Pakistans Höchstrichter: Rückkehr mit Fragen

22. März 2009, 18:17
1 Posting

Chaudhry und seine Anhänger haben wesentlich zum Ende der Militärregierung beigetragen

Pakistans Flagge ist vor dem Haus des wieder eingesetzten Verfassungsrichters Iftikar Chaudhry gehisst worden. Es war das Versprechen, das Benazir Bhutto während ihres Wahlkampfs Ende 2007 gegeben hatte. Pakistans Rückkehr zur Demokratie, sollte das heißen, würde auch erst mit der Rückkehr des unbequemen Chefs der Höchstrichter vollkommen. Bhutto wurde von Extremisten ermordet und Chaudhry auch unter der gewählten Regierung ihres Witwers Asif Ali Zardari von seinem Amt ferngehalten. Seine Rehabilitierung beendet nun das Kapitel des zwei Jahre langen Machtübergangs von der Militärherrschaft zur Demokratie - der Schlussstrich unter Pakistans politische Instabilität allerdings ist mit Chaudhrys Rückkehr auf den Richtersessel sicher noch nicht gezogen.

Die "Republik der Untersuchungsrichter" war in Europa in den 90er-Jahren ein Schreckgespenst für die Regierenden vor allem in Frankreich und Italien. Die Richter wühlten in Korruptionsaffären, ihre Ermittlungen erzeugten einen öffentlichen Druck, der Minister zum Rücktritt veranlasste, noch bevor ein Rechtsverfahren abgeschlossen war. Auch in Pakistan sind Anwälte und Richter in den vergangenen Jahren zu einer politischen Kraft geworden. Die Bevölkerung will an ihre Unparteilichkeit und Ehrlichkeit glauben.

Chaudhry und seine Anhänger haben in der Tat wesentlich zum Ende der Militärregierung beigetragen. Als neuer Star der Demokratie hat Chaudhry jedoch einen großen Makel: Er war es, der 2005 als Höchstrichter die Herrschaft des Präsidentengenerals Pervez Musharraf abgesegnet hatte. (Markus Bernath/DER STANDARD, Printausgabe, 23.3.2009)

Share if you care.