Ministerin kritisiert eigene Regierung wegen Dalai-Lama-Ausladung

25. März 2009, 07:52
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Gesundheitsministerin Barbara Hogan: "Beispiel dafür, wie gering sie die Menschenrechte schätzt"

Johannesburg - Die Verweigerung der Einreise des Dalai Lama nach Südafrika im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft stößt auch innerhalb der Regierung auf Kritik. Gesundheitsministerin Barbara Hogan forderte ihre Regierung zu einer Entschuldigung auf, berichtete der nationale Rundfunk am Mittwoch.

Hogan betonte: "Allein die Tatsache, dass diese Regierung dem Dalai Lama die Einreise verweigert hat, ist ein Beispiel dafür, wie gering sie die Menschenrechte schätzt; ich denke, dass sie sich bei den Bürgern dieses Landes zu entschuldigen hat, denn es ist in ihrem Namen, dass diesem großen Mann, der für die Rechte seines Landes kämpft, die Einreise verwehrt wurde."

Die Organisatoren einer Friedenskonferenz hatten das Treffen in letzter Minute abgesagt, weil die Regierung dem Friedensnobelpreisträger das Visum verweigert hatte. Die Konferenz im Gastgeberland der ersten Fußball-WM Afrikas hatte die einigende Kraft des Sportes bei der Überwindung von Rassismus und Ausländerfeindlichkeit, aber auch die demokratischen Werte des Kap- Staates nach Überwindung der Apartheid zeigen sollen.

"Befleckt unsere Demokratie-Bemühungen"

Der Enkel von Südafrikas Ex-Präsident Nelson Mandela, Mandla Mandela, erklärte als Mitglied des Organisationsausschusses: "Die Verweigerung eines Visums für den Dalai Lama durch die Regierung befleckt wirklich unsere Demokratie-Bemühungen." Es sei unfair, wenn die Regierung wenige Tage vor Konferenzbeginn das Visum verweigere, da sie schon seit November 2008 darüber informiert gewesen sei. Die Regierung hatte das Visum mit der Begründung verweigert, dass eine Teilnahme des im Exil lebenden geistlichen und weltlichen Oberhaupts der Tibeter nicht im Interesse des Staates sei. Sein Besuch lenke nur vom Weltinteresse an Südafrikas WM-Vorbereitungen ab.

Der organisierende nationale Fußballverband PSL betonte, Thema der "auf unbegrenzte Zeit verschobenen" Konferenz sei Frieden. "Wir wollen das Nobelkomitee nicht in eine Lage versetzen, in der es einen Konflikt gibt", erklärte PSL-Manager Irvin Khoza.

Weltweite Empörung

Die Haltung der Regierung am Kap hatte weltweit Empörung und Ablehnung ausgelöst sowie zu Konferenz-Absagen und vereinzelten Boykott-Aufrufe geführt. Die nationale Lobbygruppe "Freunde Tibets" hatte die Fußballteams aus Norwegen und Südafrika aufgefordert, ihr Benefiz-Spiel am Samstag im neuen WM-Stadion in Rustenburg aus Protest zu streichen. Am Vortag hatten die Friedensnobelpreisträger Frederick Willem de Klerk sowie Erzbischof Desmond Tutu und das norwegische Nobelkomitee ihre Beteiligung abgesagt.

Im eigenen Lande sprachen Kommentatoren von einem Ausverkauf der Werte, für die das demokratische Südafrika steht. Obwohl die Regierung behauptete, sie habe ihre Entscheidung ohne Druck von außen getroffen, hatte ein Mitarbeiter der chinesischen Botschaft eine Einflussnahme seiner Regierung zugegeben. Der Kap-Staat stellt rund 21 Prozent des chinesischen Handels auf dem Kontinent. (APA/dpa)

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