Um die Konjunktur anzukurbeln, hat die italienische Regierung am Wochenende ein Bauprogramm verabschiedet, das noch von der zuständigen Behörde der EU abgesegnet werden muss. Es konzentriert sich vorrangig auf den Wohnungs- und Gewerbebau, nachdem bereits im Februar ein Infrastrukturpaket im Volumen von 17 Mrd. Euro erlassen wurde.
Wichtigster Punkt des neuen Bauprogramms sind steuerliche Förderungen und ein Abbau der Konzessionen für die Erweiterung bzw. den Ausbau von Immobilien. Während das Marktforschungsinstitut Nomisma den Plan positiv bewertet und darin Möglichkeiten sieht, die brachliegenden Baubranche anzukurbeln, warnt Oppositionsführer Dario Franceschini vor einer Zunahme von Bauspekulation und Wildbau. Er befürchtet, dass die während der Regierung Romano Prodi zwischen 2006 und 2008 beschlossene Vernichtung der Wildbauten verzögert wird.
Baugeschäfte bröckeln
Die steuerlichen Förderungen sollen von den Gemeinden bis zu 50 Prozent des Projektwertes finanziert werden. Italiens Bauwirtschaft verzeichnete 2008 nach einer mehrjährigen Wachstumsphase erstmals einen Rückgang von 1,1 Prozent. 2009 ist mit einem Minus von drei Prozent zu rechnen. 2008 wurden 300.000 Neubauwohnungen fertiggestellt. Trotz des prognostizierten Rückgangs hält der Bedarf an Wohnungen an. Laut Fachverbandsexperten sind 1,5 Mio. an neuen Wohneinheiten nötig.
In Italien ist der Anteil der Sozialwohnungen mit 4,5 Prozent am gesamten Wohnungsbestand niedriger als in anderen EU-Ländern. Bausparprogramme sind nicht üblich. Die Regierung hat im Haushaltsgesetz 2009 sieben Mrd. Euro eingeplant, um das erste große soziale Wohnungsbauprogramm seit 30 Jahren zu finanzieren. Der "Piano delle cento città" (Plan der 100 Städte) sieht bis 2011 den Bau von 100.000 Sozialwohnungen vor. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 23.3.2009)
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