Tourismus will Türen für junge Arbeitslose öffnen

22. März 2009, 18:34
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WK-Präsident Christoph Leitl fordert Tourismusbetriebe auf, Praktika an arbeitslose Jugendliche zu vergeben - als Überbrückungshilfe

St. Anton am Arlberg - Der rapide Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit hat Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl zu einem unkonventionellen Vorschlag angeregt: Tourismusbetriebe sollten arbeitslos gewordenen Jugendlichen als "Überbrückungshilfe" Praktika in ihren Unternehmen anbieten.

"Damit wäre allen geholfen", sagte Leitl bei einem Seminar in St. Anton. Tourismusbetriebe, die seit Jahren über Probleme klagten, an Personal zu kommen, könnten es leichter haben. Junge Menschen zwischen 20 und 25, die aufgrund der Krise ohne Arbeit dastehen, hätten damit ein Einkommen und die Perspektive einer möglichen späteren Fixanstellung. "Oder der Jugendliche kehrt nach dem fünfmonatigen Praktikum in seinen erlernten Beruf zurück."

Werbung um Geld

Leitl, der die Idee gemeinsam mit dem Obmann des Verbandes Tourismus und Freizeitwirtschaft, Johann Schenner, entwickelt hat, will den Vorschlag ins Direktorium des Arbeitsmarktservice (AMS) tragen und um Geld werben. Ein gewisser Anreiz seitens des AMS sei notwendig, eine Vergütung in Höhe von rund 1500 Euro pro Monat für den Praktikanten das Ziel.

"Wir brauchen nichts Neues erfinden, es gibt die Instrumente - von der Mobilitätsprämie bis zum Kombilohn. Wir müssen sie nur zusammenklauben und neu einsetzen", sagte Leitl. Und: "Jeder arbeitslose Jugendliche kommt das AMS und die Gesellschaft unterm Strich deutlich teurer zu stehen."

Nach dem Rekordwinter des Vorjahres steuert Österreichs Hotellerie und Beherbergungswirtschaft heuer auf das zweitbeste jemals erzielte Ergebnis im Winterhalbjahr zu, wenn auch mit unterschiedlicher Ausprägung. Während die Stadthotellerie unter dem Ausbleiben der Geschäftstouristen leidet, geht es der Ferienhotellerie verhältnismäßig gut, vor allem im Vergleich zu anderen Ländern.

Mehr Geld in Tourismustöpfe

Durch ein Sonderbudget von vier Millionen Euro soll ab April Lust auf Urlaub in Österreich gemacht werden; drei Millionen davon setzt die Österreich Werbung im Land selbst ein. Wenn es gelinge, jeden zehnten Österreicher, der im Vorjahr seinen Urlaub im Ausland verbracht hat, in Österreich zu halten, wären das rund sechs Millionen zusätzliche Nächtigungen, rechnete der Präsident der Wirtschaftskammer vor, die gemäß ihrer Beteiligung an der ÖW ein Viertel des Budgets trägt (drei Viertel entfallen auf den Bund; Anm.).

Auch für den Sommer sei Optimismus angebracht, ergänzte Schenner. Schon frühere Krisen hätten gezeigt, dass die Menschen in Phasen der Verunsicherung nahen Reisezielen den Vorzug geben und Ferndestinationen tendenziell meiden. Davon sollte Österreich profitieren, vorausgesetzt das Wetter spielt mit.(Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23.3.2009)

 

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    Wer jung und arbeitslos ist, soll sich im Tourismus oder Gastgewerbe engagieren. Aus einem Praktikum könnte eine Fixanstellung werden, meint Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl.

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