Reiche Beute im Botnet

22. März 2009, 14:56
  • Artikelbild
    foto: archiv

    Tausend Zombie-Rechner sorgen für reiche Beute in Botnets. Unzählige Datenverstecke im Internet machen es AngreiferInnen leicht ihr Angriffe durchzuführen.

Britische Firma entdeckt Datensammlung von Cyber-Kriminellen - Unzählige Datenverstecke im Internet und tiefe Einblicke in Botnets

Wenn der eigene PC von einer Bot-Software gekapert wird, verwandelt er sich zum Verräter. Er spioniert alle vertraulichen Daten aus und schickt diese an die Absender der Schadsoftware. Was dabei so alles zusammengetragen wird, haben jetzt Experten der britischen Sicherheitsfirma Prevx entdeckt.

Einblicke in ein Botnet

Auf einem Server in der Ukraine fanden die Experten die Daten von 160.000 infizierten Computern, zusammengeschlossen zu einem Botnet. Der Zugang zu den Daten auf dem Botnet-Server war mit einem Passwort gesichert, dass die Prevx-Fahnder aufgrund einer relativ schwachen Verschlüsselung knacken konnten. Was sie fanden, wirft ein seltenes Schlaglicht auf ein Botnet aus der Perspektive der Cyber-Kriminellen. Außerdem zeigt der Fall, wie lange es dauert, bis grenzüberschreitende Zusammenarbeit in Gang kommt, um etwas gegen die Betreiber eines Botnets zu unternehmen.

Ein Monat bis zur Serverabschaltung

Nachdem Prevx den von dem Botnet genutzten Provider und die ukrainischen Behörden alarmiert hatten, dauerte es noch fast einen Monat, bis der Server abgeschaltet wurde. In dieser Zeit kamen jeden Tag rund 5.000 neu infizierte Computer hinzu, deren Daten abgesaugt wurden. Betroffen waren in diesem Fall zumeist ganz gewöhnliche Internet-Nutzer. Ohne dass sie es wussten, fanden sich in der Botnet-Beute jede Menge Passwörter für vertrauliche Web-Sites, vom Facebook-Account bis zu den Zugangsdaten fürs Online-Banking, zusammen mit Liebesgeflüster und anderen E-Mails. Neben den Daten von privaten Computern fanden sich aber auch Informationen aus dem infizierten Computer einer Bank.

Datenverstecke im Internet

Solche Datenverstecke gibt es mehrere im Internet. Das von Prevx entdeckte Botnet sammelte alle möglichen Informationen. Es hätte aber auch weiterentwickelt werden können, etwa zu einer Spam-Schleuder. Die Rechner sind mit einer Schadsoftware infiziert, die immer wieder Kontakt mit ihrem Absender aufnimmt und dessen Anweisungen ausführt. Das ukrainische Botnet sammelte die Logs (Protokolle) von Internet-Verbindungen. Darunter war etwa die eines 22-jährigen Mannes aus Kalifornien, der eine Internet-Domain registrierte, sein Yahoo-Passwort änderte und online eine Pizza bestellt hat. Seine Kreditkartendaten, seine Passwörter, sein Geburtsdatum, seine Telefonnummern und Adresse, sind jetzt alle in der Hand von Kriminellen. Quälend ist die Unsicherheit, dass niemand sagen kann, ob die Botnet-Betreiber die Daten schon verwendet haben und auf welche Weise.

Bankdaten, Mails und Vieles mehr

In der Botnet-Beute waren auch die Kundendaten einer Bank im US-Staat Georgia, zusammen mit den E-Mails der Bankangestellten, die über denselben infizierten Rechner abgeschickt wurden. Betroffen waren auch zwei Computer von Regierungsbehörden in Texas und North Carolina. "Das gibt den Kriminellen die Schlüssel zum Schloss", sagte der Leiter der Prevx-Forschungsabteilung, Jacques Erasmus. "Sobald sie in diesem System sind, sieht das noch nicht wie der größte Datenraub des Jahrhunderts aus. Aber das ist ihr Einfallstor in ein internes Netz. Das ist ihr Spiel - und sie betreiben das jeden Tag."

Aller Anfang ist klein

Die Kriminellen fangen klein an, setzen sich auf einem ersten Computer fest. Diesen nutzen sie dann als Ausgangspunkt für weitere Angriffe in sensiblere Systeme. Die Sicherheitsexperten haben nicht die Kapazitäten, um alle Betroffenen zu informieren, dass sie einem Botnet zum Opfer gefallen sind. Stattdessen unterrichten sie die Behörden. Im Fall des ukrainischen Botnets informierten sie auch die Metro City Bank in Georgia, die daraufhin den infizierten Rechner nach Angaben von Prevx entfernte.

