Neuer Präsident vereidigt

22. März 2009, 13:25
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Ausländische Diplomaten blieben Zeremonie fern

Antananarivo- Nach dem putschähnlichen Machtwechsel in Madagaskar ist unter dem Jubel Zehntausender Anhänger der bisherige Oppositionsführer Andry Rajoelina am Samstag als neuer Staatschef vereidigt worden. Vertreter der internationalen Gemeinschaft blieben der Zeremonie in einem Sportstadion der Hauptstadt Antananarivo fern.

Der gewählte Präsident Marc Ravalomanana trat am Dienstag nach wochenlangem, erbittertem Machtkampf mindestens 135 Toten zurück und übergab die Amtsgeschäfte den Streitkräften. Diese riefen innerhalb weniger Stunden Rajoelina zum neuen Präsidenten aus. Rajoelina hat Ravalomanana vorgeworfen, öffentliches Geld verschleudert und die Demokratie untergraben zu haben.

Neue Verfassung

Neuwahlen stellte der 34-Jährige innerhalb von zwei Jahren in Aussicht. Zuvor sollen eine neue Verfassung ausgearbeitet, neue Wahlgesetze eingeführt und eine unabhängige Wahlkommission eingesetzt werden. Diese Schritte sollten von einer nationalen Kommission überwacht werden, der alle Gesellschaftsbereiche angehören sollen, erklärte Rajoelina am Samstag in seiner Antrittsrede. Er ist nicht nur Afrikas jüngster Präsident, er ist auch nach Madagaskars geltender Verfassung sechs Jahre zu jung für das Präsidentenamt. Demnach müsste der Präsident mindestens 40 Jahre alt sein.

Vor der Amtseinführung hatten rund 3000 Menschen in der Hauptstadt gegen Rajoelina demonstriert. Eine am Flughafen stationierte Militäreinheit hatte ihn noch am Freitag ultimativ aufgefordert, die Macht innerhalb einer Woche abzugeben.

Afrikanische Union setzte die Mitgliedschaft aus

Die Afrikanische Union (AU) setzte die Mitgliedschaft Madagaskars am Freitag aus und forderte das Land auf, innerhalb von sechs Monaten die "demokratische und verfassungsmäßige Ordnung" wiederherzustellen. Deutschland und die USA legten ihre Entwicklungshilfe für Madagaskar auf Eis.

Rajoelina versicherte, dass er versuchen werde, neue Kontakte zu anderen Ländern zu knüpfen und neue Geldquellen zu erschließen. Das Ende der Diktatur und der Zeit falscher Versprechungen sei ein Erfolg und der Wille des Volkes: "Wir haben ein Etappenziel erreicht, jetzt müssen wir die Armut bekämpfen und Madagaskar positiv verändern." Rajoelina sagte auch zu, den ins Exil gegangenen Madagassen, darunter Ex-Diktator Didier Ratsiraka, die Heimkehr zu ermöglichen. (APA/AP/dpa/Reuters)

 

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