SPÖ und ÖVP präsentieren Spitzenkandidaten

23. März 2009, 18:50
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Swoboda und Karas gelten wieder als Favoriten - BZÖ und Hans-Peter Martin sind noch unentschlossen

Wien/Brüssel - Zurück in die Zukunft lautet anscheinend ihr Motto: Zur Wochenmitte präsentieren SPÖ und ÖVP ihre Kandidaten für die anstehende EU-Wahl am 7. Juni - und sowohl auf der roten als auch auf der schwarzen Liste werden sich voraussichtlich jede Menge altbekannte Gesichter finden.

Am Mittwoch segnen die Sozialdemokraten, bisher mit sieben Mandataren in Brüssel vertreten, die genaue Reihung ihres Wahlkampfteams im Parteivorstand ab. Als so gut wie fix gilt, dass Hannes Swoboda, einst Delegationsleiter im EU-Parlament, erneut zum Spitzenkandidaten gekürt wird. Er selbst bestätigt: "Ja, es hat entsprechende Gespräche gegeben." Mehr will Swoboda bis zum endgültigen Entscheid der Parteispitze aber nicht sagen, denn: "Sie wissen ja, ich bin diesbezüglich ein gebranntes Kind."

Hintergrund: Unter dem roten Kanzler Viktor Klima zogen die Genossen einst - trotz anderslautender Zusagen - in letzter Minute dann doch Hans-Peter Martin vor und reihten den Quereinsteiger - sehr zur Enttäuschung Swobodas - an die vorderste Stelle.

Schwarze Aussichten

Auch bei der ÖVP macht sich bis Donnerstag wieder der langgediente Delegationsleiter Othmar Karas ernste Hoffnungen - an diesem Tag entscheidet der schwarze Parteivorstand über seine EU-Kandidaten. Bis dahin gehe er davon aus, dass er Spitzenkandidat werde, hat Karas bereits verkündet.

Die eine oder andere Überraschung ist aber auch bei den Bürgerlichen nicht ausgeschlossen. Ein Name, der neben Karas nämlich hartnäckig kursiert, lautet Ulrike Domany. Sie ist beim Pharmaziekonzern Johnson & Johnson tätig und wird angeblich vom Wirtschaftsbund favorisiert. Falls seine Unterstützung doch nicht für den ersten Platz reichen sollte, so werden Domany zumindest gute Chancen für eine prominente Position auf dem Wahlzettel eingeräumt. Als weiterer Fixstarter unter den sechs bisherigen EU-Abgeordneten gilt übrigens der Kärntner und ÖAABler Hubert Pirker, bisher außenpolitischer Sprecher der ÖVP-Delegation in Brüssel.

Im Gegensatz zu Grün und Blau - für die zwei Oppositionsparteien treten Ulrike Lunacek beziehungsweise Andreas Mölzer als Spitzenkandidaten an - haben sich die Orangen noch nicht für ihre Hoffnungsträger im EU-Parlament entschieden. Dem Vernehmen nach will man die Liste erst nach Ostern bekannt geben.

Ebenfalls noch unschlüssig: der parteifreie EU-Abgeordnete Hans-Peter Martin. Bei der letzten EU-Wahl räumte er 14 Prozent der Wählerstimmen und damit Platz drei innerhalb des Parteienspektrums ab, dennoch zögert Martin noch, erneut anzutreten. Seine Begründung: "Österreich ist für unabhängige Bürgerlisten ein sehr schwieriges Pflaster." Denn: "60 Prozent der Bevölkerung" würde ihre Meinung über den EU-Wahlkampf "ausschließlich durch den Staatsfunk ORF" beziehen. Dass er als EU-skeptischer Krone-Kolumnist nicht gerade über mangelnde Publizität klagen könne, lässt Martin nicht gelten: Bevor er seine mögliche Wiederkandidatur bekanntgebe, will er im April noch sein neues Buch "Die Europafalle" fertigschreiben, erklärt er im Standard-Gespräch.

Zwei Entscheidungen hat der umstrittene EU-Abgeordnete immerhin bereits getroffen: Erstens, wird er "sicher nicht" für die irische Partei "Libertas" antreten. Und zweitens, will Martin nicht mehr mit seiner ehemaligen Nummer zwei, Karin Resetarits, die jetzt für die Liberalen im EU-Parlament sitzt, wahlkämpfen. Weil er sich mittlerweile nicht nur mit der SPÖ, sondern auch mit ihr völlig überworfen hat. (Nina Weißensteiner/DER STANDARD Printausgabe, 24. März 2009)

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    Spitzenkandidaten bei der EU-Wahl? Hannes Swoboda (SPÖ) und Othmar Karas (ÖVP).

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