Aufregung um Aufnahmen von nackten Kindern

23. März 2009, 08:17
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Neue Diskussion um den Bilderservice in Großbritannien

Die virtuellen Straßenansichten des Kartendienstes Google Maps  sind Zentrum einer Debatte über Privatsphäre in Großbritannien. Mit Google Street View kann man sich Fotos in hoher Qualität von fast allen Gegenden Londons und anderen großen Städten ansehen. Die Zeitung The Independent on Sunday hat auf Fotos einer Straße in London nackte, spielende Kinder entdeckt, deren Gesichter nicht unkenntlich gemacht worden sind. Eigentlich soll das Service die Gesichter von Menschen automatisch unkenntlich machen, was jedoch nicht immer funktioniert. Seit das Google-Angebot vergangenen Donnerstag auch für London gestartet worden ist, gab es hunderte Anfragen von Menschen, die ihre Bilder entfernen lassen wollten. Darunter waren Fotos von Prominenten, die gerade Sex-Shops verlassen oder sich in der Öffentlichkeit übergeben.

Aufnahmen

Die Fotos der spielenden Kinder wurden im vergangenen Sommer aufgenommen und zeigen das Leben in einer ruhigen Seitenstraße, die von den meisten wohl als halb-privat betrachtet würde. Es ist keine Durchfahrtsstraße und die Kinder spielen auf Rasenflächen am Straßenrand. Die Fotos haben eine derart gute Auflösung, dass sogar das Gesicht eines dreijährigen Kleinkindes klar identifizierbar ist. Nachdem die Fotos von Journalisten entdeckt und Google informiert worden ist, hat das Unternehmen die Bilder innerhalb einer Stunde aus Google Street View entfernt. Zuvor hat das Unternehmen verlautbart, dass 99,9 Prozent der Gesichter unkenntlich gemacht werden. Dass das nur im übertragenen Sinn gemeint gewesen sei, hat das Unternehmen nun zugegeben. "Die Technik ist nicht vollkommen perfekt. Die Idee ist nicht, jedes einzelne Gesicht unkenntlich zu machen, sondern nur jene, die klar identifizierbar sind", so die Google-Sprecherin.

Moment

Google zeigt sich nicht besorgt darüber, dass auch die Gesichter anderer Kinder, beispielsweise vor Schulgebäuden, noch immer zu erkennen sein könnten. Falls dies so wäre, könnten Eltern in Google Street View die Bilder melden und entfernen lassen. Zudem seien die Fotos nur eine Momentaufnahme und nicht live.

Premierminister

Unter den Beschwerdeführern befindet sich auch der eine oder andere Prominente: So hat sich Ex-Premierminister Tony Blair darüber beschwert, dass seine Privatwohnung nun über Street View deutlich sichtbar ist. Einen besseren Hebel scheint sein Nachfolger Gordon Brown gefunden zu haben: Die Umgebung der Downing Street wurde mittlerweile vollständig geschwärzt.

Hintergrund

Mit Google Street View kann man derzeit Straßenansichten von fast allen größeren Städten in den USA betrachten. Seit kurzem ist das Service von Google Maps auch für Städte in Großbritannien und den Niederlanden verfügbar. Auch von einigen Städten in Frankreich, Spanien und Italien sind virtuelle Straßenansichten abrufbar. In Deutschland sind derzeit Fotografen-Teams unterwegs, die zum Teil für großen Unmut sorgen. Der kleine Ort Molfsee in der Nähe von Kiel hat bereits eine Kampagne gegen Google Street View gestartet. (pte/red)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Seit kurzem auch für London verfügbar: Google Street View

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