sagte Schiele. Denn es gebe auch die Meinung, dass gerade eine Umgestaltung an die Tat erinnern könnte. (APA/AP)

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