Für immer verlorene Jobs

22. März 2009, 18:16
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Mirko Kovats sieht in seinem Mischkonzern A-Tec weitere Arbeitsplätze wackeln und bezeichnet das Modell der Kurzarbeit als "reine Augenauswischerei"

Der Industrielle Mirko Kovats sieht in seinem Mischkonzern A-Tec weitere Arbeitsplätze wackeln. Er bezeichnet das Modell der Kurzarbeit in Österreich im Gespräch mit dem Standard als eine "reine Augenauswischerei", da die vollen Lohnnebenkosten weiter- liefen. Kovats fordert garantierte Industrieanleihen und Anleihepools für kleinere Betriebe. Er sieht die Arbeitslosigkeit weiterhin steigen. Und Jobs, die einmal weg seien, kämen nie wieder.

Standard: A-Tec erwartet heuer drei Milliarden Euro Umsatz und eine operative Marge von drei Prozent. Wie geht es den Divisionen?

Kovats: A-Tec wird es 2009 gemischt gehen. Manche Bereiche sind schwach, um 20 bis 30 Prozent rückläufig, zum Beispiel Emco und bei ATB die Niederspannungsmotoren. Da bestellen die Kunden weniger, oder es sind Mittelständler, die sich mit Finanzierungen schwertun. Der Rest des Geschäfts läuft relativ normal. In der Energietechnik sind wir weit bis 2010 ausgelastet, detto beim Spezialwerkzeugmaschinenbauer Dörries Scharmann. Da ist 2009 schon gelaufen. Grob gesagt gibt es bei uns 85 Prozent Visibilität des Geschäftes, der Rest des geplanten Umsatzes ist eine Zitterpartie mit volatilem Auftragseingang.

Standard: Wo verdienen Sie noch gut, oder gibt es in allen Bereichen Druck auf die Margen?

Kovats: Ja, es gibt überall Druck auf die Margen, auch in der Energietechnik bei neuen Aufträgen. Wir haben aber auch Lieferanten, auf die wir Druck ausüben können. Stahl ist jetzt deutlich billiger.

Standard: Sie haben schon rund 1000 Mitarbeiter abgebaut, kommt es zu weiteren Jobverlusten?

Kovats: Die 1000 waren im Wesentlichen im Bereich Elektromotoren. Es wird noch etwas kommen, aber ich kann es noch nicht beziffern. Wir haben das Problem, dass in der Vergangenheit Deutschland das Land mit der extremen Bürokratie war und Österreich eher flexibel. Jetzt ist es genau umgekehrt. In Deutschland kann man Kurzarbeit einführen. Zwischen 90 und zehn Prozent ist alles zulässig, und man hat nur mehr die proportionalen Kosten. Das heißt, Entlassungen sind nicht notwendig. In Österreich ist die Kurzarbeit eine reine Augenauswischerei, weil die vollen Lohnnebenkosten weiterlaufen. Man erspart sich also sehr wenig, und die Antwort ist Abbau. Die Industriellenvereinigung hat auch nicht aus Jux und Tollerei zu den Staatsgarantien für Unternehmensanleihen aufgerufen. Das war, um Arbeitsplätze zu erhalten. Wenn da nichts kommt, sehe ich die Arbeitslosigkeit in der zweiten Jahreshälfte stark steigen.

Standard: Was sollte kommen?

Kovats: Wir brauchen garantierte Industrieanleihen, weil große Unternehmen keine Anleihe platzieren können, wenn der Wettbewerb garantierte Bankanleihen sind. Und für kleinere Unternehmen Anleihepools. Die Frage ist doch: Ist es für den Staat günstiger, Arbeitsplätze zu erhalten oder Arbeitslose? Für mich ist die Arbeitsplatzerhaltung das Sinnvollere, denn was weg ist, kommt nie wieder. Firmen, die hier reduzieren, stocken später woanders auf.

Standard: Auch A-Tec?

Kovats: Das muss man klar sagen: Elektromotoren kann man auch woanders bauen. ATB wird wahrscheinlich auch 2009 negativ sein, nicht operativ, aber vor Steuern, weil wir aufgrund des schlechten Elektromotorengeschäfts nichts verdienen und daher weitere Restrukturierungen in Österreich nicht auszuschließen sind. Wir haben andere Werke in Serbien, Polen und Deutschland, wo man wirklich flexibel geworden ist.

Standard: Neben den Elektromotoren war 2008 auch der Kupferbereich negativ. Wie steht er jetzt da?

Kovats: Der Kupferpreis ist jetzt wieder bei 4000 Dollar je Tonne, und wir schreiben wieder schwarze Zahlen. Unser Problem als Recycler ist ja nicht die Höhe des Kupferpreises. Unser Problem war der dramatische Preisverfall innerhalb kurzer Zeit - von 8900 auf 2900 Dollar. Uns geht es mit einem Preis von 4000 viel besser als mit 9000, weil unsere Umlauffinanzierung viel geringer ist. Ich bin beim Kupfergeschäft nicht pessimistisch, die Menge ist etwas niedriger, aber das erholt sich.

Standard: RTB Bor steht wieder einmal zum Verkauf, und Sie wollten in Afrika zukaufen. Was ist geplant?

Kovats: In Afrika betreiben wir eine ganz kleine Schmelze, die wir gepachtet haben. In Uganda soll eine Mine verkauft werden, aber das kommt frühestens Ende 2009. An Bor haben wir grundsätzlich Interesse, überlegen aber noch, ob wir an der Ausschreibung teilnehmen.

Standard: Wann geht Ihr Prozess wegen fahrlässiger Krida weiter?

Kovats: Das weiß ich nicht. Aber es gibt ein neues, vom Gericht auf unser Ersuchen hin bestelltes Gutachten, das mich in allen Punkten entlastet. Da steht drin, dass wir nichts Verbotenes getan haben.

Standard: Das heißt, Sie erwarten einen Freispruch?

Kovats: Wie heißt es so schön? Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand. (Gabriele Kolar, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23.3.2009)

Zur Person: Mirko Kovats (60) ist Gründer und Chef der seit Ende 2006 börsennotierten A-Tec. Er hält die Mehrheit an dem in vier Divisionen (Anlagenbau, Antriebstechnik, Werkzeugmaschinenbau und Minerals & Metals) tätigen Konzern.

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