Rätsel um verschwundenen Stapo-Akt

22. März 2009, 17:32
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Möglicherweise 1990 nach Einsichtnahme vernichtet

Wien/Prag - Helmut Zilk also doch ein Spion? Die tschechische Tageszeitung Mlada fronta Dnes und das heimische Nachrichtenmagazin profil veröffentlichen Dokumente, die zehn Jahre nach ersten Gerüchten angeblich belegen, dass sich der im vergangenen Oktober verstorbene Wiener Altbürgermeister zwischen 1965 und 1968 (Zilk war damals ORF-Journalist) gegen Bezahlung abschöpfen ließ. Er selbst soll für die Dienste für den tschechoslowakischen Geheimdienst StB das fiktive Alter Ego Johann Maiz gewählt haben, der kommunistische ÈSSR-Geheimdienst gab ihm den Decknamen "Holec" .

Den 40 Jahre alten Belegen zufolge wurde Ende der 60er-Jahre die österreichische Staatspolizei von Zilks angeblicher Nebenbeschäftigung informiert. Doch im Innenministerium hieß es am Sonntag: "Einen derartigen Akt gibt es nicht."
Möglicherweise gibt es den Akt aber auch nicht mehr. Nach etlichen Stapo-Bespitzelungsskandalen öffnete 1990 der damalige Innenminister Franz Löschnak die Überwachungsakten der Staatspolizei. Jeder Bürger durfte Einsicht in seinen möglicherweise angelegten Stapo-Akt nehmen. Danach wurde der jeweilige Akt vernichtet. Ein Akt, der nicht eingesehen wurde, blieb hingegen im Archiv - sogar Caspar Einem stieß auf seinen Akt, nachdem er 1995 Innenminister geworden war.

Große politsche Geheimnisse hat "Holec" laut StB-Akt nicht verraten. "Wünscht sich Sozialismus, obwohl er sehr eigenständige Vorstellungnen davon hat" , urteilten die ÈSSR-Genossen. (simo/DER STANDARD-Printausgabe, 23. März 2009)

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