Heftige Diskussion um Vorwürfe gegen Zilk

23. März 2009, 06:24

Journalist Lackner: Experte hat Akten überprüft: Keine Fälschung - Dagmar Koller: "Ich kotze gleich"

Wien - Zu emotionalen und heftigen Diskussionen ist es am Sonntagabend in der ORF-TV-Sendung "Im Zentrum" zum Thema "War Zilk ein Spion?" gekommen. Helmut Zilk habe sich rund 60 Mal mit Agenten des Geheimdienstes der damals kommunistischen Tschechoslowakei (CSSR) getroffen, und es sei auch Geld geflossen, erklärte "profil"-Chefredakteur Herbert Lackner. "Ich kotze gleich", reagierte Dagmar Koller, die Witwe des im Vorjahr verstorbenen ehemaligen Bürgermeisters Zilk. Was hier gemacht werde, sei "schmutziger Journalismus", attackierte Koller den Journalisten.

Grund für die Diskussionsrunde war die am Montag erscheinende Ausgabe des Nachrichtenmagazins "profil", in welcher berichtet wird, dass von Zilk unterschriebene Quittungen vorlägen, die beweisen sollten, dass der damalige TV-Journalist zwischen Dezember 1965 und Juni 1968 gegen Bezahlung Spitzeldienste für den Geheimdienst der damaligen CSSR geleistet habe. In Summe habe Zilk umgerechnet rund 30.000 Euro erhalten; die erste Tranche habe damals 5.000 Schilling betragen.

Akten überprüft

Ein Experte und Professor an der Akademie der Wissenschaften in Tschechien habe die Akten überprüft und festgestellt, dass es sich hierbei nicht um eine Fälschung handle, konstatierte Lackner. Der größte Teil der Geldübergaben habe in Prag stattgefunden, und Zilk - damals Journalist - habe vom Geheimdienst konkrete Aufträge bezüglich Informationsbeschaffung bekommen, kommentierte Lackner die ihm vorliegenden Unterlagen.

Es ginge in erster Linie darum die Wahrheit zu erfahren, betonte der ehemalige ORF-Generalintendant und langjährige Freund Zilks, Gerhard Bacher. Nun sei die Staatsanwaltschaft am Zug und müsse die Vorwürfe prüfen. Sollten die Anschuldigungen gegen Zilk wirklich wahr sein, dann würde dies dessen politischen Ruf posthum vernichten, meinte Bacher weiter. Er selbst habe nie Unterlagen gesehen. Die Vorstellung, dass Helmut Zilk alle paar Wochen 5.000 Schilling von diesen "Banditen" bekommen habe, sei "unerträglich". Zilk habe das aus finanzieller Hinsicht gar nicht nötig gehabt. "5.000 Schilling, dafür beiße ich mir nicht einmal die Nägel ab", so Bacher.

Vorwürfe "grotesk und lächerlich"

Der ehemalige Wiener Stadtschulratspräsident Kurt Scholz bezeichnete die Vorwürfe gegen Zilk als "grotesk und lächerlich". Zudem bezweifle er den Wahrheitsgehalt der vorliegenden Akten. Wenn dies das Resümee eines politischen Lebens sei, dann frage er sich, wie tief das Niveau des Journalismus gesunken sei, kritisierte Scholz.

Laut dem ehemaligen tschechischen Botschafter in Österreich, Jiri Grusa, sind die Dokumente Originale und kein "Fake". Das was man allerdings als Spionage bezeichne, könne er nicht herauslesen und verglich die Interpretationen mit einer "James Bond-Geschichte".

Zilk sei durch seinen "Äußerungstrieb" unverhofft zum Handkuss des Spionage-Daseins gekommen, und die Tschechoslowaken hätten diesen falsch interpretiert, meinte Michael Frank von der Süddeutschen Zeitung.

