Kartnig bereicherte sich nicht

22. März 2009, 13:38
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Zahlungsflüsse zwischen Sturm Graz und Werbefirma des Ex-Präsidenten ausgeglichen - Steuerhinterziehung massiver als angenommen

Graz - Der ehemalige Sturm-Präsident Hannes Kartnig hat sich offenbar nicht am Grazer Bundesligisten bereichert, dem Staat aber wohl mehr Abgaben entzogen als von den Behörden geschätzt. Zu dieser Erkenntnis kommt der Gerichtssachverständige Fritz Kleiner, der auch festhielt, dass die steuerlichen Vorgänge bei Sturm zwar nicht korrekt, aber branchenintern offenbar üblich waren. Die berichtete die "Kleine Zeitung" in ihrer Sonntagsausgabe.

"Die Handhabung der Personalverrechnung bei Sturm Graz zwischen 1998 und 2006 entspricht möglicherweise gängiger Praxis im Fußballgeschäft", folgert Kleiner. Bezüglich der ohne Abgaben ausgezahlten Löhne an Spieler und Trainer errechnete der Gutachter "einen strafbestimmenden Wertbetrag von 8,7 Mio. Euro für die Jahre 1998 bis 2006". Die Finanzverwaltung hatte hingegen nur einen Wert von 4,5 Mio. Euro festgestellt. Rund 60 Spielerverträge wurden auf das Delikt der Abgabenhinterziehung geprüft, der Verdacht bezieht sich auf den Gesamtvorstand.

In Bezug auf die hinterzogene Steuerleistung von Hannes Kartnig für seine Gesellschaft und sich persönlich nannte der Sachverständige einen Betrag von 1,8 Mio. Euro - angeblich weniger, als die Finanz errechnet habe, so die Zeitung. Die erkennbare Zahlungsunfähigkeit für Sturm sah Kleiner rückwirkend bereits ab dem Sommer 2003 gegeben. Dies decke sich mit den Beobachtungen des damaligen Vorstandsmitglieds Erich Fuchs, der im September 2003 zum ersten Mal Alarm geschlagen hatte.

Die Zahlungsfähigkeit habe nur durch Förderungen des Landes - eigentlich für Investitionen gedacht - erhalten werden können. Der Bundesliga wurde dies nicht mitgeteilt. Kleiner geht davon aus, dass der SK Sturm für das Spieljahr 2003/2004 sonst auch keine Lizenz mehr erhalten hätte. Bundesliga und Steirischer Fußballverband erlitten laut Gutachten einen Schaden durch "schwarze" Karteneinnahmen wegen Verringerung der ihnen zustehenden Umlagen von rund 100.000 Euro.

Die Zahlungsflüsse zwischen dem SK Sturm und Kartnigs Werbefirma "Perspektiven" erscheinen dem Gutachter aus heutiger Sicht "ausgeglichen". Kleiner liefere hier "mehrere Interpretationen der Aktenlage", schreibt die Zeitung. Wenn man den Anspruch Kartnigs auf Provisionen in Rechnung stelle, hätte seine Firma "Perspektiven" sogar ein Guthaben in Höhe von 1,2 Mio. Euro beim Verein.

Der Gutachter ist auch der Ansicht, dass es keinerlei Geldrückfluss aus der Transfersumme für Charles Amoah an Kartnig oder andere Personen des Vereins gab, und dass auch beim Verkauf von Markus Schopp bis auf einen Betrag von rund 6.500 Euro alle Zahlungen letztlich ins Vereinsvermögen übergingen. Zahlungen ans Casino habe Kartnig aus Steuergründen zwar falsch deklariert, nämlich als Zahlungen an den Verein, jedoch zur Gänze aus eigenem Vermögen bzw. jenem der "Perspektiven" bezahlt.

Behebungen von Kartnig und einem zweiten Funktionär von rund 81.000 Euro und 51.870 Euro blieben ungeklärt. Daraus könnte der Staatsanwalt den Vorwurf der Untreue ableiten. Den Rest der 2,4 Mio. ungeklärter Behebungen von diversen Konten, die von der Finanz festgestellt wurden, konnte Kleiner trotz der chaotischen Buchführung eindeutig "schwarzen" Zahlungen an Spieler und Trainer zuordnen.

Kartnig und Anwalt Michael Pacher begrüßten es laut "Kleiner Zeitung", dass nun "auf hoher fachlicher Ebene" bestätigt sei, dass sich Kartnig nicht am Verein bereichert habe. Das Gutachten sei laut Pacher "ein Höhepunkt" im Ermittlungsverfahren, "aber noch nicht das Ende": Man hoffe, dass man bei der Befragung noch einiges aufklären könne. (APA)

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