Ein Dropgoal zur Glückseligkeit

22. März 2009, 10:17
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Irland bezwang in dramatischem Entscheidungs- match Wales 17:15, kürte sich zu Champions und verewigte sich in den Geschichtsbüchern

Wien/Cardiff - Dass niemand Geringerer als Irlands Präsidentin Mary McAleese Brian O'Driscoll den Pokal überreichte war nur recht und billig, denn an diesem Samstag in Cardiff hatte das Rugbyteam des Ländchens Geschichte gemacht. Ein 17:15 (0:6) im direkten Duell gegen Wales im letzten Match der Six Nations 2009 hatte den Iren nicht nur den Turniersieg gesichert; Nach 68 Jahren gelang außerdem der zweite Grand Slam (Siege in allen Matches) - und der zählt fast noch mehr. Der Ehre noch nicht genug, wurde zur Vergütung der Erfolge gegen England, Schottland und Wales auch noch die Triple Crown eingestreift. Was für ein Fischzug.

Kurz nach der Halbzeit war Captain O'Driscoll inmitten eines Knäuels aufeinander gehäufter Leiber an den Ball gekommen, unter einem walisischen Bauch durchgetaucht und hatte sich über die Trylinie geschwindelt. Nach einer Befragung des Video-Refs war klar, dass der erste Versuch der Partie auch tatsächlich korrekt war und zählte. Es war die entscheidende Wende in einem aufregenden Match, das die Waliser zu diesem Zeitpunkt 6:0 anführten. Die Gastgeber mussten mit einer Differenz von 13 Punkten gewinnen, um in der Tabelle noch an den Iren vorbeizuziehen.

Trotz des immensen Drucks, der auf den Spielern lasten musste, waren die Männer in Grün gut gestartet. Sie hatten keine Nervosität erkennen lassen und waren eigentlich gegen den Spielverlauf durch zwei verwandelte Penalties von Stephen Jones in Rückstand geraten. Aggressives und konzentriertes Verteidigungsspiel auf beiden Seiten hatte eine Menge von Turnovers zur Folge. So entwickelte sich in den ersten 40 Minuten ein sehr abwechslungsreiches Geschehen auf höchstem Intensitätsniveau. Die Waliser nahmen bei ihren Versuchen ein Laufspiel zu etablieren viel Risiko. Doch auch die Iren suchten - zur Überraschung mancher - zu einem Gutteil im spielerischen Element ihr Glück. Sie verabsäumten es jedoch, durchaus vorhandene Vorteile auch in Punkte umzusetzen.

Das sollte sich nach Seitenwechsel ändern. Denn Irland doppelte wenige Augenblicke nach O'Driscolls Try nach. Ronan O'Gara setzte mit wundervollem Chip Tommy Bowe in Szene. Wie ein Pfitschipfeil schnellte der Flügel davon, entging einem verzweifelten Tackling der Waliser - und dann war da niemand mehr, ihn aufzuhalten. Bei einem Stand von 6:14 hatten sich die Aussichten der Gastgeber auf eine Titelverteidigung deutlich verdüstert. Es konnte nun nur noch darum gehen, dieses Spiel nicht aufzugeben. Wie vor einer Woche in Schottland, hatten die Iren nach gewissen Anlaufschwierigkeiten dem Matchverlauf nach der Pause den entscheidenden Spin gegeben.

Doch obwohl es in dieser Phase keine Hand an den Ball bekam, stabilisierte sich das walisische Team nach und nach - unterstützt auch durch einen konstanten Fluss kleiner irischer Fehler und Regelwidrigkeiten. Zwei Penalties durch Jones, der für sämtliche Punkte der Gastgeber verantwortlich zeichnete, brachten Wales bis auf einen Punkt heran. Einer leichten Überlegenheit im Scrum standen massive Probleme im Lineout gegenüber, das während der gesamten 80 Minuten unter Druck stand. Gut ein halbes Dutzend Mal gelang es hier den Iren, den Ball zu stehlen.

In der Schlussphase dann großes Drama. Der so sehr herbeigesehnte Grand Slam schien den Iren aus den Händen zu gleiten, als Jones die Waliser in der 74. Minute noch einmal 15:14 in Führung brachte. Ein verunglückter Befreiungskick der Roten aus der eigenen 22-Meter-Zone ermögliche dann noch einmal die Iren eine aussichtsreiche Position. Es gelang ihnen auch tatsächlich O'Gara zu füttern und der konterte mit eisernen Nerven und einem Dropgoal zum 15:17. Wales versuchte danach verzweifelt selbst noch ein letztes Mal in Kickdistanz zu kommen und wirklich hätte Jones mit einem Penalty in der letzten Minute noch einmal alles drehen können. Doch der aus einer Entfernung von 44 Metern Richtung Malstangen geschickte Ball senkte sich etwas zu früh auf den Boden des Millennium Stadiums hernieder. (Michael Robausch - derStandard.at 21.3. 2009)

ERGEBNISSE, letzter Spieltag:

Wales - Irland 15:17 (6:0). Millennium Stadium, Cardiff.

Wales: Penalties: Stephen Jones (4); Drop Goal: Jones

Irland: Tries: Brian O'Driscoll, Tommy Bowe; Conversions:
Ronan O'Gara (2); Drop Goal: O'Gara

Wales: 15-Lee Byrne (22-Jamie Roberts 36), 14-Mark Jones, 13-Tom Shanklin, 12-Gavin Henson, 11-Shane Williams, 10-Stephen Jones, 9-Mike Phillips; 8-Ryan Jones (captain), 7-Martyn Williams, 6-Dafydd Jones, 5-Alun-Wyn Jones, 4-Ian Gough (18-Luke Charteris 59) , 3-Adam Jones, 2-Matthew Rees (16-Huw Bennett 59), 1-Gethin Jenkins

Irland: 15-Rob Kearney (22-Geordan Murphy 72), 14-Tommy Bowe, 13-Brian O'Driscoll (captain), 12-Gordon D'Arcy, 11-Luke Fitzgerald (21-Paddy Wallace 80+2), 10-Ronan O'Gara, 9-Tomas O'Leary (20-Peter Stringer 75); 8-Jamie Heaslip, 7-David Wallace, 6-Stephen Ferris (19-Denis Leamy 9), 5-Paul O'Connell, 4-Donncha O'Callaghan, 3-John Hayes (17-Tom Court 27; 3-John Hayes 31), 2-Jerry Flannery (16-Rory Best 73), 1-Marcus Horan

Italien - Frankreich 8:50 (3:25). Stadio Flamini, Rom.

England - Schottland 26:12 (15:3). Twickenham, London.

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    Brian O'Driscoll reckt in präsidentiellem wie prinzlichen Beisein den Pokal.

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    Ronan O'Gara kickte gegen grimmigen Widerstand das entscheidende Dropgoal.

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