KundInnen nicht informiert

Ein Bankkunde, der 22-jährige Student Yoon-Kee Hong, hatte sein Konto gerade erst einen Monat bei der Metro City, als er von der Nachrichtenagentur AP erfuhr, dass seine Daten in die Hände von Cyber-Kriminellen gelangt sind, darunter die in den USA für viele Vorgänge sehr wichtige Sozialversicherungsnummer. Yoon-Kee Hong beschwerte sich bei seiner Bank, dass sie ihn nicht davon unterrichtet habe und erhielt von ihr ein neues Konto und die Zusicherung, künftig so schnell wie möglich von Sicherheitspannen unterrichtet zu werden. Metro City gab eine öffentliche Erklärung heraus, wonach alle Kunden unterrichtet worden seien und der Einbruch untersucht werde.(APA/Jordan Robertson/AP)

Link

Prevx

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 27
1 2
Edward NORTON
01
23.3.2009, 16:05

there are 10 classes of people: who understand that security is binary: they who understand and who don't!

:-)

Edward NORTON
00
23.3.2009, 16:43
arggs bin dringend für eine editfunktion im Forenteil!

there are 10 classes of people: who understand that security is binary and who don't!

so müsste es heissen, shit happens:-)

mikesh713
 
00
15.4.2009, 19:19

warum auf englisch, wenn's doch auf deutsch auch geht??

Mucosaprolaps
01
15.4.2009, 17:52

Korrekter wäre
There are 10 classes of people: Those who understand that security is binary, and those who don't!

665
10
23.3.2009, 13:59
ich glaub ja immer noch...

dass die große 'schadsoftware' in Wahrheit von den Hardware-, Virenschutz-, Betriebssytemherstellern etc finanziert oder zumindest gefördert wird.
Ohne Viren und Trojanern hätte ich keine 800 GB HDD, keinen Virenschutz, keine MS-Updates, keinen Dualcore, keine Firewall, etc etc. Andrerseits habe ich noch nie auf irgendein spamm reagiert. Also verdient an meiner Schadsoftwareneurose nur die etablierte IT-Industrie.

Joe T
00
23.3.2009, 15:03

Ich hab das alles nicht.

ghostworld
00
23.3.2009, 13:21

Gäbe es einen semantischen Komprimieralgorithmus, würde dieser Artikel auf exakt 0 Bytes schrumpfen.

Dass die Firma "Prevx" nicht existiert (zumindest was ihren Webauftritt betrifft), ist dann auch schon wurscht.

rorschach
00
6.10.2009, 00:37
der link in dem

artikel ist falsch gesetzt - probiern sie's mal mit http://www.prevx.com/ oder bemühen sie um wer auch immer willen doch einfach eine suchmaschine ....

ghostworld
00
7.10.2009, 16:12

Schon mal auf die Idee gekommen, dass Antworten auf Postings, die mehr als ein halbes Jahr alt sind, in diesem Zusammenhang nicht besonders sinnvoll sind? Im März wusste nichtmal Google von einer Firma namens "Prevx".

zensur passiert
00
23.3.2009, 08:26
alles beste absicht der firewallproduzenten

svchost wants to connect to Internet
svchost wants to connect to Internet
svchost wants to connect to Internet
svchost wants to connect to Internet
IE wnts..
google wants
sdifkdn wants
dvdfwe wants

einige zugriffe kann man ja verstehen, bei den meisten kommt nur kryptisches quaqua, also müsste ich jedes mal erst nach dem verursacher googeln, bei jenen programen die sich hinter svchost & co verstecken, kann ich es nicht mal erahnen.

soll mir keiner erzählen dies wäre nicht absicht!

Edward NORTON
00
23.3.2009, 16:00
falsche Betrachtung

der ausgehende Verkehr ist nicht primär sicherheitstrelevant, es ist der Eingehende. Wer seinen Anwendungen nicht vertraut darf sie konsequenterweise gar nicht erst installieren. Ottonormalverbraucher macht sich aber viel mehr Gedanken um den ausgehenden Verkehr, schmückt sich mit personal firewalls die er weder versteht noch bedienen kann. Deaktiviert sie, weil er sie nicht konfigurieren kann und dennoch aus den Untiefen des www eine crack.exe braucht, dann orakelt das Antivirenprogramm dass es in der exe nichts finden kann, was den Anwender dazu befleissigt das file auszuführen. Die Anwender betrügen sich letztendlich durch Unwissenheit und Gutgläubigkeit selbst.

Joe T
00
23.3.2009, 10:19

So eine Firewall bringt auch nicht wirklich einen Nutzen, außer dass es das System verlangsamt und womöglich neue Schwachpunkte und Sicherheitslücken im Rechner des Nutzers schafft ...

hauptsache spaß
00
22.3.2009, 20:09
geheimniskrämerei

warum erklärt man ein botnet nicht genauer!!
funktion, aussehen, dateiname - was weiß ich !
es wäre jedoch hilfreich bei der bekämpfung - anstatt dessen wird alles undeutig beschrieben.

somit haben cyberkriminelle natürlich ein leichtes spiel.