Keine Ferndiagnose

Der Historiker Stefan Karner erinnerte daran, dass man sich die Zeit, in welcher sich alles abgespielt haben soll, in Erinnerung rufen müsse. Vieles sei damals einfach anders gewesen. Man könne außerdem keine Ferndiagnose stellen. Die Akten müssten nun einfach auf den Tisch, forderte Karner.

Bereits vor über zehn Jahren waren gegen den im Oktober 2008 verstorbenen Wiener Altbürgermeister Helmut Zilk Spionage-Vorwürfe erhoben worden. (APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 1000
Ulfberht
00
30.3.2009, 12:07
1000 Postings - wow!

nach diktat verreist
 
00
26.3.2009, 13:35
die dagi hat dem christian rainer vom profil via TV die freundschaft aufgekündigt.

*schluchz*
(sie sind ja eh alle verhabert: presse, politik, promis)

torch
 
00
25.3.2009, 20:10

"Was hier gemacht werde, sei "schmutziger Journalismus", attackierte Koller den Journalisten.

"Ich kotze gleich", reagierte Dagmar Koller ..."


Beim Blick auf den Kristall-Luster ???

Vorher Teppich wegrollen nicht vergessen ...

hutschenschleuderer
21
24.3.2009, 11:14
Mein Name war ....Zilk, Helmut Zilk,

ich war geschüttelt, gebeutelt und oft gerührt.

Was mich am meisten anzipft: Die werden jetzt den Ring nicht mehr nach mir benennen können.

ISO 8859-1 die orf norm
 
10
24.3.2009, 12:09
wer von sich denkt, er sei helmut zilk, denn kann man nur schwer helfen. *husthust*

Tadej Brezina
00
24.3.2009, 19:21

"denn" ... mit dem Dativ zum Quadrat auf Kriegsfuss? ;-)
SCNR

sashila
35
24.3.2009, 10:54
kolle(r)teralschaden

in kärnten fiel die sonne vom himmel, fr. koller ist der bleikristall-luster auf den kopf gefallen.

Sien
20
24.3.2009, 12:32

unnötig, unnötiger, am unnötigsten.

blue30
 
22
24.3.2009, 10:36
danke helmut

na wenn schon.
zilk hat sicher das richtige getan. alexander dubcek der chef der cssr war kein verbrecher wie stalin. jeder der hier schreit, sollte wissen dass die warschauerpakt staaten (sowjetunion+partner) die cssr 1968 okkupierten, weil dubcek westlich orientiert war. von zilk war danach nichts mehr zu lesen. er hat also nur den reformern in der cssr geholfen, falls die akten stimmen!

Strudelteig
00
25.3.2009, 01:08



Das grenzt an gezielte Falsch- und Fehlinformation.

Dubcekt löste Nowotny erst im 1968 ab. Zilk aber agierte für den Geheimdienst seit 1965. Er kollaborierte also mit einem totalitären System, das deutlich stalinistisch geprägt war.

Er dürfte damit keine Berührungsängste gehabt haben als "einstiger" Kommunist.

Binnen-I-Verweigerer
01
24.3.2009, 13:07
Dubcek war sicherlich .....

an anständiger integerer Mann, dem das Wohl seines
Landes und seiner Mitbürger am Herzen lag. Aber er war nicht westlich (=nichtkommunistisch) orientiert. Wie später Gorbatschov glaubte er
an die Reformierbarkeit des Sozialismus, was sich als
verhängnisvoller Fehler herausstellte. Die scheinbar
gut belegte Agententätigkeit Zilks begann aber lange vor der Ära Dubcek, womit ihrer Spekulation über dem
Motiv Zilks der Boden entzogen ist.

blue30
 
40
24.3.2009, 10:34
Danke helmut zilk

na wenn schon.
zilk hat sicher das richtige getan. alexander dubcek der chef der cssr war kein verbrecher wie stalin. jeder der hier schreit, sollte wissen dass die warschauerpakt staaten (sowjetunion+partner) die cssr 1968 okkupierten, weil dubcek westlich orientiert war. von zilk war danach nichts mehr zu lesen. er hat also nur den reformern in der cssr geholfen, falls die akten stimmen!

Strudelteig
00
25.3.2009, 01:13


Ich sage es nochmals. Dubcek löste erst 1968 Nowontny ab. Die inkrimierenden Fakten aber gehen in das Jahr 1965 zurück, als Nowotny noch "am Ruder" war.

ISO 8859-1 die orf norm
 
20
24.3.2009, 09:56
man sollte mal die verhältnismässigkeiten sehen.

der verdacht bei zilk: € 30.000, spionage

der verdacht bei mensdorf: ?!? Mio, Erpressung, Geldwäsche, ...

Strudelteig
00
24.3.2009, 22:42


Sie können Verbrechen nicht wechselseitig aufrechnen.

Soll sich ein Hendldieb damit verantworten können, es gäb auch Mörder?

n-minus-1
 
01
24.3.2009, 11:28
Versteh ich nicht

Heißt das, dass wir das eine gegen das andere aufrechnen sollen? Wird Spionage durch eine "moralische Instanz" weniger verwerflich, weil es Leute gibt, die ebenfalls kriminell sind?

ISO 8859-1 die orf norm
 
10
24.3.2009, 12:14
nein wird es nicht, doch der aufruhr der darum gemacht wird.

zu dem ist es einfacher behauptungen gegen einen toten in den raum zu stellen, als gegen einen der ein ganze lobby hinter sich hat.

von letzterem droht wesentlich mehr gefahr.

Strudelteig
00
24.3.2009, 22:44



No die Lobby, die sich mit zugegeben etwas fadenscheinigen Argumenten hinter Zilk stellt, ist eh nicht klein. Das nehmen ja viele mit äußerster Verwunderung zur Kenntnis.

itavalda
10
24.3.2009, 16:03

Vor allem ist dem einen der Windschatten des Theaters um Zilk sehr willkommen.
Ich vermute , dass er bereits ganz leise & still enthaftet wurde und das Raika-Blattl Profil nur das mediale Sperrfeuer zur Ablenkung veranstaltet muß.

ISO 8859-1 die orf norm
 
00
24.3.2009, 11:09
ups - um 09h56 gepostet und um 11h08 rein gestellt.

fichtl
01
24.3.2009, 06:39
30.000,-

dafür hat man damals ein schönes Auto bekommen

K.
10
24.3.2009, 00:27
Zilk hat einiges geleistet,

sowohl als Journalist als auch als Politiker.
Geredet hat er auch sein Lebtag nicht nur gerne, sondern auch viel.
Wenn er sich nur für sein "Gerede" hat bezahlen lassen, ob aus Berechnung oder Naivität, tut das Verdiensten und Leistungen keinen Abbruch.
Zilk war, wie andere Menschen auch, eben ein Mensch, also fehlbar, mit Schwächen und Eitelkeiten.

Man soll aus einem Menschen, auch wenn er nun tot ist, nicht mehr machen, als er war - und auch nicht weniger.

wasserfloh11
42
23.3.2009, 22:54
witzig

find ich diese formumpostings ned wirklich. hab zufällig "im zentrum" gesehn und mir ist eigentlich nur schlecht geworden, dass sich profil und süddeutsche so einen banal billigen trash journalismus leisten. da ich die diskussion gesehen habe muss ich sagen, dass "keiner" der herren etwas wirklich stichhaltiges auf den tisch gelegt haben. dafür ist es titelstory vom profil geworden? also ich bin ab jetzt ein leser weniger. da kauf ich mir lieber die bild - wenn ich solch seichte kost lesen mag.

Strudelteig
00
24.3.2009, 22:46



Die Bild entspricht auch mehr Ihrem Niveau.

Tintifax Lollobrigida
25
23.3.2009, 21:48
Gebt Koller eine Talkshow!

Als Titel würde sich "Echt Fett" anbieten...

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 1000

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.