Edward NORTON
00
23.3.2009, 16:28
"warum erklärt man ein botnet nicht genauer!!"

Weil es die, die dieses Wissen am ehesten benötigen, am wenigsten interessiert. Die lesen nicht nach was notwendig wäre, damit ihr PC vertrauenswürdig bleibt. Die. die es interessiert, wisssen einen Weg sich selbst die Informationen zu beschaffen sei es durch Recherche oder in Fachforen nachzufragen.

Ein ausgezeichneter Artikel warum botnetze so schwer zu zerschlagen sind findet sich zb hier:

http://www.heise.de/security/... ikel/94211

Um nicht Opfer eines solchen zu werden ist nicht das OS, FW oder AV entscheidend sondern die Systempflege, der Umgang, die Konfiguration, gesunde Skepsis und download nur aus vertrauenswürdigen Quellen. Problemlos zu bewerkstelligen.

Kuhtrainer
00
23.3.2009, 00:22

Leider ist das nicht so einfach.

Bis die Antivierenprogramme anschlagen, sind bereits ein paar tausend Computer unter der Kontrolle der Kriminellen.

Am besten Kreditkartenabrechnungen und Kontobewegungen öfters anschauen, dann kann man das Geld auch zurückbuchen falls etwas passiert ist.

Edward NORTON
00
23.3.2009, 16:39
"Bis die Antivierenprogramme [sic!] anschlagen, sind bereits ein paar tausend Computer unter der Kontrolle der Kriminellen."

jaja die Anti4ren:-))

Das ist NICHT das Problem, die Heilung für diese Form der Infektion ist nicht das Signaturpattern des AV-herstellers sondern der patch des Softwarentwicklers der diese Lücke schliesst. Dieser garantiert in Wirklichkeit echten Schutz, AV scanner hat viel zu schlechte onaccessleistung ums sich auch nur ansatzweise darauf verlassen zu können.

Diesen Schutz gibt es idR vor dem ersten "in the wild" Schädling. Übers Jahr gesehen gibt es eine Hand voll 0day exploits, die tendenziell eher nicht für botnetzerweiterung in Frage kommen sondern für gezielte Industriespionage, da lukrativer.
Für Botnetze werden hauptsächlich alte Lücken ausgenützt, weil die Anwender viel zu nachlässig sind OS und Anwendungen zu patchen.

Kuhtrainer
02
22.3.2009, 16:07

Jetzt kommen dann Postings von wegen:
"Die DAUs sind selbst schuld"
"Kann mir nie passieren weil ich eine Firewall habe"
"Der MAC ist absolut sicher"
...

Eigentlich kann man die Situation so beschreiben:

Es ist so einfach in tausende fremde Computer einzudringen, dass sich die Kriminellen die Arbeit nicht antun müssen, halbwegs gesicherte Systeme zu knacken.

Edward NORTON
00
23.3.2009, 16:18
"Die DAUs sind selbst schuld"

Das ist zugegebenerweise kompromittierend, aber wie sonst bewegt man jemand der nicht ein Mindestmaß an Zeit aufbringen will, sich mit den Gefahren und deren Kompensation auseinanderzusetzen, anstatt gutgläubig wiederkehrend in eine securitysuite zu investieren, die Betroffene nicht vor sich selbst schützt?

Dazu kommt ein Bild aus den Hollywoodfilmfabriken, dass man nur virtuos über das keyboard wieseln muss um einen fremden Rechner zu übernehmen. Bullshit!

der Schlitzer
00
22.3.2009, 19:28

sie haben vergessen: "mit linux wär das nicht passiert"

Kuhtrainer
00
22.3.2009, 21:36

Bei einem Server mit 100 MBit Internet Leitung strengen sich die Kriminellen auch ein bisschen an.

Am Laptop ist man mit Linux aber eh recht sicher.

Liam N.
00
23.3.2009, 10:41
recht sicher am PC schon

aber was hilft es ihnen, wenn der Server auf den sie sich ins Web einloggen infiziert ist?

ein infizierter Server und man bekommt sämtliche Informationen von allen Kunden des Betreibers - auch wenn die mit einem Mac, Linux oder sonst einem gigantisch abgesicherten Windows einsteigen...

egal welches Betriebssystem, die Web-Requests sehen immer gleich aus...

C. J.
00
23.3.2009, 11:03

Selbst mit den Daten des "Servers" fangen sie recht wenig an, oder versenden sie selbige unverschlüsselt?

susi strolcher
00
22.3.2009, 17:50
ist auch nicht viel anders als mit taschendieben

natürlich kann mir ein profi im vollen bus aus meiner vorne am körper getragenen verschlossenen tasche auch das börsel ziehen, aber warum soll er sich das antun, wenn links einer das börsel in der gesäßtasche seiner jeans hat?

Threonin
00
23.3.2009, 07:00

weil: von dort bekomm ich sie selber oft nicht raus.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 27
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.